Dienstag, 6. Oktober 2015

Sightseeing wider Willen - Matt Damon alleine auf dem Mars in "Der Marsianer"!





AB 8. OKTOBER IM KINO! ©20th Century Fox
Stell dir vor, du bist alleine. Nicht das Ich-sitze-zu-Hause-auf-meinem-Sofa-und-mache-blau-alleine. Auch nicht das Ich-esse-im-Restaurant-grundsätzlich-ohne-Begleitung-weil-mich-Menschen-nerven-alleine. Und schon gar nicht das Ich-habe-einen-Stöpsel-im-Ohr-weil-du-mich-verdammt-noch-mal-nicht-ansprechen-sollst-alleine. Nein, Mark Watney hebt die Form des Alleine-Seins auf ein ganz neues Level. Er ist gestrandet. Auf dem Mars. Ohne eine Menschenseele auf dem gesamten Planeten. Seine einzige Begleitung: Schlechte Dance-Musik.

Das ist die Prämisse des neuesten Films von Ridley Scott, der mit „Blade Runner“ und „Alien“ Filmgeschichte geschrieben hat. Nun hat sein Output der letzten Jahre jedoch an Qualität eingebüßt und Stimmen wurden laut, die ihm zwar nicht sein Gespür für Bilder absprechen, wohl aber das für Geschichtenerzählen. Nun, allen Kritikern sei gesagt: Diese Zeit ist vorbei! „Der Marsianer“ ist nichts weiter als der beste Film des Regisseurs seit zehn Jahren. Denn endlich greifen Bilder und Story ineinander und entfachen ein wahres Feuerwerk auf der Leinwand. 

©20th Century Fox
Basierend auf dem Bestseller von Andy Weir schickt Scott Superstar Matt Damon durch eine Tour de Force sondergleichen. Alleine auf dem roten Planeten, mit nichts weiter als seinem Verstand um zu überleben. Schon die Ausgangssituation ist ungemein faszinierend, doch verlässt sich der Film nicht bloß darauf. „Der Marsianer“ bietet neben der beeindruckenden One-Man-Show Damons einen nicht minder interessanten Sideplot auf der Erde, als auch auf dem Raumschiff, dessen Crew Damon zurücklassen musste. 

Mit einer fast schon surreal anmutenden Starrriege in kleinsten Nebenrollen fährt Scott große Geschütze auf. Die wie immer wunderbare Jessica Chastain darf mitmischen, ebenso wie Oscarpreisträger Chiwetel Eijofor („12 Years A Slave“). Oder Kate Mara. Oder Sean Bean. Oder Jeff Daniels. Und trotz der ungemeinen Vielzahl an Charakteren schafft es Scott, die Zügel in der Hand zu halten. „Der Marsianer“ wirkt keinen Moment zu vollgestopft oder überladen – ganz im Gegenteil. Die 130 Minuten vergehen wie im Flug, auch das Einführen von Charakteren im letzten Drittel des Films sorgt nicht für Langeweile. Schon angekündigt ist eine Langfassung mit 160 Minuten, wie man es von Scott gewöhnt ist. Normalerweise machen sie seine Filme sogar noch besser („Königreich der Himmel“!). 

Als wäre Damons Überlebenskampf und die Hilfe der Nasa-Mitarbeiter nicht schon genug Stoff, durchzieht den Film ein überraschender Hang zur Ironie. Matt Damons Charakter darf fluchen wie ein Rohrspatz, kommentiert seine Fehlschläge mit bissigen Sprüchen und macht „Der Marsianer“ erstaunlich leichtfüßig. Dadurch schlägt das emotionale letzte Drittel nur umso mehr ein und der Zuschauer sitzt gebannt in seinem Stuhl. Hier fädelt Scott sogar noch eine Metaebene zur Völkerverständigung mit ein, indem Damons Rettung zum weltweiten Projekt ausgerufen wird. Das mag naiv sein, doch im Kino wird man wohl noch träumen dürfen. 

„Der Marsianer“ ist Scotts Rückkehr zur besseren Form, eine Wundertüte, in der alles steckt, das Genrefans erwarten (oder auch nicht). Der 3D-Effekte macht endlich einmal wieder Sinn, die Bilder des Mars sind zum Niederknien. Ein abwechslungsreicher, witziger und spannender Trip mit dem besten Botaniker des Planeten. 


BEWERTUNG: 08/10
Titel: Der Marsianer
FSK: ab 12 freigegeben
Laufzeit: 130 Minuten
Genre: Science Fiction
Autor: Drew Goddard
Regisseur: Ridley Scott
Darsteller: Matt Damon, Jessica Chastain, Chiwetel Ejiofor, Kristen Wiig, Sean Bean, Michael Pena, Jeff Daniels, Kate Mara, Donald Glover






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