Dienstag, 21. April 2015

Superhelden wohin das Auge sieht - Völlige Zerstörung in "Avengers - Age of Ultron"





AB 23. APRIL IM KINO! ©Disney

Das Marvel Cinematic Universe ist zum Koloss der Kinobranche mutiert. „Avengers – Age of Ultron“ wird – wie seine Vorgänger – Besucherrekorde einfahren, so viel steht fest. Dieser Superheldentruppe scheint niemand gewachsen zu sein, am allerwenigsten die Zuschauer rund um den Globus. Regisseur Joss Whedon besitzt das uneingeschränkte Vertrauen der Produzenten und es macht Sinn, ihn mit der Mammutaufgabe der Superheldenklassentreffen zu betrauen. Kaum ein anderer kennt die Comics so gut wie er, er liebt diese Figuren wie kein Zweiter. 

Nachdem der Erstling schon das Unmögliche möglich machte und eine bunte Truppe an Helden miteinander spielen ließ, muss in der Fortsetzung alles größer, monumentaler werden. Whedon muss nun neben Iron Man, Thor, Captain America, Hulk, Hawkeye und Black Widow eine Vielzahl weiterer Nebencharaktere einführen bzw. ausbauen. Dementsprechend voll fühlt sich „Avengers – Age of Ultron“ auch an. Es ist faszinierend, dass Whedon trotzdem nicht den Überblick verliert und jedem Charakter seinen Moment gönnt. Sei es die altbekannten Helden, oder die Neuzugänge – alle dürfen mal ran. Natürlich bleibt das Geschwisterpärchen Scarlet Witch und Quicksilver dabei ein wenig auf der Strecke, doch ist das zu verkraften. Dafür darf sich Elizabeth Olsen als Scarlet Witch zurecht als Anwärterin auf die Starriege Hollywoods präsentieren, denn Whedon gibt ihr mehrere Gelegenheiten, sich zur Schau zur stellen. 

©Disney
War die Vielzahl der Figuren im Sony-Film „The Amazing Spiderman 2“ noch Kritikpunkt, fühlt sich das Tollhaus der Super- und Antihelden in „Avengers – Age of Ultron“ nicht ganz so erdrückend an. Was Electro in Ersterem noch zum Verhängnis wurde, erweist sich als weniger fatal für Ultron. Der Gegenspieler der Avengers darf vor allem zu Beginn für ordentlich Drama im Gespann der Helden sorgen und es liegt vor allem an James Spaders „Performance“, dass Ultron als Roboter für den Zuschauer greifbar wird. Leider verliert er im Laufe des Films ein wenig an Bedeutung, immerhin gibt es mit Scarlet Witch und Quicksilver zwei weitere Antagonisten. Trotzdem läuft Joss Whedon nicht in dieselben Fallen, wie Mark Webb mit Spiderman. 

Tricktechnisch ist der Film erwartungsgemäß spitze. Die Action ist fulminant inszeniert und bietet dank Kameradrohnen völlig neue Perspektiven, die Whedon viel näher ans Geschehen ran lassen. Eindrucksvolle Szenen bieten sich vor allem dann, wenn sämtliche Avengers an einem Fleck kämpfen und die Kamera aus dem Rotieren gar nicht mehr heraus kommt. Auch die ruhigen Passagen überzeugen dank dem Charisma der Darsteller und dem gewohnten Whedon-Witz, der sich wieder mal durch den gesamten Film zieht. 

Doch der Grund, warum Marvel stets die Nase vorn haben wird, ist folgender: Die Avengers scheren sich um das Leben der Menschen. Sie sind der Grund, warum sie all das tun, was sie eben tun. Sie beschützen, sie kämpfen, sie machen Fehler – all das im Namen der Menschheit. Whedon geht sogar so weit und opfert ungewohnt viel Zeit in die Rettung von Zivilisten, anstatt sofort zur Sache zu kommen. Das lässt die Superhelden in einem ganz anderen Licht erstrahlen, als die Konkurrenz bei DC. Natürlich werden auch hier ganze Stadtteile dem Erdboden gleich gemacht. Doch wo ein Superman sich einen Dreck um Menschenleben schert und durch einen Wolkenkratzer nach dem anderen prescht, sondieren die Avengers die Lage, versuchen zu retten, was möglich ist. Bei allem durchgeplanten Kalkül strahlen Marvels Helden eine gewisse Wärme und Herzlichkeit aus, während DC seine ikonischen Charaktere (Superman!) völlig entstellt. 

