Samstag, 17. Oktober 2015

In blutrote Farbe gegossener Wahnsinn - "The Voices"





©Ascot Elite

Marjane Satrapi, die Regisseurin von „Persepolis“, einem systemkritischen und hochgelobten Werk, wagt sich nach Amerika. Was passiert, wenn sich eine eigenwillige Künstlerin eines „normalen“ Horrorstoffes annimmt, lässt sich nur schwer in Worte fassen. „The Voices“ rast durch sämtliche Genres, reißt deren Grenzen mit einer Dampfwalze nieder und lacht sich ins Fäustchen. Der Zuschauer wird vor den Kopf gestoßen, lacht mal herzlich, nur um wenig später mit offenem Mund vor dem Bildschirm zu sitzen. 

Die Geschichte rankt sich um einen jungen Fabrikangestellten in einem verschlafenen Städtchen. Ryan Renolds – der die letzten Jahre auf möglichst unterschiedliche Projekte fixiert war – spielt diesen Mann mit einer Inbrunst, die einige überraschen dürfte. Die verschiedenen Seiten seines Charakters, seine inneren Kämpfe mit seinen Dämonen, all das verkörpert Reynolds famos. Die Stimmung des Films schwankt stetig zwischen Ernst und Komik, richtig makaber wird es vor allem, sobald Reynolds mit seinen Haustieren zu sprechen anfängt. Überaus gelungen: Er spricht diese selbst in unterschiedlichen Tonlagen und Akzenten. 

©Ascot Elite
Regisseurin Satrapi schert sich keinen Deut um Konventionen und zaubert aus „The Voices“ eine blutige Wundertüte, die einige Gräueltaten bereithält. Neben Reynolds dürfen Gemma Arterton und Anna Kendrick brillieren, besonders in gemeinsamen Szenen ist der Spaß- und Ekelfaktor hoch. Auch das Setdesign weiß den Gemütszustand von Reynolds perfekt darzustellen. Die Inneneinrichtung passt sich seiner Stimmung an. Mal erstrahlt alles in hellen, warmen Farben, nur um wenig später in Schmutz und Dunkelheit zu versinken. 

Die Story selbst kann den Spannungsgrad zwar nicht immer konstant halten, doch macht das wenig. „The Voices“ ist schauspielerisch und audiovisuell einfach zu stark, als das es ihm etwas anhaben könnte. Er ist wie ein irrer Trip hinein in den Kopf eines Serienmörders, voller morbider und abgefahrener Ideen und so gespalten, wie die Persönlichkeit Reynolds. Es scheint, als ob der Film selbst seine Hauptfigur wiederzugeben scheint. Dieser Irrsinn dürfte einige Zuschauer vor den Kopf stoßen, doch eine Fanbasis dürfte „The Voices“  für diesen Mut gewiss sein.


BEWERTUNG: 7,5/10
Titel: The Voices
FSK: ab 16 freigegeben
Laufzeit: 103 Minuten
Genre: Horror, Komödie, Thriller
Erscheinungsjahr: 2014
Autor: Michael. R. Perry
Regisseurin: Marjane Satrapi
Darsteller: Ryan Reynolds, Gemma Arterton, Anna Kendrick, Jacki Weaver





Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen