Dienstag, 15. Dezember 2015

Chinesischer Popcorn-Kriegs-Bombast: "Die letzte Schlacht am Tigerberg"

Yang mit seinem Pferd reitet jetzt auch zu euch nach Hause. ©Koch Media
Jedes Land dieser Weltkugel hat sein eigenes Kapitel mit dem zweiten Weltkrieg. Und so ziemlich jede Nation hat darüber auch schonmal einen Film gedreht. Auch die Chinesen. Ihr jüngstes Kriegs-Produkt heißt „Die letzte Schlacht am Tigerberg“, ist jetzt fürs Heimkino erhältlich und spielt im Nachkriegs-China 1946. Glücklicherweise setzt Altmeister Hark Tsui dabei aber nicht auf eine pathosgetriefte Variante des Kriegs-Kinos, sondern auf opulente und verdammt spektakuläre Schauwerke. Ein sehenswerter Film – mit leichten Abzügen in der B-Note.

Die Japaner haben das Reich der Mitte nach der Kapitulation verlassen, China versinkt daraufhin in Anarchie. Diebesbanden, Gauner-Truppen und Warlords mördern, plündern und brandschatzen sich durchs komplette Areal. China im Jahre 1946 ist ein Land ohne Struktur, mit viel Leid, Tod und besonders viel Angst. Auch die Einheit der Volksbefreiungsarmee um Kapitän Shao (Kenny Lin) und dem erfahrenen Kämpfer Yang (Hanyu Zhang) kann mit der mickrigen Mannschaftsstärke von nur 30 Mann wenig ausrichten gegen die ganz großen Banditen. Einer von ihnen, vielleicht der gefürchteste gemeinhin, ist Lord Falke (sieht aus wie der Teufel höchstpersönlich: Tony Ka Fai Leung). Ein skrupelloser Bösewicht ohne Herz, der Frauen schlägt und seine Handlanger plündernd durch die Gegend schlurfen lässt. Auch ein kleines Dorf am Tigerberg musste darunter leiden. Dort quartiert sich Shaos Einheit ein, schleust gleichzeitig Yang mit einer List bei Falke ein – um wenig später die große Schlacht am Tigerberg zu entfachen...

Lange dauert es, bis der 140-Minüter seine volle Sog-Wirkung entfalten kann. Aber Regisseur Tsui operiert erfolgreich mit allem, was das Bewegtbild so zu bieten hat. Krachende Action zeigt er bei der großen Schlacht, er setzt auf viel Getöse, auf opulente Kost. Man sieht dem Streifen an: Hier wurde Geld in die Hand genommen. Wenn nach gut einer Stunde Laufzeit so langsam die letzte Schlacht beginnt, dann sitzt man da und hofft. Darauf, dass Yangs Spionage-Tätigkeit nicht auffliegt und dass das Himmelfahrtskommando der Shao-Einheit doch noch gut ausgeht. Der Film, basierend auf einem Abenteuerroman und auf einer Oper, streut zwischendurch eine ordentliche Prise Humor ein – zum Beispiel, wenn die Protagonisten ihre Blase erleichtern und sich dabei über ein friedliches Leben unterhalten. 
©Koch Media

Gleichzeitig erfreut sich der Zuschauer an tollen Kamerafahrten, selbst kleinere, eher unwichtige Passagen wie das Fahren mit Skiern durch tiefen Schnee werden von Tsui lustvoll inszeniert. Der hatte Bock, da steckt nicht nur viel Kohle, sondern auch viel Leidenschaft drin. Das quillt über auf die heimische Couch. Es dauert zwar ein wenig, bis man bei all den Shengs, Ying und Yangs durchblickt, aber dann macht „Die letzte Schlacht am Tigerberg“ Spaß. Vielleicht dauert er ein wenig zu lange, vielleicht ist die Story – heruntergebrochen aufs Kürzeste – übersichtlich und nicht viel mehr, als der typische Gut-gegen-Ganz-ganz-böse-Plot. Schwarz und weiß sind auch schnell ausgemalt. Aber was soll's?

Das sind 140 Minuten pures Popcorn-Kino. Stets bildgewaltig, so gut inszeniert, dass er sich vor amerikanischen Pendants nicht zu verstecken braucht und ordentlich verpackt. Zwischendurch taucht da selbst ein CGI-Tiger auf, der sich mit Yang im Wald einen heißen Fight liefert. Man könnte losprusten wegen der schwachen Computer-Technik. Man könnte. Aber selbst diese, fürs große Ganze vollkommen überflüssige, Sequenz hat irgendwie Charme. Es sollten mehr Beiträge so sein wie Chinas zur Weltkriegs-Thematik. 

©Koch Media

BEWERTUNG: 7,0/10
Titel: Die letzte Schlacht am Tigerberg
FSK: ab 16
Laufzeit: ca. 141 Minuten
Genre: Actionfilm, Abenteuer
Erscheinungsjahr: China 2014, auf DVD, Blu-Ray & VoD erhältlich
Regisseur: Hark Tsui
Darsteller: u.a. Kenny Lin, Hanyu Zhang, Tony Ka Fai Leung

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