„Avengers – Age of Ultron“ ist kein fehlerfreier Film. Quicksilver ist im Vergleich zu seinem Pendant in „X-Men: Days of Future Past“ wesentlich lahmer inszeniert, Ultron wirkt nicht durchgehend bedrohlich und generell erscheint der Film wie das Luftholen vor dem Sturm. So, wie beinahe jeder Marvel-Film. Doch die Figuren wachsen dem Zuschauer ans Herz, was allein auf Whedons Kappe geht. Der Zuschauer lacht viel und langweilig wird es zu keiner Sekunde. Doch steht das wahre Finale noch aus, weshalb „Avengers – Age of Ultron“ eher als Platzhalter fungiert. Dann nämlich, wenn Freunde zu Feinden werden und der Civil War in weiter Ferne ruft. Bis dahin muss sich der Fan jedoch noch ein paar Jahre gedulden. Die Cash Cow muss schließlich weitergemolken werden. Ob Marvel die Faszination seiner Leinwandhelden noch so lange aufrechterhalten kann, steht auf einem anderen Blatt. 


©Disney
BEWERTUNG: 7,5/10
Titel: Avengers - Age of Ultron
FSK: ab 12 freigegeben
Laufzeit: 150 Minuten
Genre: Superhelden, Action, Komödie
Erscheinungsjahr: 2015
Regisseur: Joss Whedon
Darsteller: Robert Downey Jr., Chris Evans, Mark Ruffallo, Scarlett Johansson, Jeremy Renner, Chris Hemsworth, Samuel L. Jackson, Cobie Smulder, Paul Bettany, James Spader, Elizabeth Olsen, Aaron Taylor-Johnson





Kommentare:

  1. "Doch wo ein Superman sich einen Dreck um Menschenleben schert und durch einen Wolkenkratzer nach dem anderen prescht"

    Selten so einen dämlichen Sch.. gelesen. Das ist polemisches Fanboy-Gelaber vom feinsten. Zudem war MoS eine perfekte Comic-Adaption. Aber dafür müsste man mal einen Superman-Comic in die Hand nehmen.

    Statt einfach nur den Film zu bewerten muss man einen unnötigen Seitenhieb gegenüber der Konkurrenz bringen der auch noch schlecht übergeleitet wurde. Hauptsache etwas GEGEN DC und FÜR Marvel.

    Statt sich zu freuen, dass zwei Konkurrenten unterschiedliche Herangehensweisen haben, ähnlich wie im Comic und damit vor allem die Fans bedienen die auf beiden Seiten gern lesen.

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  2. Dummerweise habe ich tatsächlich einige "Superman"-Comics gelesen und die älteren Filme gesehen. Bezüglich Supermans Charakter hat das sogar "Superman Returns" besser hinbekommen, der hat allerdings Schwächen an anderer Stelle.
    Die Herangehensweise von DC wirkt über alle Maßen konfus, was sich nicht zuletzt in dem geplanten "Wonder Woman" zeigt. Ich mag einige DC-Filme, sowie ich auch einige Marvel-Filme mag, "Fanboy-Gelaber" ist das nicht. Die Vorwürfe gegen "MoS" sind berechtigt, denn das Finale hat Superman einfach mal zu einem tausendfachen Mörder gemacht. Aber hey, wer sich nur vom Bombast beeindrucken lässt, bitte.
    PS: Ich freue mich auf "Batman vs. Superman". Ja, ehrlich (die Comics von Miller habe ich auch gelesen).

