Montag, 13. Juli 2015

Es wird dich holen, es wird dich finden - Kein Entkommen in "It Follows"!






IM KINO! ©Weltkino
Horror und Schrecken setzen sich insbesondere dann in den Köpfen der Zuschauer fest, wenn er im Unklaren gelassen wird. Ein treibender Score, der das Opfer vor sich her peitscht, Kratzen und Knallen gegen Türen und Hausfassaden, ein schlurfendes Etwas, das sich dir unaufhaltsam nähert. Die Frage ist nur: Wie kannst du es aufhalten? 

Regisseur David Robert Mitchell hat verstanden, worauf es im Horrorfilm ankommt. Jump Scares werden bloß eingesetzt, wenn es wirklich nötig/passend erscheint, ansonsten bezieht der Film seine Spannung bloß aus seiner unheimlichen Atmosphäre. Die Kamera kreist um die Protagonistin Jay, rückt den Horror stets unscheinbar ins Bild, bis er plötzlich vor ihr steht. Subtil geht Mitchell zu Werke und subtil schleicht sich auch die Angst in die Herzen des Publikums. 

„It Follows“ sieht aus wie Horrorfilme aus den 70er und 80er. Er zitiert munter einen Genreklassiker nach dem anderen, ohne billig zu kopieren. Die Synthesizer-Klänge des Scores erinnern an John Carpenters Klassiker „Halloween“, ebenso die vermeintliche Vorstadtidylle. Stilsicher setzt Mitchell - der den Film auf Basis eines wiederkehrenden Albtraums umsetzte - seinen (Bald-)Star Maika Monroe in Szene und findet faszinierende Bilder, die „It Follows“ zum schönsten Genrefilm seit Jahren machen. 

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Ein Jahr nach Erscheinen auf sämtlichen Festivals hat es die neue Hoffnung des Horrorkinos auch zu uns in die Kinos geschafft. Der Überraschungserfolg in den USA, der sämtliche Kritiker für sich einnahm, hat in Filmforen einen Hype entfacht, wie kein zweiter (Horror-)Film vorher. Leider kann „It Follows“ die euphorischen ersten Stimmen nicht gänzlich bestätigen. Zwar hat er unfassbar spannende Stellen, ist elegant gefilmt und stark gespielt, doch mit seinen 107 Minuten einen Tick zu lang geraten.  Warum sich die Charaktere außerdem an ein, zwei Stellen entgegen jeglicher Logik verhalten müssen, bleibt ein Geheimnis des Regisseurs.

Die Story bewegt sich bei aller inszenatorischen Virtuosität in konventionellem Rahmen. Mitchell mixt Horrorelemente mit „Coming of Age“-Einflüssen, wie es schon viele vor ihm taten. Das sexuelle Erwachen im Teenageralter, die Gefahren der Promiskuität – hier wühlt sich „It Follows“ durch seine Genrevorbilder und bietet viel Raum für Interpretationen. 

Was man dem Film zu Gute halten muss, ist sein Mut zur Lücke. Wenig wird erklärt, denn nie ist klar, wie Jay den Dämon(?) wieder loswerden will, noch, wie er überhaupt entstanden ist. Daraus ergibt sich ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit, die dank Monroes herausragender Leistung umso drückender ist. Denn es ist immer da, nur wenige Schritte entfernt. Der Horror setzt sich fest in den Gedanken Jays und lässt sie nicht mehr los. Genauso wenig wie den Zuschauer. 


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 BEWERTUNG: 07/10
Titel: It Follows
FSK: ab 12 freigegeben
Laufzeit: 107 Minuten
Genre: Horror
Regisseur/Autor: David Robert Mitchell
Darsteller: Maika Monroe, Jake Weary, Lili Sepe, Debbie Williams, Keir Gilchrist





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