Dienstag, 22. Dezember 2015

Auf den Pfaden eines Abenteurers - "Marco Polo - Staffel eins"


Auf DVD und Blu-ray! 


Mit "Marco Polo" installierte sich der Streaminganbieter Netflix als ernsthafte Konkurrenz zu HBO und Konsorten. Mit einem Budget von 90 Millionen Dollar ist die Serie ein wahrer Blockbuster unter den Produktionen des VOD-Dienstes. Showrunner John Fusco ritt sogar mit dem Pferd durch die Mongolei um möglichst viel Authentizität auf die Bildschirme zu zaubern. Das – so viel sei gesagt – ist ihm gelungen. Die Bilder sind atemberaubend in ihrer Erlesenheit, selten gab es in einer Serie solch prachtvolle Bauten und Landschaften zu bewundern. Auf technischer Seite ist „Marco Polo“ in der Spitzenklasse. Die 51 liebevoll gestalteten Sets, die Kostüme sowie der Clash der Kulturen werden von Fusco und seinem Team aufregend dargestellt.
Zwar ist die historische Genauigkeit bei einer Person wie Marco Polo ohnehin nicht möglich, doch finden die Autoren die Balance zwischen Fiktion und (vermuteter) Realität. Zeit seines Lebens als auch heute noch bezweifeln Wissenschaftler die Aussagen Polos. Manche sagen, er hätte Aussagen fahrender Händler aufgeschrieben, die Mehrheit ist jedoch der Meinung, er wäre wirklich vor Ort gewesen. Zu genau sind seine Aussagen die asiatischen Gepflogenheiten betreffend. Hier leisten die Drehbücher wichtiges, denn der Zuschauer erfährt viel über die Kultur der Mongolen im Vergleich zu den Chinesen. Polo fungiert dabei als westlicher Betrachter, als Identifikationsfigur, der sich in der Fremde zurechtfinden muss. Vielfach präsentiert „Marco Polo“ die unterschiedlichen Philosophien und Weisheiten der dortigen Gesellschaften. Die Chinesen, durch Konfuzianismus und Taoismus augenscheinlich kultiviert, auf der einen und die „Barbaren“ um Kubilai Khan auf der anderen Seite.
©Ascot Elite
Auf diese Stärken verlässt sich „Marco Polo“ leider nicht. Genau wie „Game of Thrones“ setzt die Serie vor allem zu Beginn auf viel nackte Haut. Zwar ist es historisch korrekt, dass der Khan einen riesigen Harem besaß, doch übertreiben es die Macher. So manches Mal droht der Erzählfluss einzuschlafen, wird aber durch die formidable Inszenierung gerettet. Das ist Meckern auf hohem Niveau, denn sonst ist „Marco Polo“ absolut sehenswert. Seien es die wundervollen Kung Fu-Kämpfe, die sich langsam entfaltende Story oder die Produktionsqualität im Allgemeinen. Einige Charaktere wachsen dem Zuschauer ans Herz, besonders der Khan-Darsteller Benedict Wong ist eine Wucht und – wenn man ihn sich aus „Sunshine“ oder „Prometheus“ in Erinnerung ruft – kaum wiederzuerkennen.

„Marco Polo“ ist ein großer Spaß für all jene, die ein wenig Einblick in fremde Kulturen erhalten wollen. Nicht perfekt, dafür mit einem ehrlichen Interesse an seinem Thema, mit Hingabe produziert. Staffel zwei wird kommen, die Weichen für zehn fulminante neue Folgen sind gestellt. Ist es nicht wunderbar, in einer Serienepoche zu leben, in der solche Wagnisse produziert werden?

©Ascot Elite

BEWERTUNG: 08/10
Titel: Marco Polo
FSK: ab 16 freigegeben
Laufzeit: 10 Folgen a 54 Min. 
Genre: History, Action, Drama
Showrunner: John Fusco
Regisseure: Joachim Ronning, Espen Sandberg, David Petrarca, Alik Sakharov
Darsteller: Lorenzo Richelmy, Benedict Wong, Chin Han, Joan Chen, Olivia Cheng, Zhu Zhu, Tom Wu, Andrew Ng, Rick Yune, Amr Waked









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