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    1. Superman ist schon seit sehr vielen Jahren nicht mehr das, was mit Superman Returns auf der Leinwand dargestellt wurde.

      "Bezüglich Supermans Charakter hat das sogar "Superman Returns" besser hinbekommen", sagst du. Das ist aber schon seit unzähligen Jahren nicht mehr Supermans Charakter. Der Film schließt (schlecht) mit den alten Reeves-Filmen ab. Es ist eine Fortsetzung. Der 5. Teil. Mehr nicht und einfach nicht zeitgemäß. Nostalgisch, aber nicht zeitgemäß. Superman aus dem Golden Age.

      Und Superman ist bestimmt nicht durch die Gebäude geflogen und hat sich gedacht, ok, killen wir einfach mal ein paar Leute. Zod warf ihn hindurch. Zudem hatte Superman grad erst das wirkliche Ausmaß seiner Kräfte entdeckt und sich Zod sogar gestellt. Also alles um die Welt zu schützen. Ebenso, dass er Zod gekillt hat. Was er übrigens im Donner-Film Superman 2 auch getan hat. UND ganz wichtig auch in den Comics. Da hatte er zuletzt sogar Doomsday einfach zerrissen.

      In Avengers 1 z.B. gibt es ebenso ne Menge "Personenschaden". Da wäre es auch kein Problem gewesen die Stadt bzw. den Teil Nuklear zu "säubern".

      Es gab eine "Alieninvasion". Zod und seine Leute mit fast identischen Fähigkeiten wie Superman, da bleibt nun mal kein Stein auf dem anderen. Was ja auch Thema in BvS sein wird. Es wirkt wie ne Mischung aus The Dark Knight Rises (dem Comic) und dem Comic Injustice. Und das wär schon sehr geil, wenn DC bzw. Warner dazu die Eier haben. Denn der Comic Injustice bzw. auch TDKR werden hart gefeiert.

      Und was soll mit Wonder Woman sein? Weil die Regisseuren hinwarf? Das heißt noch nicht viel. Warner hat mit WW ganz klare Vorstellungen, zumal das DCU jetzt erst richtig aufgebaut wird und hatten Regie und Warner wohl komplett unterschiedliche Vorstellungen. Zumal die Dame, die urspr. WW machen sollte... Na ja. Ich war kein Fan von ihr.

      Green Lantern hatte damit nix am Hut und war einfach nur mies. Bis auf OA und Sinestro hatte der Film nix positives. Zumal der Film VOR dem DCU gedreht wurde. Aber Flops / schlechte Filme gibt es auf der Marvel-Seite ebenso.

      MoS war finanziell sogar sehr erfolgreich. Für einen Superman-Film sowieso. Es zeigt den echten, ernsten Superman so wie er schon seit vielen Jahren in den Comics ist.

      Ich lese seit vielen Jahren die Comics beider Verlage. Natürlich nicht alle Helden. Aber das ist schon zweistellig. Daher finde ich es auch prima, dass DC und Marvel die Filme wie ihre Comics gestalten. Marvel Comics sind unterhaltsam, witzig, soapig und oft auch kindisch. Während man bei DC versucht sich zu fragen "Was wäre wenn..." Wenn es sowas hier gäbe und wie die Verantwortung mit solchen Kräften ist usw. Einfach düster. Ein perfekt Kontrast der doch perfekt für das Comicherz ist. So bekommt man von beiden Seiten etwas oder kann sich rauspicken was man mehr mag.

      Aber Dinge schlecht überleiten und zu kritisieren um anderes, unnötiges hervorzuheben ist einfach eine unnötige Herangehensweise.

      DC baut sein Filmuniversum grad erst auf. MoS ist bisher der einzige Teil und der kann sich durchaus sehen lassen. Vor allem weil er Superman zeigt, wie er seit Jahren in den Comics ist. Und besonders, weil er Superman noch in seinen Anfangstagen zeigt der eben nicht makellos ist und der alte "Boyscout".

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