Donnerstag, 22. Oktober 2015

Sherlock Holmes so frisch und frech wie noch nie zuvor - "Sherlock Staffel 1 bis 3" im Schuber erhältlich




AUF DVD UND BLU-RAY ©Polyband

Ein Mann mit zerzaustem Haar blickt mit wachen Augen durch den Raum, beäugt jeden Zentimeter in Sekundenschnelle.  Die Windungen in seinem Gehirn feuern Neuronen von einer Ecke zur anderen, ein Feuerwerk entsteht, sein Mund öffnet sich. Aufgeregt läuft er auf und ab, seine Gedankengänge finden ihren Weg zur Zunge und von dort in die Ohren des Zuschauers. Sein Begleiter lässt ihn machen, denn mit seiner Kombinationsfähigkeit kann er sowieso nicht mithalten. Kleinste Hinweise fügen sich zu einem großen Ganzen, das niemand hätte vorausahnen können. In seiner Aufregung überschlägt sich dieser Mann bildlich gesprochen beinahe und vergisst jeden um sich herum. Es gilt ein Problem zu lösen und er wird es schaffen! Zusammen mit seinem Companion springt er in seine TARDIS und reist durch Raum und Zei….Moment, das kann nicht sein. 

Reden wir hier über „Doctor Who“, der britischen Kultserie über einen genialen (und exzentrischen) Typen, der mit seiner Zeitreisemaschine und einer Begleitung durch Raum und Zeit reist? Das Titelbild des Artikels sowie die Überschrift lassen doch etwas ganz anderes vermuten. Oder? Natürlich habt ihr Recht. Die Neuauflage eines weiteren britischen Kultcharakters steht hier im Mittelpunkt. „Sherlock“ berauscht seit nunmehr vier Jahren das Publikum weltweit und noch ist kein Ende in Sicht. Parallelen zu „Doctor Who“ sind jedoch nicht von der Hand zu weisen. 

Immerhin stehen hinter „Sherlock“ dieselben Macher, die momentan für „Doctor Who“ – das zweite Schlachtschiff der BBC – verantwortlich zeichnen. Showrunner Steven Moffat und Drehbuchautor Mark Gatiss dominieren die britische Fernsehszene wie niemand sonst. Und schaffen es trotz der Doppelbelastung hervorragende Arbeit abzuliefern. Ihre Neuauflage des Klassikers von Sir Conan Arthur Doyle hebt Fernsehunterhaltung auf ein kinotaugliches Level. Ihr Sherlock ist modern und doch unangepasst, neu und doch auf eine angenehme Art vertraut. Zwar versetzen Moffat und Gatiss die Handlung in die Jetztzeit, trotzdem wirkt die Serie näher dran am Geist des Originals als die Hollywoodvariante mit Robert Downey Jr. 

©Polyband
Staffel eins – drei Folgen á 90 Minuten – führt das Figurengespann um Sherlock Holmes und Watson gekonnt ein. Benedict Cumberbatch überzeugt in der Rolle des Exzentrikers mit dem Hang zur Egomanie, doch auch Martin Freeman als Watson überzeugt. Für beide bedeuteten die Rollen den großen Durchbruch und das völlig zu Recht. Filmisch gesehen ist „Sherlock“ ebenso brachial wie gut. Schnelle Schnitte, unübliche Kamerafahrten, optische Spielereien – die Macher versuchen alles, um Sherlocks Gedanken auf das Medium Film zu übertragen. Es macht großen Spaß, seinen Ausführungen zu folgen (oder eben nicht), während alle Umstehenden bloß hilflos mitzusehen. Besonders die Chemie zwischen Watson und Sherlock ist hervorragend ausgearbeitet und vertieft sich in den darauffolgenden Staffeln noch. Generell wird Watson im Verlauf der Serie zum geheimen Herz der Serie, auch wenn sein Name nicht im Titel steht. Er fungiert stets als Bindeglied zwischen dem Zuschauer und Sherlocks rasendem Intellekt samt soziopathischem Verhalten.

„Sherlock“ ist eben „Doctor Who“ ohne Aliens und fremde Planeten und gerade deshalb funktioniert es auch so wunderprächtig. Kein Wunder, dass viele Fans ein Crossover wollen. Allerdings sei dahingestellt, wie gut solch eine Folge funktionieren würde, denn der Doctor ist Sherlock sehr ähnlich. Schwankt Staffel eins noch ein wenig in der Qualität seiner Folgen, sind es die Figuren, die restlos zu überzeugen wissen. Die Autoren führen die Charaktere konsequent weiter, selbst wenn der Fall der Woche mal weniger aufsehenerregend sein sollte. Dafür servieren sie uns mit Moriarty einen Erzfeind Sherlocks, der sich gewaschen hat. Staffel zwei ist deshalb das Highlight der bisherigen Serie, denn es geschieht nicht oft, dass jemand den kognitiven Fähigkeiten des Detektivs gewachsen ist. 

So ist „Sherlock“ eine überwiegend berauschende Frischzellenkur eines Klassikers, die schon jetzt zu den Fernsehhighlights der letzten Jahre gezählt werden darf. Auch wenn sich die Serie in ihrem Erzähltempo manchmal verhaspelt oder es manchen Entwicklungen arg an Glaubwürdigkeit fehlt – „Sherlock“ macht Spaß. Die Fans dürfen sich jedenfalls auf das Weihnachtsspecial in diesem Jahr (2015) freuen. Denn Steven Moffat und Mark Gatiss werden uns sicherlich überraschen. 


©Polyband
Titel: Sherlock - Staffel 1 bis 3
Bewertung Staffel 1: 7,5/10
Bewertung Staffel 2: 8,5/10
Bewertung Staffel 3: 7,5/10
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Krimi, Thriller
Laufzeit: 3 Folgen je Staffel á 90 Min. 
Autoren: Steven Moffat, Mark Gatiss
Darsteller: Benedict Cumberbatch, Martin Freeman, Una Stubbs, Andrew Scott, Mark Gatiss, Louise Brealey, Rupert Graves,






1 Kommentar:

  1. Wie findest du eigentlich die Entwicklung der einzelnen Staffeln? Meine Lieblingsfolge ist die Scandal-Folge (S02E01), aber meine Lieblingsstaffel ist die Dritte. In den ersten Staffeln hing die zweite Folge immer ein bißchen durch.

    Hier meine Reviews:
    Staffel 1: https://filmkompass.wordpress.com/2013/08/31/sherlock-1-staffel-bbc-one-2010/
    Staffel 2: https://filmkompass.wordpress.com/2013/09/08/sherlock-2-staffel-bbc-one-2012/
    Staffel 3: https://filmkompass.wordpress.com/2014/01/14/sherlock-3-staffel-bbc-one-omu-2014/

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