Montag, 7. Dezember 2015

Einmal wirklich langweilen: Müde Münchner in "Tatort: Einmal wirklich sterben"

©ARD
Die Hauptverdächtige heißt Emma Meyer (Anna Drexler), ihre Freundin und Komplizin Elisabeth Berger (Andrea Wenzl), der (wieder einmal) sympathische Sidekick der Kommissare nennt sich Kalli (Ferdinand Hofer), der Zoodirektor Gruber (Adnan Maral) – und das alles aus der Feder eines Autors namens Torsten C. Fischer. Nein, mit der Namensgebung kann der neuste Münchner Tatort „Einmal wirklich sterben“ schonmal nicht überzeugen. Und mit dem Rest auch leider nicht.

Eine Familientragödie ereignet sich in der bayrischen Landeshauptstadt. Dabei stirbt Michaela Danzer, Ehemann Daniel Ruppert (Harald Windisch) überlebt schwer verletzt und der sechsjährige Sohn Quirin – noch so ein Name! - (Florian Mathis) wird völlig verstört vor einer Klinik gefunden. Er schweigt, wird später entführt, wodurch der von Simon Schwarz gespielte leibliche Vater in Verdacht gerät...

Es ist wahrscheinlich gut gemeint gewesen, was sich Fischer hier zurecht geschrieben hat. Leider auch ziemlich konstruiert. Denn eine alte Schussverletzung des Vaters deutet auf einen Zusammenhang mit einem lang zurückliegenden Familiendrama hin, bei dem Ruppert seine Frau erschoss und nur Tochter Elly laufen ließ. Diese heißt jetzt Emma und wollte sich scheinbar an ihrem Vater rächen, macht jetzt – natürlich! - Selbstverteidigung. Recht mühsam gestalten sich die Zusammenhänge, wahrlich unspektakulär verlaufen die Ermittlungen auch im 71. Fall von Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayer (Udo Wachtveitl) ab.
Männer und Frauen, die auf Zettel gucken...©BR/Bernd Schuller

Fischer hat sich ein tragisches und zweifelsohne mitreißendes Familienszenario erdacht, aber dabei vergessen, einen Tatort daraus zu stricken. Denn es herrscht zu viel Drama und zu wenig Krimi. Im Mittelpunkt der Regie von Markus Imboden steht so das Schicksal von Emma, in den Vordergrund rücken die tragischen Schicksale. Die Ermittlungen? Gestalten sich nicht nur schwierig, sondern bilden bloß eine Randnotiz des großen Ganzen. Vermutlich genau deswegen können Nemec und Wachtveitl auch nicht so recht auftrumpfen, das Buch gibt ihnen keinerlei Entfaltung.

In Höchstform in dieser gigantomanischen Langeweile spielt sich neben Hofer auch wieder Lisa Wagner als Fallanalytikerin Christine Lerch. Das gibt immerhin hier und da ein bisschen frischen Wind in einem  Tatort, der sonst das Prädikat „bügelgerecht“ verdient. Denn auch wenn hier die emotionale Schiene gefahren wird, lässt „Einmal wirklich sterben“ einen kalt und regungslos zurück.

©ARD
Wie ulkig, dass es am Ende des Streifens hieß, man könne in einen Livechat mit einer Traumatherapeutin eintreten. Die hätte man mal direkt fragen können, wie man ein Langeweile-Trauma besiegen kann. Letztlich fördert auch der nach etlichen Logikfehlern an den Haaren herbei gezogene Showdown im Zoo keinen Adrenalinschub mehr zutage. 

BEWERTUNG: 3,5/10
Titel:Tatort: Einmal wirklich sterben
Erstausstrahlung: 06.12.2015
Genre: Krimi
Regisseur: Markus Imboden
Darsteller: u.a. Udo Wachtveitl, Miroslav Nemec, Ferdinand Hofer, Anna Drexler, Andrea Wenzl

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen