Sonntag, 29. November 2015

"Sharktopus vs. Pteracuda": Beachvolleyball mit Leichenteilen

Kopf ab! Jetzt auch auf Blu-Ray & DVD! ©Edel Germany
„Und? Was machen Sie so beruflich?“ Eine gut aussehende Dame trifft auf dich an irgendeiner Hotelbar, es ist Wochenende, der Abend schon fortgeschritten, ein paar Drinks schon leer. Du antwortest: „Ich drehe Filme.“ Die Frau wird dich mit großen Augen angaffen. „Filme? Das ist ja cool“, wird sie antworten. Und auf den großen Fang hoffen, auf das große Geld, auf den Ruhm an der Seite eines Stars. Sie wird dich fragen: „Was denn zum Beispiel?“ Du wirst vermutlich dringend das Bedürfnis haben, noch zwei weitere Getränke auf Ex herunterschlucken. „Sharktopus vs. Pteracuda, Dragon Apocalypse, Attack of the 50ft Cheerleader, Dinoshark, Dinocroc.“

Es gibt dann zwei Varianten. Szenario eins: Deine Bekanntschaft wird dann entweder den Barkeeper konsultieren, ihn darum bittten, dich aufs Zimmer zu befördern, weil du zu viel intus hast und deshalb nur Stuss von dir gibst. Oder aber Variante zwei: Sie wird dich auslachen und sich anderen Dingen widmen. Na ja, es gibt auch die - sehr unwahrscheinliche – Möglichkeit, dass sie dich trotzdem attraktiv findet und mehr von dem erfahren möchte, was du tust. Du würdest dann auf die Frage, was das alles für Filme seien, einfach nur erklären: „Sie sind besonders.“ Damit würdest du nichtmal lügen. Aber das wäre nur die halbe Wahrheit.

Denn dein Name ist Kevin O'Neill, du wurdest im April 1961 geboren, und von Beruf bist du Regisseur. B-Movie-Regisseur. Und du hast den Nachfolger des schon ziemlich bananigen „Sharktopus“ gedreht. Eine weitere Produktion namens „Sharktopus vs. Whalewolf“ ist bereits in der Mache. Man könnte jetzt sagen: Du bist ein verrückter Hund. Man könnte aber auch sagen: Du bist so wie der Mülltonnen-Abholer. Einer muss es ja tun. Dafür wird dir die eine Hälfte des Planeten dankbar sein, denn die feiern deine Filme. Das sind die Leute, die von Zeit zu Zeit freitagabends mit Oliver Kalkofe und Peter Rütten „Die schlechtesten Filme aller Zeiten“ zu einem Jubelfest umfunktionieren. Die andere Hälfte der Erdkugel wird aber einfach nur ungläubig mit dem Kopf schütteln und dich womöglich mitleidig anschauen.
Katie Savoy im Wasser mit netter Begleitung! ©Edel Germany

Schließlich sind deine Filme, lieber Kevin, einfach nur schlecht gemacht. Absichtlich, selbstverständlich. Billiger Tiertrash eben. Mit Effekten zum Schreien, mit Charakteren zum Haare raufen, mit einer Story zum Vergessen, teilweise ernst und einfach mies, teilweise aber auch irgendwie ganz witzig und komisch. Bei deinem neusten Werk geht’s um eben jenen Sharktopus, der irgendwo im Becken gehalten wird – zur Attraktion von selbstdarstellerischen Touristen („Machen Sie hinne, meine Frau muss um 3 zur Pediküre!“). Nur Lorena (Katie Savoy) kümmert sich um ihn. Sharktopus ist eine Mischung aus Hai und Oktopus. Anderswo gibt’s dann einen verrückten Professor (Robert Carradine), der einen so genannten Pteracuda gezüchtet hat. Eine Mischung aus Pterodactylus-Flugsaurier und Barracuda, natürlich irgendwie illegal zusammengemischt. Nachdem dieser außer Kontrolle gerät, müssen sich der Professor, sein Sicherheits-Chef Hamilton (Rib Hills) und Lorena zusammen reißen, Sharktopus die Daumen drücken und ihre Leben verteidigen...

Kevin, ich muss dir ein Kompliment machen: Im Gegensatz zu vielen Filmen dieser Gattung verlierst du keine Zeit. Ohne sonderlich viel Dialog-Schwachsinn geht’s rein ins Geschehen. Wenig wird anfangs erläutert, keine Charaktere näher eingeführt, das ist dir und deinem Team hoch anzurechnen. So nimmt sich dein Film längst nicht so ernst wie viele andere und verhindert auch so viele Längen. Natürlich: Da sieht nichts gut aus, deine Darsteller können alle gar nichts, die Geschichte ist auch blöd. Und es gibt auch deutlich unterhaltsamere Trash-Feuerwerke, aber es gibt ebenfalls viel miesere Ausführungen. Und wenn dann ein Möchtegern-Fernseh-Star am Strand hockt, sein Sektchen schlürft und dann vom Sharktopus-Ungeheuer angegriffen wird, dann macht das sogar echt Spaß – erst recht als mit dem Kopf dann weiter Beach-Volleyball gespielt wird.. Oder deine Figur der Reporterin vom Lokal-Kanal, die mit ihren Stöckelschuhen umherstöckelt und die ganz große Story wittert, sich nachher sogar von einem Obdachlosen filmen lassen muss, weil ihr Kameramann flüchtete. Ein schöner Seitenhieb auf unsere Gesellschaft. 

©Edel Germany
Letztlich kann dich das alles zwar nicht davor retten, dass „Sharktopus vs. Pteracuda“ trotzdem eher durchschnittlicher und langweiliger Trash-Bullshit geworden ist, aber ich kann dir Hoffnung machen. Denn die Produzenten des Filmes heißen Roger und Julie Corman. Ein Ehepaar, das sich sehr erfolgreich seit einigen Jahren auf die Produktion von eben jenem Trash-Genre spezialisiert hat. Vielleicht begann ihre Liebes-Geschichte ja auch an der Hotel-Bar. „Und? Was machen Sie beruflich?“ 

BEWERTUNG: 4,5/10
Titel: Sharktopus vs. Pteracuda
FSK: ab 16
Laufzeit: ca. 88
Genre: Tier-Trash
Erscheinungsjahr: USA 2014, auf DVD & Blu-Ray erhältlich
Regisseur: Kevin O'Neill
Darsteller: u.a. Katie Savoy, Robert Carradine, Hib Hills

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