Mittwoch, 14. Oktober 2015

"Bunker - Es gibt kein Entkommen": Ein typischer Fernsehanschreier

Nanu, wer ist denn da? Das sollten die nervenfesten unter euch jetzt daheim herausfinden! ©Ascot Elite
Irgendwo da draußen muss es ihn geben. Den Menschen, der es darauf abgesehen hat, den gemeinen Pöbel von guten Filmen abzuhalten, indem er Filmen deutsche Titel verpasst. Auch Matt Winns „The Hoarder“ fiel dem Wir-nennen-einen-Film-komplett-scheiße-damit-er-irgendwann-im-Nachtprogramm-von-RTL2-verschwindet-Wahn zum Opfer. Sicherlich sind „Der Hamsterer“ oder „Der Hortende“, um mal die deutsche Übersetzung aus Google heranzuziehen, auch nicht gerade des Wahrheits letzter Schluss. Aber bitte: „Bunker – Es gibt kein Entkommen“? Ernsthaft? Das, was dieser jemand, der solche Titel fabriziert, nimmt, möchte ich auch haben.

Winns Film hätte, mal ganz oberflächlich betrachtet, allerdings auch nichts Besseres verdient. Denn eigentlich strotzt das Werk nur so vor Dummheiten, Logikfehlern und macht einiges so, wie man es eigentlich nicht machen sollte. Und trotzdem ist der Thriller einer von der Sorte: Ich schrei meinen Fernseher jetzt solange an, bis die Protagonisten in Sicherheit sind. Ein starkes, sauspannendes Stück, das weiß, was es will und sich nicht mit nebensächlichen Dingen aufhält.
Schon gut, wenn zufälligerweise ein Cop mit eingeschlossen ist im Keller des Grauens...©Ascot Elite

Schnell gerät die Hauptfigur Ella (Mischa Barton) nämlich in des Teufels Küche. Zusammen mit Molly (lustiger Nachname: Emily Atack) macht sie sich auf den Weg in den Lagerraum ihres Verlobten Brad. Er hat doch bestimmt eine Affäre, denkt sie sich. Der Lagerraum befindet sich im gottverlassenen vierten Untergeschoss eines großen Lager-Komplexes. Und dann beginnt das Grauen schon, als sie dort auf eine seltsame Gestalt mit zugenähtem Mund treffen. Aus dem Bunker, unten im vierten Untergeschoss, gibt es wirklich kein Entkommen. Das merken beide schneller als ihnen lieb ist...

Winn hält sich gar nicht damit auf, ihre Hauptperson näher zu beleuchten, geschweige denn sie groß und lange einzuführen. Er begnügt sich damit, sie direkt ins Unglück stürzen zu lassen. Es geht ihm auch nicht darum, eine monströse Geschichte zu erzählen, bei der alles passt. Der Regisseur will nur eines: Den Zuschauer unterhalten mit Spannung, Horror und vielen Fragezeichen. Das gelingt ihm vorzüglich.

Die Charaktere in dem Streifen wirken dann auch alle so, wie in fünf Minuten bei einem Kaffee in Starbucks erdacht. Rein zufällig trifft Ella in ihrer Not, just nach dem Aufeinandertreffen mit der merkwürdigen Gestalt im Keller, auf einen Polizisten (Robert Knepper). Natürlich. Ansonsten laufen dort noch ein Scheidungs-Päärchen, ein in seinem Lagerraum lebender Arbeitsloser, ein kiffender Wachmann namens Wayne – haha - , Werbefuzzis und Drogenabhängige um ihr Leben. Ausgereift ist da keine Figur, aber das nervt kaum. Es geht ums große Ganze: Wer war diese Gestalt, die es auf die im Lagerkomplex eingeschlossenen Personen abgesehen hat? Diese sind dort gefangen, weil der Komplex zumachte. Jedwede Tür ist wie von Geisterhand verriegelt, Personen verschwinden, es fließt Blut und niemand weiß, warum. Nur jeder will da weg. Am besten lebend.
Auch Mischa Barton ist die Angst nur so ins Gesicht geschrieben. ©Ascot Elite

Das Szenario hat echt was. Die Menschen rennen von einem Korridor zum anderen, irren vom einen Lagerraum zum nächsten, zwischenmenschlich gibt’s dabei viel unnötigen und leicht überflüssigen Krach, aber man wird einfach neugierig gemacht. Eine Figur geht um die Ecke und schreit dort einmal laut. Du denkst dir: Jetzt hat das Wesen auch sie gefunden und getötet. Denkste. Ständig flackert das Licht, es wird einem wirklich unbehaglich zumute. Und trotz der wirklich blöd angelegten Figuren fiebert man mit.

Am Ende driftet der Streifen dann zwar leicht in Richtug „Saw“ ab, macht aber nix. Viele Fragezeichen tun sich zwischenzeitlich auf, denen man aber nicht unbedingt nachgehen sollte und die man „The Hoarder“ seltsamerweise auch verzeiht. Selbst mit dem Ende überrascht der Filmemacher.

©Ascot Elite
Schlussendlich ein stringentes und fesselndes Machwerk, bei dem man sich ausnahmsweise ein Happy End regelrecht herbeisehnt. Trotz aller Unzulänglichkeiten und trotz des Titels.  

BEWERTUNG: 7,0/10
Titel: Bunker - Es gibt kein Entkommen
FSK: ab 16
Laufzeit: ca 90 Minuten
Erscheinungsjahr: UK 2015, auf DVD & BluRay seit 06.10.2015 erhältlich
Genre: Thriller, Horror
Regisseur: Matt Winn
Darsteller: u.a. Mischa Barton, Robert Knepper, Emily Atack

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen