Sonntag, 5. Juli 2015

Französisches Genital-Gewitter: "Jacky im Königreich der Frauen"

Männer beten Pferde an? Ja, das gibt's wirklich - seit dem 26.06. im Heimkino erhältlich. ©Neue Visionen Filmverleih 
In der (mehr oder weniger) demokratischen Volksrepublik Bubunne gibt es eine Sache, die man voll unterstützen kann: Gemüse ist verboten! Da hört's aber auch schon wieder auf, denn die Welt in Bubunne ist auf den Kopf gestellt. Männer laufen nur verschleiert durch die Gegend, sie kümmern sich darum, dass zuhause alles läuft, und sie übernehmen sogar Aufgaben im Friseursalon. Hauptsache, die Frisur sitzt und man sieht gut aus. Schließlich haben sie in dem Land, wo die Frauen alles beherrschen, nur ein Ziel: Sie möchten der große Dödel werden. Der große was? Dödel, richtig. Die Zeit der alten Bubunne XVI ist nämlich abgelaufen und ihre Tochter Bubunne XVII (Charlotte Gainsbourg) übernimmt in Kürze die Thronfolge. Dafür hält sie einen großen Ball ab und will den richtigen Mann finden, also den richtigen, den großen Dödel. Jacky (Vincent Lacoste) wohnt in einem kleinen Kaff und träumt auch nur von einer Sache: Von der neuen Diktatorin. Aber wie soll der Junge aus dem Niemandsland das bloß schaffen?

Regisseur Riad Sattouf arbeitete bis kurz vor dem Attentat auf die Redaktion für die Satirezeitung Charlie Hebdo in Paris. Als Filmemacher ist er bislang nur mit „Jungs bleiben Jungs“ in Erscheinung getreten und sein zweiter Streifen ist wohl weitaus riskanter und mutiger. „Jacky im Königreich der Frauen“ ist zumindest von der Idee her nämlich eine wirklich begrüßenswerte Sache.

Frauen regieren die Welt, Männer sind unterdrückt und ohne Rechte – in der Realität sieht das leider in gewissen Diktaturen anders aus. Heilige Tiere sind in seinem Fantasiereich Pferde, man betet sie an und bittet sie um Ratschläge, wenn man Probleme hat. Wie gesagt: Eine niedliche Idee. Jedes Haus in der Siedlung von Jacky sieht gleich aus, zu Essen gibt’s bloß Schleim. Wer Pferde schändet oder Gemüse isst, der wird gehängt. Und wehe, man hat ausländische Lektüren bei sich zuhause liegen oder man ist nicht verschleiert!
Ausländisch ist selbstredend verboten, Musik ist Blasphemie und die Elitekampftruppe heißt Panzerponys. Ob deren Gewehre wenigstens funktionieren?
"Ich will dein großer Dödel werden!" ©Neue Visionen Filmverleih
Auf so viele Staaten könnte Sattouf anspielen: Nordkorea mit dem bekloppten Kim Jong Un oder auf diverse religiös verirrte Staaten wie dem Iran zum Beispiel. Das alles zieht er durch den Kakao, ohne spezifischer zu werden. Das ist schön. Jedenfalls auf dem Papier. In der Ausführung allerdings unterhält der Streifen nur mäßig. Die Welt schreibt von „Monty Python auf Französisch“ und Alice Schwarzers Emma finden die Herrschaft der Frauen – welch Überraschung...- natürlich brüllkomisch.  Von Monty Pythons Klasse ist Sattoufs Witze-Sammelsurium allerdings weit entfernt, von brüllkomischer Unterhaltung ebenfalls. Viel mehr als Geschlechtertausch-Witzchen und Genital-Späßchen hat er nicht auf Lager. Nach einem erfrischenden Beginn ermüdet die Suche nach dem großen Dödel irgendwann einfach nur noch. Am Ende stehen die Männer um Gainsbourg herum und möchten von ihr an die Kette genommen werden, um wenig später den großen Aufstand zu wagen. Revolution im Lande der Frauen. 

©Neue Visionen Filmverleih
Den löblichen Ansatz verwandelt der Franzose bloß in ein Genital-Gewitter der immergleichen Gags. „Jacky im Königreich der Frauen“ ist damit leider letztlich nur so bissig wie ein kleines Pony.

BEWERTUNG: 4,5/10
Titel: Jacky im Königreich der Frauen
FSK: ab 12
Laufzeit: 90 Minuten
Genre: Satire, Komödie
Erscheinungsjahr: Frankreich 2014, auf DVD, Blu-Ray & VoD erhältlich seit 26.06.2015
Regisseur: Riad Sattouf
Darsteller: u.a. Vincent Lacoste, Charlotte Gainsbourg, Didier Bourdon, Michel Hazanavicius



  

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