Freitag, 29. Mai 2015

Was haben ein Octopus, das geteilte Berlin und eine wildgewordene Frau gemeinsam? - Wahnsinn in "Possession"!




IM HANDEL! ©Bildstörung


Es gibt Filme, die schaut sich der Zuschauer zwecks Unterhaltung an. Er möchte lachen, weinen, sich fürchten und manchmal auch alles zusammen. Dann gibt es „Possession“. Ein verstörendes Werk angesiedelt im geteilten Berlin in den 80ern. Regisseur und Autor Andrzej Zulawski wirft das Publikum in einen Strudel der Gewalt, des Ekels und der Ekstase. Die Selbstzerfleischung eines Paares mutiert zu einem Seelenstriptease, gipfelt in einem Monsterfilm nur um seinen Charakteren letztendlich jeglichen Ausweg zu verwehren (oder nicht?). 

„Possession“ verwehrt sich jeder vernünftigen Narration, sondern schockiert in seiner Respektlosigkeit, fasziniert aufgrund seines Mutes und bleibt stets unvorhersehbar. Wie soll ein Film auch Erwartungshaltungen bedienen, wenn er selbst sein gesamtes Genre im Minutentakt über Bord wirft? Zulawski hat kein Interesse daran, seine Gedanken in geordneter Form auf die Leinwand zu übertragen, sondern sendet sie ungefiltert, einer wilden Bestie gleich in filmisches Format. Das ist zuweilen sprunghaft, oftmals irritierend und ärgerlich, aber immer gleichbleibend faszinierend. 

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Die Darsteller Sam Neill und Isabel Adjani verausgaben sich völlig und es wundert nicht, dass vor allem Adjani mit Preisen überhäuft wurde. Beide wirken zwar eher wie zwei Darsteller auf einer Theaterbühne, doch macht das den Reiz von „Possession“ aus. Vor allem Adjani bietet in einigen Close Ups Gründe für das Unwohlsein des Zuschauers. Ihr irrer Blick, abgehackte Schreie, dazu ihre wilden Zuckungen am gesamten Körper – harter Tobak. 

Um „Possession“ wenigstens ein klein wenig zu verstehen, muss auf die persönlichen Hintergründe Zulawskis eingegangen werden. Sein letzter Film „Der silberne Planet“, wurde vom kommunistischen Regime in Polen gestoppt, seine Frau verließ ihn, sein Leben lag in Scherben. Das hatte einen riesigen Einfluss auf seine nächste Geschichte und so handelt „Possession“ auch ein Stück weit von ihm und seiner Frau. Das Gefühl des Verrats pocht in „Possession“, ein Stück weit kann der Film als Abrechnung verstanden werden. Doch ist er weitaus mehr als das. 

Sei es die rasende Kamera, die umwerfende Bilder im ausgestorbenen Berlin einfängt, oder die oft beschworene Teilung der Stadt, die als Sinnbild auf die Trennung zweier Menschen verstanden werden kann. Doch steckt auch eine politische Aussage dahinter, denn für den Regisseur Zulawski ist das Regime das greifbare und erfassbare Böse, das er trotz allem subtil präsentiert. 

Hier liegt die Faszination für „Possession“ begraben. Zwar legen die Macher rückblickend die „richtige“ Interpretation ihres Films offen, doch kann er genauso als simpler Horrorfilm, als Ehedrama oder Paranoiathriller verstanden werden. Oder eben als ein Film „About a woman fucking an octopus“. Das macht den Konsum des Films nicht einfach, ihn jedoch zu einem echten Erlebnis. 


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BEWERTUNG: 07/10
Titel: Possession
FSK: ab 16 freigegeben
Laufzeit: 121 Minuten
Genre: Drama, Horror
Erscheinungsjahr: 1981
Autoren: Andrej Zulawski, Frederic Tuten
Regisseur: Andrej Zulawski
Darsteller: Isabelle Adjani, Sam Neill, Margit Carstensen, Heinz Bennent, Leslie Malton, Johanna Hofer





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