Dienstag, 8. September 2015

"Search Party": Am Ende kotzt selbst der Esel

Mit den vier kann man jetzt Bekanntschaft machen zuhause...©Concorde Home Entertainment
Scot Armstrong hat bald Geburtstag. Am 22. September kam er im Jahre 1970 im US-Bundesstaat Illinois zur Welt. Und zu seinem Wiegenfest kann man ihm eigentlich nur wünschen: Finde etwas, was du kannst. Ein Talent besitzt ja schließlich jeder Mensch. Der eine kann gut kochen, andere sind gut im Sport, wieder andere gucken liebend gerne Menschen beim Sport treiben zu. Und die meisten sind auch in in Berufen gut, mal abgesehen von ein paar Ausnahmen vielleicht. Scot Armstrong gehört zu solchen Ausnahmen.

Er ist Drehbuchautor, spezialisiert auf Komödien. Zusammen mit seinem guten Kollegen Todd Phillips setzte er viele Filme und Ideen in die Tat um. Dabei haben sie in der Vergangenheit eine Marktlücke für sich entdeckt: Filme über ausartende Ausflüge von Freunden. „Road Trip“ vor 15 Jahren war so ein Streifen, den schrecklichen Nachfolger des sowieso schon schrecklichen Hangovers fabrizierte Phillips ebenfalls nach Armstrongs Buch. „Starsky & Hutch“ oder „Nach 7 Tagen – ausgeflittert“ waren auch Produkte ihrer Zusammenarbeit. Mehr muss man vermutlich nicht ausholen. Armstrong hat sich jetzt auch an die Regie gewagt. „Search Party“ ist der Name seines Debüts. Es ist ein Film geworden, der so wirkt, als habe er all die Szenen, die in seinen bisherigen Skripten herausgeworfen wurden, in einen Mixer geschmissen und nach 93 Minuten auf den Stop-Knopf gedrückt.
"Keine Panik! Ich hab nur mal kurz in Koks gebadet." ©Concorde Home Entertainment
Nardo (Thomas Middleditch) will Tracy (Shannon Woodward) heiraten. Es ist alles angerichtet. Die Gäste sitzen in der Kirche, Trauzeuge Evan (Adam Pally) und der Pastor stehen bereits neben dem Brautpaar bereit auf dem Altar. Aber genau in dem Augenblick, als Nardo und Tracy sich feierlich das Ja-Wort geben möchten, stürmt Jason (T.J. Miller) die Kirche. „Ihr dürft nicht heiraten! Heiraten ist wie Selbstmord!“, schreit er. Das habe Nardo im zugedröhnten Zustand während des Junggesellenabschieds verraten:„High ist man ehrlich!“ Außerdem, das habe Nardo ebenfalls erzählt, würde Tracy langsam essen. Der reicht's. Tränenüberströmt macht sie sich vom Acker, die Hochzeit ist gestorben, sie fährt alleine in die Flitterwochen – und Nardo steht am nächsten Tag plötzlich nackt in Mexiko...

©Concorde Home Entertainment
Alles nimmt im Folgenden seinen gewohnten Lauf. Als der SOS-Anruf des Fast-Bräutigams eintrifft, machen sich seine zwei Kumpanen auf die Reise, um ihn aus der misslichen Lage zu befreien. Dabei sind die drei Charaktere quasi die gleichen, wie man sie überall in solchen Filmen sieht: Einer (Evan) ist der Sympath, einer (Jason) ist ein Nichtsnutz – man muss unweigerlich an Hangover-Alan denken – und der Dritte im Bunde ist der Geschasste. Und sie erleben selbstredend allerlei Abenteuerliches.

"Un, dos, tres, Motherfucker!"


Bei einem Zwischenhalt in einem Casino wird Evan gekidnappt und beinahe seiner Niere beraubt. Aber Jason und eine Bekannte im Pocahontas-Outfit retten ihn in letzter Sekunde. Als Dank wuchtet der nackte Kidnapper-Fiesling vom Casino-Dach aus mit Flammenwerfern nach den beiden Flüchtenden. Derweil springt der Nackedei Nardo in Mexiko auf der Flucht vor der Polizei und wütenden Mexikanerinnen auf einen Koks-Transporter. Danach ist er von oben bis unten eingeweißt in frischem Kokain und seine neuen Freundesfeinde sind drei Drogen-Gauner. Die Polizei – natürlich korrupt – spielt Monopoly und der oberste Drogenboss leckt sein Kokain ab. „Un, dos, tres, Motherfucker!“, sagt der dabei. Seine Freunde wechseln währenddessen ihr Auto, fahren mit einem Smart und gefälschten Pässen über die Grenze und joar. Evan verpasst eine Beförderung, die er von seinem Boss im Dampfbad bekommen hätte. Und seine Arbeitskollegen wollen mit ihm zusammen ziehen. Dienstag ist dort Spaghetti-Dienstag!

Bescheuerte Ideen zuhauf saugt sich Armstrong zugegebenermaßen schon aus dem Ärmel. Aber alles in allem wirkt „Search Party“ trotzdem wie ein billiger Hangover-Abklatsch. Nur mit weniger Budget,weniger bekannten Darstellern und weniger guten Ideen. Fans von Phillips' Erfolgstrilogie werden das vielleicht aushalten; ich für meinen Teil halte mich lieber an den kotzenden Esel im Showdown.

©Concorde Home Entertainment
Armstrong sollte zum Geburtstag eine DVD seines Streifens geschenkt bekommen. Dann sieht er vielleicht, dass er sich zumindest das mit der Regie nochmal überlegen sollte. Schließlich heißt es einmal so schön im Film: „Jeder macht mal Fehler. Manchmal sind diese für die Ewigkeit.“ Oder gleich für die Tonne.

BEWERTUNG: 1,0/10
Titel: Search Party
FSK: ab 12
Laufzeit: ca. 93 Minuten
Genre: Komödie
Erscheinungsjahr: 2014, auf DVD, VoD & Blu-Ray erhältlich ab 08.09.2015
Regisseur: Scot Armstrong
Darsteller: u.a. T.J. Miller, Thomas Middleditch, Adam Pally

  

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