Samstag, 10. Oktober 2015

„Titanium – Strafplanet XT-59“: Immerhin aufs Making Of ist Verlass

Sieht böse aus, der Glatzkopf. Ist in den Sümpfen gelandet. Und vielleicht auch bei euch im DVD-Regal? ©Ascot Elite
Den Preis für den miesesten Titel seit langer, langer Zeit hat die russische Dilletanten-Produktion „Titanium – Strafplanet XT-59“ ohne Zweifel sicher. Zudem ist die Synchro dieses frisch auf der runden Scheibe erhältlichen Murkses auch zum Gruseln. Das einzig wirklich Gelungene an diesem Werk ist die Komödie, auch Making Of genannt, im Bonusmaterial. Da werden Dinge erzählt, die einem wirklich den Rest geben. Der russische Regisseur Dmitriy Grachev klagt dort sein Leid über das geringe Budget, bei dem es sich mit gesundem Menschenverstand um das Budget einer rumänischen Komödie handele. Mit gesundem Menschenverstand muss man jedoch zu dem Schluss kommen, dass „Titanium – Strafplanet XT-59“ einfach eine einzige Katastrophe ist.

Das beginnt nämlich schon beim Äußeren. Das Sci-Fi-Survival-Szenario sieht einfach scheußlich aus, es nimmt sich darüber hinaus auch zu ernst, um als Trash-Festival verehrt zu werden, und ist auch einfach zu schlecht, um als gut durchzugehen. Die Story hätte allerdings was werden können. Hätte wohlgemerkt.

Denn die Idee, dass ein totaler Überwachungsstaat von den Menschen irgendwo in einem fernen Universum auf einem fremden Planet erschaffen wird, ist relativ interessant. Die erdachte Total-Überwachung der Bewohner bis zum geht nicht mehr ist in Zeiten von NSA und Konsorten ebenfalls nicht so weit hergeholt. Aussetzige und dem System Abtrünnige werden in einer Sumpf-Landschaft abgeladen, wo mehrere tödliche Kreaturen sie der Reihe nach abschlachten. Irgendwo soll es eine Insel des Glücks geben, wo sich die Verräter „reinwaschen“ könnten. Der Weg dahin ist beschwerlich und kaum machbar. Klingt nicht so übel? Stimmt eigentlich. Aber was der Streifen daraus macht, hat einfach gar keine Inspiration.
Will bestimmt nur spielen...©Ascot Elite
Statt sich um das Überwachungs-System zu kümmern, stellt das Bewegtbild eine Gruppe von zehn Ausgesetzten in den Vordergrund, die sich gemeinsam durch die Sumpf-Landschaft kämpfen. Es gibt den obligatorischen Vollblut-Unsympathen und den obligatorischen Helden, dazu weitere unspektakuläre Figürchen. Der Film funktioniert dann auch so, wie jeder x-beliebige Survival-Thriller so abläuft: Der Reihe nach sterben sie weg, untereinander wird viel geredet, zwischendurch sieht man die bösen Marionetten des Systems, die die Truppe jagt. Joar. Dann gibt’s hier 'ne Falle, da einen Streit, da einen Schusswechsel. Es überrascht nichts. Also gar nichts. Die knapp anderthalb Stunden Laufzeit wirken schier uendlich, schleifen nur so vor sich hin. Eine gähnend-langweilige Angelegenheit. Ohne Esprit. Ohne Ideen. Ohne Mumm.

Wie gesagt: Das sieht obendrein auch noch furchtbar aus und es nimmt sich alles ernst. Witz sucht man vergeblich, Eigenhumor findet man nur auf dem Making Of. Sofern das dort Gesagt überhaupt ironisch gemeint wurde. Gehen wir einfach mal von aus. Der Co-Regisseur behauptet, Grachev sei einer der anspruchsvollsten Regisseure, mit dem er je zusammengearbeitet habe. Mein Beileid. Er sei sich auch sicher, dass es gelungen sei, ein gutes Ergebnis hinzubekommen. Noch mehr Beileid. Die Dreharbeiten in Island seien mit einem „ausgezeichneten“ Filmstudio vonstatten gegangen, das eine so gute Arbeit abgeliefert habe, wie es sie auch für einen Christopher Nolan gemacht hätte. Ahja. Am meisten Beileid fürs Filmstudio.

©Ascot Elite
Sein Boss erklärt derweil, „Titanium – Strafplanet XT-59“ sei eine Art Prüfung, seine Fähigkeiten auch mal in einer professionellen Liga zu testen. Mission failed. 


BEWERTUNG: 1,5/10
Titel: Titanium - Strafplanet XT-59
FSK: ab 12
Laufzeit: ca 84 Minuten
Erscheinungsjahr: Russland 2014, auf DVD & BluRay seit 06.10.2015 erhältlich
Genre: Sci-Fi
Regisseur: Dmitriy Grachev
Darsteller: u.a. Vinnie Jones, Irene Muskana


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