Mittwoch, 9. September 2015

"Die Udo Honig Story": Wir sind doch alle kleine Sünder

©Sat1/Arvid Uhlig
„Und der neue Spielstand: Honig 28 Millionen – Deutschland 0.“ Welch herzliche Begrüßung für Udo Honig (herrlich: Uwe Ochsenknecht), Deutschlands wohl größtem Steuerhinterzieher, in der von Ludwig Moser (sein Schnäuzer ist hochnotpeinlich: Heiner Lauterbach) geleiteten JVA.
Hat er bis vor wenigen Monaten noch seinen Wohlstand genossen, daheim am Tegernsee mit seiner Marion (toll: Gisela Schneeberger) und Hund Blacky den Tag begrüßt, in seiner Kindheit für 30 Mark Anzeigen für die Schülerzeitung verkauft und von Kindesbeinen an gelernt, was es heißt zu malochen – wenn sein Vater an Weihnachten in der Fleischerei nicht alles verkauft hat, fiel Weihnachten bei den Honigs flach! -, so ist jetzt alles schlagartig anders.

Heute arbeitet Udo Honig in der Gefängnismetzgerei und hat dort keinen leichten Stand. Vom Gefängnis-Insassen-Boss Alex (wie immer hervorragend: Martin Feifel) wird er gedemütigt, von der Gefängnis-Psychologin (charmant: Shadi Hedayati) für krank erklärt und von seiner Gattin vermisst und treu mit Marmelade versorgt. Aber ein schlechter Mensch ist er trotz allem nicht...
Honigs Frau bringt ihrem Göttergatten Marmelade mit. Die Freude ist grenzenlos. ©Sat1/Arvid Uhlig
Für den Bällchensender Sat1 ist kein Thema zu groß. „Der Minister“ behandelte 2013 in großartiger Art und Weise den Guttenberg-Rücktritt, „Der Rücktritt“ 2014 über die Christian Wulff-Affäre war nicht weniger unterhaltsam, nur die Schlecker-Posse „Die Schlikkerfrauen“ aus dem vergangenen Jahr war ein Satz mit X. Jetzt also der neuste Streich, wie immer in Zusammenarbeit mit Nico Hofmann und UFA FICTION auf Produzenten-Seite, über Uli Hoeneß. Quotentechnisch nur halbwegs erfolgreich, qualitativ dagegen aber nicht gänzlich unsympathisch.

Uwe Janson, der bereits beim Schlecker-Streifen und Guttenberg-Stück Regie führte, kann sich während der 90 Minuten an einem lustvollen Ensemble erfreuen. Durch die Bank weg hat man den Eindruck: Die haben Spaß. Neben den oben genannten bekannten Größen mischen Max von Thun als Honigs Zellengenosse, Wolfgang Fierek als Paul G(B)reitner oder Peter Kremer als Guido Stürmer (Rummenigge) mit. Selbst bei den Auftritten von Hannes Jaennicke als Franz Kaiser bekommt man ausnahmsweise keine Pusteln. Das ist eine schöne Sache, genauso wie das Buch, das neben Janson von David Ungureit verfasst wurde.
©Sat1/Arvid Uhlig

„Die Udo Honig-Story“ ist zwar beileibe keine Abrechnung mit dem realen Vorbild, dafür spielt Ochsenknecht den echten Häftling einfach zu sympathisch – und auch wirklich sehr realitätsgetreu - , aber es ist ein durchaus vergnüglicher Blick auf die ganzen Geschenisse geworden. Nicht immer passt dabei alles so gut zusammen. Anfangs reiht sich eine Szene an die nächste, relativ holprig springt der Film von Honigs Ankunft im Knast zu seinen ersten Nächten, Rückblicken in Honigs Kindheit und eingestreuten Zitaten von Honigs Weggefährten. So richtig flüssig wirkt das Ganze erst nach der Hälfte der Laufzeit, wunderbar kurzweilig ist „Die Udo Honig-Story“ dennoch.

Recht merkwürdig wirkt die Satire in manchen Passagen. Da faselt er seinem Zellengenossen etwas vor vom Leben, spricht mit der Psychologin über seine Spielsucht oder auch die legendäre „Für eure scheiß Stimmung seid ihr doch verantwortlich“-Pressekonferenz wirkt reichlich deplatziert. Auch die an eine Doku erinnernden Ausschnitte seiner Bekannten passen nicht so recht zum Rest. Weshalb die JVA-Beamten und auch Lauterbachs Direktoren-Figur in seltsamen altmodischen märchenhaften Klamotten durch ihre Arbeitsstätte traben und die Häftlinge ständig singen müssen, sind auch Aspekte, die sich nicht wirklich aus dem Gesehehen erschließen.
Horst Hofersee entführt Udo ins Hofbräuhaus und sie beschließen die Zweiklassen-Autobahn! ©Sat1/Arvid Uhlig

Nichtsdestotrotz trumpft der Film mit seinen kleinen Schmankerln auf. Guido Stürmer ist beispielsweise ein bayrischer Uhrensohn – eine charmante Anspielung auf Rummenigges Uhren-Affäre. Den tiefroten Zahlen der JVA hilft Honig mit einer Aufpimpung der Gefängnismetzgerei auf die Sprünge, als Dank gibt’s Flatscreen, Zigarre und Schnaps. Und für den Direktor springen Dauerkarten für den FC Rot-Weiss Oberbayern (dem filmischen FC Bayern) heraus. Eines Abends holt ihn Horst Hofersee aus dem Knast und kutschiert ihn mit Limo ins Hofbräuhaus. Dort gibt ihm der Steuerhinterzieher beim zünftigen Weißbier einen Tipp, wie er mit der Maut umgehen soll. Wie wär's mit einer Zweiklassenautobahn? So wird Politik gemacht. Aus Christoph Daum wird Christoph Schaum und wir lernen in Anlehnung an dessen Koks-Affäre, dass vom Schamhaar Leben abhängen.

©Sat1/Arvid Uhlig
Es ist sicherlich keine vorzeigenswerte Satire, aber stets nette Unterhaltung. Und die Moral von der Geschicht: Udo Honig ist ein Bessermacher, kein Besserwisser, schon gar kein schlechter Mensch. Und sind wir nicht sowieso alle kleine Sünder?


BEWERTUNG: 6,5/10
Titel: Die Udo Honig Story
FSK: ab 0
Laufzeit: ca. 89
Genre: Satire, Komödie
Erscheinungsjahr: Deutschland, 2014
Regisseur: Uwe Janson 
Darsteller: u.a. Uwe Ochsenknecht, Heiner Lauterbach, Martin Feifel, Gisela Schneeberger, Hannes Jaennicke

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen