Freitag, 30. Oktober 2015

Für Leckerschmecker: "Kiss The Cook"

Der Vater mit dem Sohne: Jetzt auf der runden Scheibe & sehr empfehlenswert! ©Koch Media
Da wäre ich gerne am Set gewesen. Jon Favreau (u.a. Iron Man) drehte „Kiss the Cook“, er schrieb „Kiss the Cook“ und er spielt in „Kiss the Cook“ die Hauptrolle – wow, dreimal in einem Satz den Namen des Filmes erwähnt...das schreit nach Weltrekord! -; und wie er das alles fabriziert hat, das ist einfach schön. Sein Streifen sprüht nur so vor Lebensenergie, vor Spielfreude, vor Leichtfüßigkeit, es macht schlichtweg Spaß. Nur sei man als Rezipient vorweg direkt gewarnt: Hungrig sollte man sich die knapp zwei Stunden nicht ansehen. Der Magen könnte vibrieren vor Neid.

Favreau spielt Carl Casper, ein geschiedener Mann mit ein paar Pfunden zu viel. Aber einer zum Knuddeln. Seine Leidenschaft: Küchenplatten, besser gesagt die Arbeit an jenen. Doch irgendwie befindet er sich in der Krise, denn es läuft absolut nicht mehr rund für Casper, seinen treuen Gefährten Martin (John Leguizamo), seiner rechten Hand Tony (Bobby Cannavale) und Arbeitskollegin Molly (Scarlett Johansson). Sie arbeiten im „Gauloises“, dem Restaurant von Riva (Dustin Hoffman). Und der will nichts riskieren.
Zwar gilt Carl als Koryphäe am Herd und wird überall als der Star im siebten Kochhimmel gefeiert, aber das interessiert Riva nicht. Kreative Küche? Nicht mit ihm. Der Laden ist eben proppenvoll, das schon seit zehn Jahren mit den immergleichen Gerichten. Carl hat keine Lust mehr darauf, er will Veränderung, er will sein Leben und vor allem die Beziehung zu seinem Sohn Percy (Emjay Anthony) verbessern. Er will endlich wieder glücklich sein, denn im Gauloises ist er es schon lange nicht mehr und auf den immergleichen Lava-Kuchen hat er auch seit Ewigkeiten keine Lust mehr. Und spätestens, als der Restaurantkritiker schlechthin (Oliver Platt) ihn im Netz runterputzt, geht er neue Wege...
"Hunger? Dann her zu uns!" ©Koch Media

Klingt bisher eher nicht so außergewöhnlich. Ein Mann, der mitten im Leben steht, aber nicht wirklich glücklich ist und sein Leben verändern möchte. Das ist ungefähr so innovativ wie die immer wiederkehrenden Speisen in der Betriebskantine. Doch Favreau macht aus dem Stoff das allerbeste. Er lässt uns teilhaben an der Koch-Leidenschaft seiner Hauptperson. Auf der heimischen Couch läuft der Sabber einem während der gesamten Laufzeit nur so runter. Lecker sehen die Gerichte aus, garniert ist alles mit einem herrlich beschwingten Soundtrack – und der beste Teil kommt noch.

Denn der Mann, der endlich wieder frei und unabhängig seiner Passion frönen möchte, hat einen Sohn. Und mit ihm läuft's seit der Scheidung von Ex-Frau Inez (Sofia Vergara) gar nicht mehr gut. Alle zwei Wochen unternehmen er und sein Sohn etwas, aber der Sohn möchte lieber abhängen und nicht mehr bloß ins Kino oder in den Freizeitpark, sondern mehr Vater-Sohn-Zeit. Die bekommt er später mehr als genug. Erst zeigt Percy seinem Erzeuger Twitter, anschließend dieser ihm die große weite Welt. Robert Downey Jr., der hier einen weiteren Ex vomn Inez mimt, treibt ihm einen schrottreifen Imbisswagen auf. Zusammen mit Martin bereisen die drei fortan das halbe Land. Den ganzen Sommer schaut der genigte Zuschauer dabei zu, wie sie örtliche Köstlichkeiten zubereiten, wie aus dem Gauloises-Casper endlich wieder Carl Casper wird.
Hat gut Lachen, weil's dem Sohn endlich wieder gut geht (Vergara) ©Koch Media

Das mag zwar alles durchaus vorhersehbar wirken, die Richtung, die Film einschlägt, ist jederzeit klar erkenntlich. Ständig ploppen auch Twitter-Nachrichten auf, sodass man sich mitunter wie in einem Werbespot für den Kurznachrichtendienst fühlt. Aber das stört überraschenderweise kaum. Die Vater-Sohn-Beziehung, die Feierei der Kochkunst, das alles ist einfach so unfassbar sympathisch. Die im Film offenbarte Kritik und Lobpreisung für Internet-Aktivitäten spielt da nur noch am Rande eine Rolle.

Favreau schlüpft in Überschuhe, er raucht Zigarren, zusammen mit Leguizamo singt er an einer Stelle auf unnachahmliche Art „Sexual Heiling“. Alle an der Produktion beteiligten Leute, vor und auch hinter der Kamera, hatten einfach Lust und Laune. Das kommt rüber. Der Film sieht dazu nämlich noch verdammt edel aus.

©Koch Media
Eine kleine Ode aufs Leben und darauf, das zu machen, worauf man gerade Bock hat. Liebe geht eben doch durch den Magen. Auch ohne Lava-Kuchen und ohne feste Küche.  

BEWERTUNG: 9,0/10
Titel: Kiss the Cook
FSK: ab 6
Laufzeit: ca. 115
Genre: Komödie
Erscheinungsjahr: USA 2015, auf DVD & Blu-Ray erhältlich seit 22.10.2015
Regisseur: Jon Favreau
Darsteller: u.a. Jon Favreau, Sofia Vergara, John Leguizamo

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