Dienstag, 26. Mai 2015

Dumm, triebgesteuert und unbeherrscht: Ludwigshafen unterbietet sich selbst - "Tatort: Roomservice"

Um 10:11 Uhr stürzt Yasemin, ein Zimmermädchen in einem Ludwigshafener Luxushotel, in den Tod. Gesprungen ist sie nicht, das ist bald klar. Und Verdächtige gibt es viele für Langeweile-Lena Odenthal (Berufsverfehlerin: Ulrike Folkerts) und Kollege Mario Kopper (Andreas Hoppe). Leider, und das ist mittlerweile wirklich beinahe bewundernswert, unterbietet sich der SWR-Tatort wieder einmal selbst. Mehr Klischees gab's in einem Tatort wohl noch nie. Der Tatort aus Ludwigshafen tut nur noch weh.
"Hallo, wir sind das Tatort-Team aus Ludwigshafen. Und wir tun so, als seien wir Schauspieler." © SWR/Alexander Kluge

Reißbrett-Figur Numero Uno: Der Politiker, gespielt vom ergrauten Peter Sattmann, ist ein Arschloch. Dumm, triebgesteuert und unbeherrscht – quasi genauso wie „Roomservice“. Er steht auf jüngere Damen, macht sich im EU-Parlament aber gleichzeitig für die Frauenquote stark. Auch mit der toten Hotel-Angestellten hatte er etwas. Und wurde deshalb Opfer eines Komplotts – womit wir schon bei der zweiten Reißbrett-Figur wären.
Denn Peter Kremer spielt hier einen Unternehmer, dessen Assistenten ihm Regenschirme halten, damit er nicht nass wird, der im Gehen reden kann und, da wird’s wirklich bitter und blöd, selbstverständlich wahllos auf irgendwelche dahergereichten Papiere seine Unterschrift setzt. So wie man sich einen Unternehmer eben vorstellt ist er auch ein erklärter Gegner der Frauenquote. Unnahbar und hundsgemein. Ihm gehört das Luxushotel, wo der Politiker residierte und Yasemin starb, und weil letztgenannte unbedingt Geld brauchte, sollte sie so tun, als sei sie vergewaltigt worden vom Politiker. Damit die Frauenquote scheitert. Ist klar: Der böse Unternehmer macht eine böse Intrige gegen den bösen, genauso intriganten Politiker – welch böse, böse Welt.

Mitmachen tut da David C. Brunners überzeichnete Figur des Hoteldirektors, der sich dadurch einen Aufstieg in der Karriereleiter erhofft. Er ist auch böse, führt ein hartes Regiment, und seine Angestellten arbeiten für einen Hungerlohn. Zweieinhalb Zimmer müssen sie in einer Stunde schaffen, sonst verdienen sie nichts. Und Gläser in Hotelzimmern würde ich auch nicht mehr anrühren, es gebe schließlich nur einen Lappen und nur wenig Zeit. Ja, wir wissen's: Alle böse, nur die armen Angestellten, die aus dem Ausland kommen, um ihre Familien zu ernähren, die sind's nicht. Selbst das LKA ist böse!
Es schickt wieder einmal Johanna Stern (Lisa Bitter) zu den Ermittlungen. Sattmanns Politiker war vor Jahren mal Ministerpräsident, ließ damals die Mittel des LKA's zusammenschrumpfen, und weil das LKA nicht dumm ist, möchte es nun hautnah miterleben, wie der Stern des EU-Kommissars hinuntergeht. Deswegen kommt es zum üblichen Kompetenzgerangel auf dem Revier. Lena hat nix mehr zu suchen im Präsidium, weil Stern die Teamleitung übernehmen soll, Kopper fühlt sich über, und Stern? Die junge, forsche Frau übernimmt gleich mal das Kommando. Keiner geht ohne ihren Befehl. Lena steht derweil nachts am dunklen Rhein, beim Kollegen Kopper ist sie endlich ausgezogen. „Eine Ära geht zu Ende. Aber ein Ende ist auch ein Anfang.“, lässt sie verlauten. Kopper findet, das müsse man feiern – mit ein bisschen Pasta und ein bisschen Wein. Feiern muss man es tatsächlich, wenn die Einschlafhilfen eines Tages zum letzten Mal ermitteln, bis dato muss man jedoch weiter jammern.  
Links die böse Anwältin, in der Mitte der böse Politiker, rechts Langeweile-Lena. © SWR/Alexander Kluge

Die Figurensammlung dieses grausamen Tatorts ist übrigens noch nicht komplett. Der Journalist, interpretiert von Jürgen Rißmann, ist ein maximal-schmieriger Mensch, der seit Wochen oder Monaten wohl nicht mehr geduscht hat. Journalisten halt.
Und Sattmanns Filmfrau wird gespielt von der großartigen Suzanne von Borsody, leider ist auch ihre Rolle eine zum Haarsträuben. Sie ist Anwältin, eine falsche Schlange natürlich und gefühlskalt wie nur eben möglich. Rechtsverdreher halt.

Die Schauspielerdarsteller des Ermittlerteams, ein Drehbuch zum Kopfschütteln, das nicht nur Anleihen bei der reellen Dominique Strauss-Kahn-Affäre nimmt, sondern auch noch auf plumper Art und Weise die Frauenquote thematisiert („Gute Frauen brauchen keine Quote!“), eine Inszenierung, bei der nichts überzeugt. Das tut wirklich weh.

© ARD
Lustiger Funfact am Rande: Während der gesamten Ermittlungen sieht man nicht einen Hotelgast. Am Rhein wird jetzt also auch noch an Statisten gespart. Es wird wirklich Zeit für eine Quote – für eine Qualitätsquote.

BEWERTUNG: 0,5/10
Titel: Tatort: Roomservice
Erstausstrahlung: 25.05.2015
Genre: Krimi
Regisseur: Tim Trageser
Darsteller: u.a. Ulrike Folkerts, Andreas Hoppe, Lisa Bitter, Annalena Schmidt, Peter Espeloer, Peter Sattmann, Suzanne von Borsody

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