Samstag, 19. Dezember 2015

Alpha, Omega, Antichrist: "The Vatican Tapes"

Ob die Wand wohl noch antworten wird? Die Antwort: Jetzt im Heimkino zu erfahren! ©Universum Film
Angela (Olivia Taylor Dudley) steht in ihrer Klapsen-Zelle und spricht mit der Wand. Nein, nicht mit irgendeiner Wand. Mit einer furchtbar seelenlos weiß angestrichenen Wand. Dafür möchte man sie alleine schon in die Arme schließen und einmal kräftig knuddeln. Und Mitleid hat man irgendwie auch mit ihr. Während sie nämlich Smalltalk mit der Wand betreibt, verpasst sie ein paar Stockwerke weiter unten eines der Highlights ihrer Zeit in der Irrenanstalt. Da hauen sich ihre Patienten-Kollegen fröhlich die Rübe ein. Herrlich. Es fliegen die Fetzen, Stühle und Tische. Und wehe, es kommt ein Wärter rein. Der bekommt die doppelte Tracht Prügel. Auch ihn will man knuddeln.

Oder aber den bemitleidenswerten Officer. Der will Angela, dort noch im Krankenhaus liegend, verhören. Doch die reagiert nicht und zeigt mit dem Finger bloß auf einen schwarzen Raben am Fenster. Der Officer wankt hinaus, sein Kollege blickt ihm hinterher, Angelas Vater Roger (Dougray Scott) tut das gleiche. Es dauert nur wenige Sekunden, bis der Officer wieder kommt. Er hat zwei Glühbirnen in der Hand. Die steckt er sich in die Augen. Das ist kein neuer Halloween-Trend, sondern Selbstmord. Und wer war schuld? Der Rabe. Der schwarze Rabe. Ein fieses Tier. Er hat ihn verflucht.

Dieser bringt nämlich nur Unglück übers Land. Als Angie, da noch fit, frisch und fidel, eine lange Zeit vorher ihren Geburstag mit ihren Freunden feierte, inklusive Papi als Überraschungsgast, da endete der spaßige Tag abrupt in der Klinik. Sie schnitt sich in die Hand. Ziemlich tief. Und just zu dem Zeitpunkt flog ein schwarzer Rabe von dannen. Der Teufel, ja, der Abscheuliche höchspersönlich, hat sich bei ihr eingenistet, weswegen sie jetzt in der Klapse hockt. Und der Rabe ist der Bote des Todes. Das alles ruft den Vatikan auf den Plan. Vor Ort den Priester Lozano (Michael Pena), aus dem Vatikan kommt der Exorzismus-Experte Bruun (Peter Andersson) herbei gebraust. Und dann heißt es: Alpha, Omega, Antichrist!
Gott, steh uns bei! ©Universum Film

Leider heißt es bei „Vatican Tapes“ auch eher größtenteils: Oh. Mein. Gott! Denn was Regisseur Mark Neveldine hier anbietet, das ist – gelinde gesagt – wirklich nicht spektakulär. Oder um es anders auszudrücken: Das ist einfach nicht gut. Im bierernsten Duktus grast er mit seinem Streifen jegliches Exorzismus-Klischee ab. Wer sich erhofft, irgendwo irgendwie irgendetwas Neues zur Exorzismus-Thematik aufgetischt zu bekommen, der wird sich im Anschluss lieber kräftig auf die Zunge beißen und danach mit gellendem Schmerz dreimal gegen die nächste Straßenlaterne laufen. Das tut zwar sicherlich auch weh, aber der Schmerz ist weniger enttäuschend. Und wer keine Erwartungen hatte, der wird bestätigt und immerhin dann und wann sehr belustigt zurück gelassen.

Zwar ist die Inszenierung relativ konsequent und weiß, was sie will, doch dabei bleibt's auch wieder. Einfach nur ein bisschen den Teufel in eine Person einzuquartieren, das reicht höchstens für ein mittelmäßiges Studenten-Abschlussfilmchen, bei einem abendfüllenden Spiel- oder Kinofilm hingegen wirkt das Ganze dagegen recht lahm. Da durchtrennt der Teufel in Angie mal eben so dicke Ketten, lässt sie ein wenig seltsame Fantasiesprache von sich geben, um wenig später standesgemäß alles in Schutt und Asche zu legen. Zwischendurch kotzt sie Blut und Raben-Eier.

Charaktere und Dialoge bleiben bei diesem Stangen-Drehbuch natürlich auf der Strecke. Wir haben sie wieder alle versammelt: Zwei Priester, die mit Weihrauch und hochtrabenden Bibel-Sprüchen ihr Bestes geben, damit das Böse aus der Verdammten entweicht. Der Antichrist in Angela ist aber natürlich zu mächtig, er bringt sie sogar noch dazu, in die Lüfte zu gehen. Tempo ist dabei durchaus drin, die vom Crank-Regisseur Neveldine erwartete Inszenierungs-Routine mit ansehnlicher Kameraarbeit auch – nur leider eben kaum Einfälle. Und die wenigen wirken einfach unfreiwillig komisch.

©Universum Film
Es wird letztlich schlichtweg einmal mehr der Teufel ausgetrieben. Angela wird wohl weiterhin mit weißen Wänden reden. Und man merke sich bitte: Hütet euch vor schwarzen Raben! Denn: „Da braut sich etwas zusammen, es wird was Böses passieren!“ Zu spät. Das Böse ist schon da. In Form dieses Films. 

BEWERTUNG: 2,5/10
Titel: The Vatican Tapes
FSK: ab 16
Laufzeit: ca. 91 Minuten
Genre: Horror
Erscheinungsjahr: USA 2014, auf DVD, Blu-Ray & VoD erhältlich
Regisseur: Mark Neveldine
Darsteller: u.a. Michael Pena, Olivia Taylor Dudley, Dougray Scott

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