Mittwoch, 6. Mai 2015

Liebe ist ein zweischneidiges Schwert - "Mommy" im Handel erhältlich!




AUF DVD UND BLU-RAY! ©Weltkino


„Mommy“ ist einer jener Filme, die dem Zuschauer das Herz herausreißen, es im gleichen Moment wieder  zusammenflicken und in den Brustkorb zurücklegen. Man fühlt sich gematert, erschlagen und doch glücklich, den Tränen nahe. Der 25-jährige Regisseur Xavier Dolan nimmt uns mit auf eine Tour de Force voller wild schäumender Gefühle, voller Widersprüche, in eine Welt, in der Liebe und Hass ein und dasselbe sind. Erfrischend in seiner Aufrichtigkeit, niederschmetternd in seinem Wahrheitsgehalt. 

Hier erzählt ein junger Mensch eine Geschichte über das Leben mit einer Weisheit, die nicht einmal doppelt so alte Kollegen an den Tag legen. Das Verhältnis zwischen Mutter Diane und Sohn Steve ist geprägt von einem Antipol, der sich durch ihre Gefühlswelt zieht. Mal stoßen sie sich ab, mal sind sie unzertrennlich. Wir, der Zuschauer, sehen eine vor Intimität sprühende Mutter-Sohn-Beziehung, wir fühlen, was sie fühlen und bangen, was noch kommen möge. 

Dolan verbindet seinen jugendlichen Esprit und Tatendrang mit der Abgeklärtheit des Alters und heraus kommt ein Wunderwerk von Film. „Mommy“ zeugt von tiefer Sehnsucht, verstanden zu werden. Von einem übermächtigen Gefühl, dass die zwei Hauptfiguren aneinander kettet. Familie ist das Band, das ewig besteht, ob man will oder nicht. Doch manchmal reicht es nicht aus. Gute Absichten verhallen unter dem grauenerregenden Vorhang des ADHS. Steve hat nur gute Absichten im Sinn, doch verkehren sie sich ins Gegenteil. Gerade ADHS ist in der heutigen Zeit ein wichtiges Thema, denn es scheint die neue Volkskrankheit zu sein. Auch der Regisseur sagt von sich selbst, er wäre hyperaktiv. 

©Weltkino

Dolan führt sämtliche filmischen Stilmittel auf ein derart hohes Niveau, dass das Publikum aus dem Staunen nicht mehr herauskommt. Auf den Punkt ausgewählte Songs, hinreißende Kamerafahrten, selbst das Spiel der Bildformate – niemand beherrscht das Handwerk so gut, wie Dolan. Vergleichbares ist momentan nirgends zu finden. 

Wenn ein Film es schafft, dass der Zuschauer mittendrin aufspringen will, die Hände zum Klatschen erhoben, die Augenwinkel feucht von zurückgehaltenen Tränen – wie soll ein Filmemacher sich noch steigern? Mit gerade mal 25 Jahren hat Xavier Dolan bereits fünf Filme gedreht, war mit allen in Cannes vertreten und wurde mit Preisen überhäuft. Wo soll die Reise noch hingehen? Amerika ruft und ganz egal, wie man dazu stehen mag, ungewöhnlich, vielleicht sogar außergewöhnlich, wird das Ergebnis in jedem Fall. 


©Weltkino
BEWERTUNG: 09/10
Titel: Mommy
FSK: ab 12 freigegeben
Laufzeit: 138 Minuten
Genre: Drama
Erscheinungsjahr: 2014
Regisseur/Autor: Xavier Dolan
Darsteller: Antoine-Olivier Pilon, Anne Dorval, Suzanne Clement,







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