Mittwoch, 19. August 2015

Auch Märchen müssen erwachsen werden - Mord und Wollust in "Märchen der Märchen"!





AB 27. AUGUST IM KINO! ©Concorde

Märchen – das sind doch jene Geschichten, die stets gut enden. Ein Ritter in strahlender Rüstung, ein Jägersmann, der dem Biest entgegentritt, oder eine gute Fee, die dem Bösen Einhalt gebietet. Das sind die Zutaten, die Kinder weltweit aus den Grimmschen Märchen mitnehmen. Ein jeder kennt zumindest eine Geschichte und kann sich eines sicher sein: Prinz und Jungfrau finden zusammen, das Böse verliert und liegt tot am Boden. 

Doch ist das wirklich die Wahrheit? Regisseur Matteo Garrone, der schon mit seinem Erstlingswerk „Gomorrha“ die dunklen Seiten der Menschheit auslotete, würde vehement mit dem Kopf schütteln. Sein „Märchen der Märchen“ greift tiefer, schürft auf den Grundfesten jener weichgespülten Märchen, die wir heute kennen. Hier muss die Prinzessin für ihre eigene Rettung sorgen, hier wird die habgierige Schwester belohnt und der wollüstige König setzt seinen Willen durch. Aufrechte Herzen haben einen schweren Stand in jener Gesellschaft, doch wenigstens einen Funken Hoffnung lässt Garrone dem Zuschauer. 

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„Märchen der Märchen“ ist eingebettet in wunderschöne Bilder. Kostüme, Sets und CGI gehen Hand in Hand und zeugen von tiefem Verständnis der Materie gegenüber. Garrone übertreibt zu keiner Zeit. Wenn er auf computergenerierte Effekte setzt, dann nur, wenn es unbedingt nötig ist. Die fremden Kreaturen, die sein Märchen bevölkern werden alle per Puppen bzw. Animatronik zum Leben erweckt. Etwas, dass sich wohltuend vom Blockbustereinerlei à la Hollywood abhebt und viel lebendiger wirkt. 

Der Film verbindet drei Episoden miteinander. Jede für sich ist eine phantasievolle Umsetzung bekannter Märchen-Zutaten. Der Unterschied: Niemand weiß, wer am Ende siegen wird, nicht einmal die Rollen sind klar verteilt. Schwarz und Weiß, gut und böse, all das existiert nicht. Ein jeder Charakter hat seine Motivation, die verständlich ist. Sei es die Mutter, die ihr Kind schützen will, die alte Vettel, die ihre Jugend wiederhaben möchte, oder der Vater, der seine Tochter an sich zu binden versucht. 

Zwar können die drei Storystränge nicht durchgehend überzeugen, was aber durch die hervorragende Atmosphäre des Films wieder ausgeglichen wird. Der Zuschauer bleibt stets interessiert, selbst wenn das Geschehen ein wenig braucht, um (wieder) in die Gänge zu kommen. Garrone spielt mit dem Genre, lässt seine Figuren intrigieren, morden, vögeln – eben alles, was so dazugehört. Er erzählt tatsächlich das Märchen der Märchen. Eine Ursprungsversion, aus der sich leicht die glattgebügelten Grimmschen Märchenfassungen zaubern lassen. „Das Märchen der Märchen“ mutet an wie ein Bastard aus „Pans Labyrinth“ und „The Fall“. Wunderschön anzusehen und doch kompromisslos in seiner blutigen Umsetzung.

©Concorde
BEWERTUNG: 7,5/10
Titel: Märchen der Märchen
FSK: ab 12 freigegeben
Laufzeit: 125 Minuten
Genre: Fantasy
Erscheinungsjahr: 2015
Regisseur: Matteo Garrone
Darsteller: Salma Hayek, Vincent Cassel, John C. Reilley, Toby Jones,  Shirley Henderson, Bebe Cave





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