Dienstag, 21. Juli 2015

Hier kommt was Kleines auf uns zu - "Ant-Man" schrumpft sich groß!




Ab 23. Juli im Kino! ©Disney


Wenn man bei Marvel überhaupt davon sprechen kann, ist „Ant-Man“ das größte finanzielle Wagnis, das sie jemals eingegangen sind. Ein unbekannter Held (obwohl Gründungsmitglied der Avengers in den Comics), eine untypische Besetzung und eine Superkraft, die für viele lächerlich erscheint. 

Doch Marvel wäre nicht Marvel, wenn sie daraus nicht einen waschechten Hit zaubern würden. Da bleibt ein einmaliger Regisseur wie Edgar Wright („Scott Pilgrim“), der acht Jahre lang für eine Filmumsetzung kämpfte, schon mal auf der Strecke. Kurz vor Start der Dreharbeiten stieg er aus, die Vorstellungen seitens Marvel waren zu verschieden. Für ihn kam Komödienregisseur Peyton Reed („Der Ja-Sager“). 

So gesehen hat es „Ant-Man“ gleich doppelt schwer. Wenn er misslungen ist, wird alle Welt Produzent Kevin Feige und Aushilfsregisseur Reed die Schuld geben. Das Talent eines Edgar Wright hat nun mal nicht jeder. Sollte „Ant-Man“ gelungen sein, stellt sich die Frage, wie viel besser er unter Wrights Führung geworden wäre. 

Das „Was wäre wenn“ ist dem fertigen Film gegenüber jedoch unfair. „Ant-Man“ ist die meiste Zeit das Beste, was Marvel bislang veröffentlicht hat. Ein erstaunlich hoher Gagfaktor, intelligent eingefügt, endlich originelle Actionszenen, die in Erinnerung bleiben und ein Besetzungscoup in Form des Saubermannes Paul Rudd. Bislang spielte er eher den netten Kerl von Nebenan, woran sich auch hier wenig ändert. Sein „Ant-Man“ ist ein witziger Typ mit dem Herz am rechten Fleck. Selbst die Nebenfiguren um den Erfinder des Anzugs Hank Pym (Michael Douglas) oder seine Tochter Hope van Dyne (ganz wunderbar: Evangeline Lilly). Für die Gags zeichnen sich zahlreiche Comic-Relief-Figuren verantwortlich, die immer zum rechten Moment auftreten. Hier macht sich das Comedy-Gespür des Regisseurs bemerkbar. 


Wieder zeigt sich das Talent Marvels, das Superheldengenre eher nebenbei einzubauen. War „Guardians of the Galaxy“ Space Opera, „Captain America 2 – Winter Soldier“ Spionagethriller, so ist „Ant-Man“ ein waschechter Heist-Film. Die Rettung der Welt ist sekundär, das Knacken des Safes ist das, was zählt. Da passt es ins Bild, wenn Regisseur Reed den Showdown nicht in das von Aliens bombardierte New York verfrachtet, sondern ein Kinderzimmer in Schutt und Asche legt. Vom Großen zum Kleinen und wieder zurück. 

Ein weiterer Pluspunkt sind die Actionszenen. Jedes Schrumpfen ist ein optisches Highlight, die Szenen selbstironisch hoch zehn. Sogar die Interaktion mit den Ameisen ist bei all dem Trashfaktor ein Gewinn für den Film. Ant-Man schleudert ameisengroß Bodyguards durch die Luft, reitet auf Ameisen und wirft Spielzeug durch die Luft. Großartig.

Natürlich hat „Ant-Man“ seine Schwächen. Der für Marvel obligatorisch flache Bösewicht (Corey Stoll holt noch das Maximum heraus), Logiklöcher, so groß, dass sich Paul Rudd nicht einmal schrumpfen müsste, um hindurch zu passen und der ausschweifende CGI-Overkill – alles vorhanden. Doch wohingegen „The Avengers – Age of Ultron“ noch darunter litt, macht „Ant-Man“ trotzdem Spaß. Er ist kein perfekter Held, muss sich selbst erst zurechtfinden und ist deshalb der Avenger, den das Publikum am ehesten verstehen wird. Auch ohne Edgar Wright auf dem Regiestuhl.


BEWERTUNG: 7,5/10
Titel: Ant-Man
FSK: ab 12 freigegeben
Laufzeit: 112 Minuten
Genre: Superheld, Action
Autoren: Edgar Wright, Joe Cornish, Adam McKay, Paul Rudd
Regisseur: Peyton Reed
Darsteller: Paul Rudd, Michael Douglas, Evangeline Lilly, Corey Stoll, Hayley Atwell, Michael Pena, Bobby Cannavale, John Slattery






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