Montag, 6. Juli 2015

Ted tanzt wieder den Niveaulimbo: "Ted 2"

Wieder zurück im Kino: Ted, der sprechende, kiffende Bär ©Universal Pictures
Es war ja abzusehen. „Ted“ war seinerzeit ein Erfolg. Prall gefüllte Kinosäle im August 2012, wohin man nur blickte. Und prall gefüllte Kinosäle bedeuten heutzutage prall gefüllte Kassen des Verleihs – und das wiederum bedeutet: Fortsetzungs-Alarm. FamilyGuy-Erfinder Seth MacFarlane erfand damals den sprechenden Teddybären Ted, der beste Kumpel von John Bennett (Mark Wahlberg). Ted war – auch zu meiner eigenen Überraschung – ein Bär zum Liebhaben. Die Zoten tanzten zwar den ultimativen Niveaulimbo, aber irgendwie passte das.
Ted machte Witze über Juden, Schwule und dicke Menschen, MacFarlane erschuf jede Menge Furz- und Fickgeschichten. Ted bestellte sich in Teil 1 Damen in sein Haus, die ihr Geschäft auf den Boden verrichteten. Ted kiffte, Ted soff und Ted war der Donnerbuddy von John, einem Kerl, der keine Freunde in seiner Kindheit hatte. Nur Ted. Und wegen ihm hat er sogar Stress provoziert mit Lori (Mila Kunis), Johns Freundin. Ein Sahnestück. Ted Anno August 2012 war wirklich jemand, der keine Grenzen kannte. Der Streifen ein vulgäres Allinclusive-Paket. Und wer Ted nicht lieb hatte, der guckt seinen Nachbarn auch beim Sex zu. So lautete mein Fazit damals.

Mein Fazit zum Nachfolger allerdings fällt wesentlich nüchterner aus, denn „Ted 2“ ist eine einzige Enttäuschung.
Ted Anno Juni 2015 ist immer noch jemand, der keine Grenzen kennt. Er kifft und säuft weiterhin, Witze über Schwule macht er auch immer noch. Statt Prostutierten ist er jetzt jedoch in fester Hand. Geheiratet hat er seine Freundin Tami-Lynn (Jessica Barth), nach kurzer Beziehungskrise kommen beide auf die Idee: Kinder möchten sie kriegen. Aber wie soll das funktionieren? Ted besitzt kein Geschlechtsteil, was diese Aufgabe bewältigen könnte. Und sein Freund John ist plötzlich wieder alleine. Lori wollte ihn nicht mehr, hat sich scheiden lassen. Er ist ein Wrack, jetzt hat er wieder nur noch Ted, der Arme. Nachdem der Versuch in einem Desaster endet, dem Football-Star Tom Brady die nötige Samenspende zu entlocken, soll John dann Teds Samenspender werden. Auch dieser Versuch scheitert auf ganzer Linie – und dann ist Ted plötzlich nur noch eine Sache...
©Universal Pictures
Auch im zweiten Teil schnürt MacFarlane wieder ein umfassendes Festival von Gags unterhalb der Gürtellinie. Das hatte man erwartet. Aber es wirkt einfach alles wahnsinnig beliebig, lustlos und so wie im ersten Film. Man wird das Gefühl nicht los: MacFarlane habe einfach auf den Repeat-Knopf gedrückt und spult den ersten Film noch einmal ab. Er muss das ja machen. Gibt ja Geld. Und warum Wagnisse eingehen? Leider hat Ted im zweiten Teil nichts mehr mit dem Ted aus dem ersten Teil gemein. Er hat seine Coolness verloren, jetzt ist er wirklich nur noch der plüschige, sprechende Bär, der kifft. Überhaupt: MacFarlane fällt eigentlich nichts ein.

Ständig ziehen Ted und John an der Bong oder am Joint. Die spritzigen Momente des ersten Teils sind futsch. Wahlberg, der im ersten Teil noch sichtlich Lust verspürte, macht diesmal einen total unmotivierten Eindruck. Und Mila Kunis fehlt wirklich in jeder Sekunde. Stattdessen spielt jetzt eine Anwältin (Amanda Seyfried) eine Rolle. Zusammen mit ihr versuchen Ted, John und Tami-Lynn zu beweisen, dass Ted den Status eines Menschen verdient hat und nicht bloß eine Sache ist. In Zeiten von Diskussionen über Homo-Ehe und Gleichstellung könnte man daraus wirklich was machen. Na ja, zugegeben, erwarten kann man von MacFarlane jetzt keine wirklich ernsthafte Auseinandersetzung mit der Sache – aber mehr als das Dargebotene hätte man sich schon wünschen dürfen. Denn die Anwältin kifft selbstverständlich auch. Also wird Bong geraucht bis zum Abwinken, und am Ende gibt’s einen nahezu identischen Showdown derselben Personen wie im ersten Teil. Ein Highlight soll wohl der Besuch im Samenspende-Labor sein, wo ein Regal lauter Sperma umkippt, direkt auf John. Ha ha ha ha. Ernsthaft?

©Universal Pictures
Ein Lichtblick hingegen ist Liam Neesons kurzer Cameo, bei dem Kinder-Cornflakes kauft. Da muss man wirklich kurz mal grinsen. Also ganz kurz. Für eine Minute. Höchstens. Ein Glück, dass er im Kino augenscheinlich floppt. Teil 3 wird uns so wohl erspart bleiben. Hoffentlich.  

BEWERTUNG: 04/10
Titel: Ted 2
FSK: ab 12 freigegeben
Laufzeit: 116 Minuten
Genre: Komödie
Regisseur: Seth MacFarlane
Darsteller: u.a. Mark Wahlberg, Seth MacFarlane, Amanda Seyfried, Jessica Barth, Morgan Freeman

  

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