Montag, 14. Dezember 2015

Lena Odenthals gut definierter Bizeps: "Tatort: LU"

©ARD
Ein Bahnhofs-Tunnel, irgendwo in Ludwigshafen. Jürgen Vogel steht dort, ein Mann mit Parka steht dort – hernach nur noch als Parka-Typ bezeichnet -, und auch Lena Odenthal steht dort. Der Typ mit dem Parka zückt die Waffe und richtet sie auf Vogel. Lena Odenthal schreit: „Stop! Polizei, stehen bleiben!“ Der Parka-Typ rennt weg, Lena sprintet hinterher, sie laufen durch noch einen Tunnel. Musik im Hintergrund, das ist jetzt der Moment, wo wir uns hinter der Decke verschanzen und auf den Fingernägeln kauen sollen. Spaaaaaannnnuuuuuuung.

Dummerweise flüchtet der Parka-Typ erfolgreich, aber Lena findet immerhin Vogel in der Nähe wieder. Vogel, im Film heißt er Lu, war Geldeintreiber, sah vor 15 Jahren besser aus, ist jetzt zurückgekehrt nach Ludwigshafen. Und er traf ein paar Mal auf Lena, die sich in ihn verguckt – aber sich auch von ihm verfolgt fühlt. Wer ist dieser Mann, will sie wissen. Findet Lena, gespielt wie immer von Ulrike Folkerts, auch später heraus. Sie nimmt Lu nämlich fest und mit aufs Präsidium. „Das ist ein gut definierter Bizeps“, sagt Lu. Und weiter, als Lena Lu antätschelt: „Es ist lange her, dass mich einer angefasst hat. Ich bin Lu, Ludwig Wolff.“ Es knistert, meine Damen und Herren.

Aber Lena hat nicht nur jemanden in ihr Herz geschlossen und einen gut definierten Bizeps, sondern auch Kollegen. Der eine, Mario Kopper (Andreas Hoppe), wird auch diesmal wieder nur zum Stichwortgeber degradiert, die andere, Johanna Stern (Lisa Bitter), legt sich mit Lena an. Denn während Lena noch ganz oldschool ermittelt, ist Stern eine ganz moderne. DNA-Proben waren mal, sie heißen jetzt DNA-Matches! Ohne I-Pad geht sie schon gar nicht mehr aus dem Haus. Was Lena dazu veranlasst, sie als „Schreibtischstute“ zu verunglimpfen. Mensch, Lenchen, wo hast du deine gute Kinderstube gelassen?
Lena (Folkerts, l.) hat einen gut definierten Bizeps, findet LU (Vogel, r.) ©SWR/Alexander Kluge

Vielleicht dort, wo sie ihre Spannung gelassen hat. Denn auch der Fall „LU“ - Regie führte Jobst Christian Oetzmann, das Buch verfasste Dagmar Gabler - ist so ein Fall von der Sorte: Machen wir es halt mal wieder nicht gut. In Ludwigshafen am Rhein muss man sich eh keine Mühe mehr machen. Wo es nichts mehr zu retten gibt, da gibt’s nichts mehr zu retten. Lena fetzt sich daher ständig – also die ganze Zeit! - mit ihrer Kollegin. „Kann ja sein, dass sie im jetzigen Stadium mit ihrer Karriere abgeschlossen haben. Aber ich habe durchaus Lust, mich zu profilieren“, sagt diese dann. Aber Observieren, das kann auch Johanna Stern nicht. Zusammen mit Kopper hat sie irgendwann den Auftrag, Lu zu verfolgen. Klappt nicht. Lu lacht die beiden aus, eine weitere hochnotpeinliche Szene.

Lu darf in den Genuss einer Oberservierung kommen, da er nämlich – Surprise, Surprise! - verwickelt ist in den Mordfall, bei dem der Killer Sergej Radev Nikolov tot augefunden wurde. Der tötete vor 15 Jahren einen Chemiker und erschien ebenso wie Lenas Lover plötzlich wieder in Crime-City Ludwigshafen. Die Spur führt zu Dr. Mark Moss (Christoph Bach), ein Vorstand in einem Chemie-Konzern. Auf die Frage, was die Kommissare bei der Überprüfung seiner Konten fänden, antwortet dieser: „Geld. Viel Geld.“ So sind sie halt, unsere Konzern-Vorstände im Tatort. Sympathisch und das Herz am rechten Fleck.
Die Schreibtischstute (Bitter, l.), der Stichwortgeber (Hoppe, m.) und die Chefin. ©SWR/Alexander Kluge

Dieser Vollblut-Sympath hat allerdings Dreck am Stecken und beauftragte den Parka-Typen für dunkle Dienste. Irgendetwas in der Vergangenheit hat nämlich dafür gesorgt, dass der wieder auftaucht und dass Mikolov jetzt nicht mehr unter den Lebenden weilt - wegen all diesem gerät Moss nun in den Fokus der Ermittlungen. Oh yeah! Also schickt sich Stern an, gegen Dr. Moss zu ermitteln. Egal, ob Lena und Kopper das gut finden. Lena ist deswegen weiter genervt: „Am Schreibtisch findet man keine Verbrecher!“

Vor der Glotze auch nicht? Kein Problem. Denn sogar um die obligatorische „Wir erklären den eingeschlafenen Zuschauern jetzt einmal flott, was wir bisher haben“-Szene kommt der Fall nicht herum. Lena darf also ungefähr zur Hälfte des Filmes nochmal alles aufzählen, was jeder eigentlich schon wusste. Es stimmt gar nichts in den 90 Minuten. Der Film, bei dem auch Ingrid van Bergen mitmischt, ist vollkommen misslungen. Ob Vogel wohl eine Wette verloren hat, sodass er zugesagen musste? Man kann es nur hoffen. Er macht sein Ding, ist halt einfach 'ne coole Socke, doch wie gesagt: Wo alles schon verloren ist...

Aber hey, die banale musikalische Untermalung signalisiert ständig: Jetzt müsst ihr aufpassen, jetzt wird es spannend, richtig unaushaltbar spannend! Haltet euch fest. Das fesselt gleich. Ganz bestimmt. Irgendwann. Ja, jetzt sofort. Wartet ab....okay, irgendwie dann doch nicht.
©ARD

„An Ihnen hat der Zahn der Zeit auch genagt!“ stellt zu irgendeinem Zeitpunkt alsbald selbst die Newschool-Johanna im Hinblick auf das Ermittler-Duo von vorgestern fest. Genagt ist untertrieben. Ein guter Bizeps überzeugt vielleicht Jürgen Vogel, aber keinen Zuschauer dieser Welt. Umgehend absetzen. Bitte!

BEWERTUNG: 0/10
Titel:Tatort: LU
Erstausstrahlung: 13.12.2015
Genre: Krimi
Regisseur: Jobst Christian Oetzmann
Darsteller: u.a. Ulrike Folkerts, Andreas Hoppe, Lisa Bitter, Jürgen Vogel, Christoph Bach, Ingrid van Bergen

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