Montag, 28. Dezember 2015

Der Zuschauer sieht doppelt - Tom Hardy in "Legend"!

Ab 7. Januar im Kino! ©Studiocanal 


Sie waren die Instanz im London der 60er Jahre. Die Gangster Reginald und Ronald Krey, Zwillinge und Oberhäupter eines Verbrechersyndikats. Rauschende Partys in den Nachtclubs der Stadt, Schlägereien mit verfeindeten Gangs – Tagesordnung für die Brüder. Sie waren ein schillerndes Symbol dieser verruchten Zeit, Figuren, denen ein filmisches Denkmal durchaus gerecht werden könnte. Unter der Regie von Brian Helgeland ist „Legend“ jedoch nicht einmal halb so legendär wie der Mythos um die Brüder und kopiert Versatzstücke vieler Klassiker.

Er erleidet interessanterweise dasselbe Schicksal wie ein weiterer Vertreter des Genres aus diesem Jahr. „Black Mass“ glänzte ebenfalls mit einer kraftvollen Performance seines Stars, hatte jedoch sonst wenig zu bieten. Aufgewärmtes, neu verpackt und doch altbekannt. „Legend“ hat mit der Doppelperformance Tom Hardys einen riesigen Anker, der das Schiff davor bewahrt, auf See verloren zu gehen. Er ist das Einzige, das „Legend“ von der Masse an Genrefilmen abhebt. Denn der Rest rund um den Gangster, der keiner mehr sein will und die Verstrickungen von Politik und Stars in der Szene sind nicht neu.

©Studiocanal
Es irritiert zudem, dass sich Helgeland entscheidet, die Figur von Emily Browning so in den Vordergrund zu rücken. In ihrer Eigenschaft als große Liebe einer der Brüder ist es ihr Einfluss, der zu einem Bruch zwischen den Geschwistern führt. Doch durch den Fokus auf ihre Person bekommt der Zuschauer keinen wirklichen Einblick in die Organisation des Syndikats. Die Meute um die Brüder herum bleibt konturlos, namenlos, selbst wenn halbwegs bekannte Darsteller sie spielen. Das ist schade, denn die Faszination des Zuschauers sackt dementsprechend immer weiter ab. Der emotionale Sprengstoff der Geschichte will nicht zünden, bleibt lediglich ein Versprechen.

Brian Helgeland hat mit seinem Drehbuch zu „L.A. Confidential“ bewiesen, dass er die Elemente des Gangsterkinos beherrscht. „Legend“ fühlt sich dementsprechend wie ein weiterer Vertreter des amerikanischen Gangsterkinos an, ohne den Flair Londons für sich nutzen zu können. Zwar sind Ausstattung und Sets fantastisch, doch täuscht die verrucht-elegante Oberfläche nicht über fehlende Tiefe hinweg. „Legend“ ist einfach zu wenig von allem. Außer von Tom Hardy. Den gibt es dort immerhin zweimal.


©Studiocanal
BEWERTUNG: 06/10
Titel: Legend
FSK: ab 16 freigegeben
Laufzeit: 131 Minuten
Genre: Gangster, Drama
Erscheinungsjahr: 2016
Regisseur: Brian Helgeland
Autor: Brian Helgeland
Darsteller: Tom Hardy, Emily Browning, Christopher Eccleston, David Thewlis, Taron Egerton













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