Dienstag, 1. Dezember 2015

Ein fliegender Tausendsassa: "Larry Gaye: Völlig abgehoben"

Larry Gaye zeigt euch jetzt auch zuhause, wie es geht! ©Ascot Elite
Ich bin noch nie geflogen. Nichtmal nach Mallorca. Mein Bedürfnis, das jemals zu tun? Nicht besonders groß. Larry (Mark Feuerstein) hingegen verbringt den Großteil seines Daseins in der Luft. Er ist nämlich Pilot. Äh, also er wäre gerne Pilot. In Wahrheit ist er jedoch eine halbe Schwulette, ein Waschlappen und eine fliegende Kellnerin. Larry heißt Gaye mit Hausnamen – hahahaha, wie tiefgründig diese Nachnamens-Gebung doch ist – und ist von Beruf Flugbegleiter. Nicht besonders angesehen in Fachkreisen, wie man an den Spitznamen dieser Gattung erkennt.

Und wir lernen so einiges über diesen Mann. Wegen einer seltsamen Krankheit fiel er als Notenbester durch die Piloten-Prüfung, serviert daher jetzt O-Saft im Flugzeug, hat für jede fehlende Speise an Bord eine Ausrede parat. Larry ist immer da, wenn es Probleme gibt. Fällt die Asche des Großvaters aus der Urne, weil Neuling Nathan (Danny Pudi) nicht aufgepasst hat? Larry hat eine Lösung. Dabei hat er einen strammen Terminkalender: Samstags Ganzkörperbehaarung, am Dienstag steht Zumba auf dem Programm und Mittwoch ist „Bumstag“. 135.000 Frauen lernte er nackt kennen, mit einer von ihnen hat er sogar mal ein Kind gezeugt. Larry Gaye – dieser Tausendsassa.

Und schön wäre es, wenn der gleichnamige Film – Namenszusatz: Völlig abgehoben – auch so unterhaltsam wäre wie die Biografie der Hauptperson. Ist er aber leider nicht. Der Witz: Irgendwo zwischen völlig albern und vollkommen abscheulich. Ständig gibt’s Anspielungen auf den Nachnamen, diverse Witzchen werden hieraus gestrickt. Und wirklich keiner davon hat sonderlich Klasse oder Stil. Feuerstein hat trotzdem Spaß, diese bekloppte Figur darzustellen. Er tut das: Überdreht, aber irgendwie ganz liebenswert. Und so ist auch der Rest des Films.
Gewann sechs goldene Thermoskannen und die Herzen vieler Frauen. Schon ein Teufelskerl, unser Larry. ©Ascot Elite

Eine Komödie besteht sicher aus Lachern, auf den großen Lachkrampf wartet man in den guten 100 Minuten Laufzeit jedoch vergeblich. Aber wenn man sich das an das ganze Ambiente, an die überdrehte Machart gewöhnt hat und das Verhältnis des Vaters mit dem Sohnemann in den Vordergrund rückt, dann ist da irgendwas in der Luft, was ganz charmant wirkt. Die Inszenierung ist allerdings völlig vergurkt und schwankt umher von mies bis frevelhaft. Wahrscheinlich sogar ungewollt.

Was der Film zweifelsohne schafft: Lust aufs Fliegen zu machen. Denn die Airline will die Flugbegleiter austauschen durch herzlose Roboter. Regisseur Sam Friedlander zieht dann alle Register, um zu zeigen: Hoch oben in den Lüften, das ist eine Herzensangelegenheit der dort Beschäftigten. Dabei lässt er natürlich – auch hier vermutlich eher ungewollt – nahezu kein Klischee aus. Die Bosse der Flugfirmen sind Assis, die echten Kapitäne hochgradig arrogant. Und wenn das Flugzeug mal in Turbulenzen gerät? Larry Gaye schaukelt das Schiff wohl. (zugegeben, die falsche Metapher bei dieser Thematik)

Wer hohes Niveau sucht oder etwas zum derben Lachen, ist bei „Larry Gaye“ falsch. An wen sich der Streifen richtet, ist unklar. Und auch als Hymme auf die Flugbegleiter und alle Flugzeug-Angestellten eignet sich dieses Komödchen keineswegs. Aber wenn dann die ganze Flughafen-Belegschaft im Abspann noch für ein kleines Schmankerl sorgt und Stanley Tucci dort ebenfalls einen kurzen Auftritt bekommt, dann lächelt man selbst als Nicht-Flieger.

©Ascot Elite
Tucci spielt einen Verleger, der Larry Gayes geplante Autobiografie nicht veröffentlichen wollte. Die Biografie sollte selbstredend unauthorisiert sein. So isser halt, unser Lary Gaye. Der Mann, der sechs goldene Thermoskannen (die Auszeichnung für den fähigsten Flugbegleiter) in Folge gewann. Unser bester Mann dort oben. Fliegen will ich allerdings noch immer nicht. 

BEWERTUNG: 5,0/10
Titel: Larry Gaye - Völlig abgehoben
FSK: ab 6
Laufzeit: ca. 101
Genre: Komödie
Erscheinungsjahr: USA 2015, auf DVD & Blu-Ray erhältlich
Regisseur: Sam Friedlander
Darsteller: u.a. Mark Feuerstein, Stanley Tucci 

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