Mittwoch, 21. Oktober 2015

Marilyn Manson untermalt das Kriegschaos - "A Perfect Day"



AB 22. OKTOBER IM KINO! ©X-Verleih


„Such a lonely day, and it’s mine. It’s a day that I’m glad I survived”. 

Ein Teil des Songtextes der Band “System of a down”, der den Charakteren aus “A Perfect Day” wie auf den Leib geschrieben scheint. Sie sind alle Einzelgänger, selbst wenn sie in der Gruppe zusammenagieren. Sie werden getrieben von etwas, das nicht einmal sie selbst benennen können. Als  Mitglied einer Hilfsorganisation, umfangen von Krieg und Verderben, können sie sich keinen anderen Ort ihrer Existenz vorstellen. Ein Zuhause? Für sie ist die Bewegung im Balkankrieg, die Gefahr, die hinter jedem Stein lauert, das einzige vertraute Gefühl. 

„A Perfect Day“ ist ein Kriegsfilm, der völlig auf Krieg verzichtet. Es explodiert nichts, es wird nicht geschossen, doch die Anspannung in den Gesichtern, die ist echt. Sie baut sich auf und schwelt den gesamten Film über unter der Oberfläche, lauernd, abwartend. Die Mitglieder der bunt zusammengewürfelten Truppe versuchen dem mit Galgenhumor entgegenzuwirken. Selbst schockierende Ereignisse, Menschenleichen und zu Bomben umgebaute Rinder werden mit einem lockeren Spruch quittiert. Wie sonst soll ein Mensch mit solchen Gräueltaten umgehen? 

©X-Verleih

Regisseur Fernando Leon de Aranoa erschafft einen Kriegsfilm im Charakterdrama im Roadmovie. Es ist faszinierend mitanzusehen, wie die einzelnen Elemente ineinandergreifen und laufen, wie ein gut geöltes Uhrwerk. Die endlosen Fahrten mit dem Jeep durch zerbombtes Land gleichen einem Gang durch ein Labyrinth. Die Straßen schlängeln sich über Hügel, durch Senken und holprigen Feldwegen. Alles sieht gleich aus, in ihren Augen. Sie kennen das Land nicht und doch sind sie hier. Sie verstehen die Menschen nicht und doch interveniert die internationale Weltpolizei. Es ist ein Konflikt, der kein Ende kennt und bei dem keine Seite gewinnen kann. Genau das verdeutlicht „A Perfect Day“. 

Mit Benicio Del Toro („Sicario“), Tim Robbins („Die Verurteilten“), Mélanie Thierry („The Zero Theorem“) und Olga Kyrolenko („James Bond – Quantum Trost“) kann sich Aranoa auf eine verlässliche Darstellerriege verlassen. Besonders Del Toro und Robbins sind eine Wucht, ihre gemeinsamen Szenen die Highlights des Films. In Verbindung mit dem untypischen Soundtrack konterkariert Aranoa die grausigen Vorkommnisse, was dem Film einen noch intensiveren emotionalen Unterbau verleiht. 

„A Perfect Day“ ist zu Recht mit Standing Ovations in Cannes bedacht worden. In seiner Ausführung ist er ein einzigartiges Zeugnis der Unfähigkeit in solchen Konflikten die richtige Entscheidung zu treffen. Skurril, abgefahren und grotesk – genau wie die Realität. 


BEWERTUNG: 7,5/10
Titel: A Perfect Day
FSK: ab 12 freigegeben
Laufzeit: 106 Minuten 
Genre: Thriller, Kriegsdrama
Autor: Fernando Leon de Aranoa, Diego Farias
Regisseur: Fernando Leon de Aranoa
Darsteller: Benicio Del Toro, Tim Robbins, Olga Kyrolenko, Melanie Thierry, Fedja Stukan, Eldar Residovic







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