Freitag, 22. Mai 2015

Ein Film wie ein Schuhschrank: Charmant und liebenswert - "Cobbler - Der Schuhmagier"

Adam Sandler und seine Wundermaschine sind jetzt im Handel erhältlich! ©Ascot Elite
Wer hat sich nicht alles schon einmal gewünscht, jemand anders zu sein? Ich glaube, so ziemlich jeder hatte schon einmal diesen Wunsch. Mal für einen Tag lang ein Promi sein, mal für einen Tag lang einen völlig neuen Beruf auszuüben. Hach, was wäre das schön. Das denkt sich auch Max Simkin seitdem er lebt. Er ist Schuhmacher und betreibt das Geschäft, das schon Familien-Generationen vor ihm geführt haben. Nur: Sonderlich viel Spaß bereitet ihm das nicht. Seine Kunden sind C-Promis aus dem Fernsehen oder Gangster, er liebt es, saure Gurken zu essen oder wahlweise ein Snickers oder eine Cola zu trinken. Erfüllend ist das alles nicht, aber dann kommt der Zufall ihm zur Hilfe. Als seine ehrwürdige Maschine plötzlich den Geist aufgibt, entdeckt er in der Rumpelkammer seines Geschäftes ein Erbstück – wleches ihm völlig neue Wege eröffnet. Mit dieser Nähmaschine kann er in die Schuhe eines anderen steigen und sieht dann sofort aus wie der Kunde. Für Max ein absoluter Glücksgriff...
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Ach ja, das wäre tatsächlich wunderschön, wenn das funktionieren würde. In die Schuhe eines anderen schlüpfen und dann direkt dessen Gestalt zu übernehmen. Adam Sandler spielt diesen Max Simkin, und das macht Sandler überraschenderweise echt gut. Eigentlich kann man sich bei Sandler immer sicher sein: Das wird der pure Klamauk, aber nicht so in „Cobbler“. In der ersten Hälfte nimmt der Film eine geradezu verblüffend tiefgehende Richtung auf – gerade für einen Sandler-Film nicht der Standard. Sandler schlüpft in die verschiedenen Rollen eines Asiaten, von Zombie-ähnlichen Gestalten und sogar vom Gangster-Kunden. Wunderbar ist das mit anzusehen, das macht Spaß, wie sich Simkin mitten in Chinatown befindet und sich dadrüber belustigt zeigt, dass er plötzlich alles versteht. Rührend wird’s dann auch, als er sich mit seiner Mutter unterhält, bei der er wohnt. Diese wünscht sich nichts sehnlicher, als noch einmal mit ihrem Vater zu Abend zu essen. Der Vater (Dustin Hoffman) hatte die Familien vor einiger Zeit vom einen auf den anderen Tag im Stich gelassen hat. Simkin repariert also dann die Schuhe und ermöglicht ihr es, noch einmal mit ihrem Mann zu essen. Eine wirklich schöne Szene. Simkin, der nichts mit Frauen anzufangen weiß, genießt die völlig neuen Möglichkeiten, die sich nun auftun. Er isst für viel Geld in Restaurants, er erfüllt sich so manchen Wunsch, den er als er selbst nicht machen könnte. Man freut sich für ihn mit, und damit hat der Streifen einiges geschafft.

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Das nicht zuletzt auch den stark besetzten Nebenrollen zu verdanken, denn neben Hoffman spielt auch Steve Buscemi mit. Er mimt Max' Nachbarn Jimmy, einen Friseur. Aber auch Method Man als Gangster und Ellen Barkin sind mit von der Partie. Eine Besetzung zum Zungeschnalzen, darauf kann sich Regisseur Thomas McCarthy verlassen. Allerdings hält seine Geschichte die anfängliche Frische nicht und ihr geht irgendwann die Puste aus.

Das liegt vor allem an der zweiten Hälte des Films, wo aus der „Simkin kommt mal raus aus seiner Haut“-Story ein halbgarer, harm- und belangloser „Simkin rettet jetzt sein Viertel“-Klamauk wird. Sandler steigt jetzt in Frauenkleider, schlägt Gangster mit Stöckelschuhen nieder und rettet die Welt. Simkins Viertel sollte einem Kaufhaus weichen, aber das kann ja der Cobbler nicht zulassen. Das hat dann zwar alles noch durchaus einen gewissen Charme, aber aus dem anfänglich erfrischenden, relativ gut gemeinten Ansatz entwickelt sich ein nichtssagendes, Potenzial verspielendes Irgendwas.

Und nicht zuletzt weiß man nach dem wenig überraschenden Schluss-Twist dann auch nicht mehr, was „Cobbler“ überhaupt sein möchte: Fantasyfilm, Komödie oder Drama? Irgendwo dazwischen liegt die Wahrheit. Das ist schade, nichtsdestotrotz sind die knapp anderthalb Stunden kurzweilige Unterhaltung und so ein bisschen wie ein Schuhschrank: Ein Stöckelschuh hier, ein Hochglanz-Businessschuh da, eine Sandale dort. Eine irgendwie liebenswerte Mischung!

©Ascot Elite
BEWERTUNG: 6,5/10
Titel: Cobbler - Der Schuhmagier
FSK: ab 12
Laufzeit: 94 Minuten
Genre: Fantasyfilm,  Drama, Komödie
Erscheinungsjahr: 2014, auf DVD & Blu-Ray erhältlich seit 19.05.2015
Regisseur: Thomas McCarthy
Darsteller: u.a. Adam Sandler, Dustin Hoffman, Steve Buscemi, Ellen Barkin, Method Man

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