Montag, 20. April 2015

Rohde rettet den Rhein: "Tatort: Dicker als Wasser"

Es hätte so viele Möglichkeiten zu einem würdigen Abgang gegeben. Einmal, gleich zu Beginn, wird Freddy Schenk (Dietmar Bär) mitten in der Kölner City von zwei jugendlichen Gaunern an einer Laterne festgekettet. Sein neuer Kollege Tobias (Patrick Abozen), schwul und Kampfsportler, hätte ihn wenig später beinahe erwürgt. Beim Showdown verhindert seine schusssichere Weste Schlimmeres. Der von Selbstzweifeln geplagte Kommissar („Hast du schonmal dran gedacht, alles hinzu schmeißen?“) wirft zwischenzeitlich sogar hin. Aber es nützt alles nichts. Der wilde Affe und gereizte Büffel, so bezeichnet ihn Kollege Ballauf (Klaus J. Behrendt), macht weiter.

„Manchmal, da macht man Sachen, die will man nicht, aber die muss man tun“, wie es Freddys Kontrahent Ralf Trimborn (Armin Rohde) an einer Stelle so wunderbar auf den Punkt bringt. Das gilt für den Kommissar genauso wie für uns Zuschauer. Und auch Behrendt und Bär wirken so, als würden sie gar nicht so recht wollen. Aber sie müssen eben dadurch. Durch einen abermals unterdurchschnittlichen Fall aus der Rhein-Metropole. Es ist an der Zeit, abzutreten.
Wirken mittlerweile so frisch wie Freddys Auto alt ist (Bär, Behrendt, v.l.) ©WDR/Uwe Stratmann

Der wilde Affe ohne Haare und sein Kollege mit der grauen Haarpracht denken aber nicht ans Aufhören, stattdessen ermitteln sie in einem Mordfall an Oliver Mohren, dem Kneipenwirt des „Sax Clubs“. Er war bestens befreundet mit Erik Trimborn (gut wie immer: Ludwig Trepte) und in einer Liaison mit Laura (Alice Dwyer). Die drei waren ein Dreamteam, doch dann kam es, wie es immer kommt: Love is in the air. Oliver spannte Erik Laura aus. Hat der ihn deswegen umgebracht? Jürgen Mohren (Jochen Nickel) glaubt das nicht, genauso wenig wie der vorbestrafte Vater von Erik. Ralf Trimborn hat früher mal einen Türsteher getötet, saß deswegen ein, seine Frau starb unter dubiosen Umständen. Ein Mann, wie geschaffen für diese Tat...

Besser hätte man die Figur des Schwerverbrechers Trimborn wirklich nicht besetzen können. Zwar kann Rohde lange nicht so furios aufspielen wie in seinem Auftritt in Frankfurt im Februar, aber er rettet so einiges. Denn der Fall, der sich zwar liest wie ein ganz ordentlicher Whodunit, ist völlig misslungen. Krimi-Routinier Kaspar Heidelbach hatte die Zügel in der Hand und dachte sich: Wollen wir mal nichts wagen. Herausgekommen sind spannungsbefreite, tempoarme 90 Minuten, deren ideenlose Inszenierung eher an einen Vorabend-Krimi erinnert. Zwischendurch wird’s auch reichlich absurd: NSA-Abhörmaßnahmen, wo man nur hinguckt. Das geht sogar so weit, dass unser gereizter Büffel einmal auf einem Dach hockt – ganz unscheinbar! - mit einem überdimensionalen Abhörgerät. Eine Szene, exemplarisch für diesen Abend: Lächerlich-peinlich. Und wie fast alles an dem Abend - gähnend langweilig.
Die einzigen beiden Höhepunkte: Trimborn senior und junior (Rohde, Trepte, v.l.) ©WDR/Uwe Stratmann

Neben dem überragenden Rohde, der dem Tatort die besten Szenen beschert, überzeugt auch Patrick Abozen als Vorzimmer-Ermittler. Er ist es, der den beiden alten Hasen, die diesmal noch lethargischer als sonst schon durch die Gegend schlurfen, die Show stiehlt im Präsidium. Nein, seine Chefs erwürge er nicht während der Probezeit. Und als er Freddy dann doch einen Kampfsport-Handgriff demonstriert, erwidert er auf dessen Nachfrage, was das sei: „Deo, das nennt man Deo!“
Freddy wirkt derweil fortwährend depressiv und suizidgefährdet. Im letzten Fall wollte er schon fremd gehen, jetzt will er hinschmeißen. Aber wer mag es ihm übel nehmen, schließlich gibt's zum wiederholten Mal keine Wurst zum Abschluss des Falles. 

©WDR/Uwe Stratmann
 „Manchmal, da macht man Sachen, die will man nicht, aber die muss man tun.“ Leider gilt das auch für ihn. Und zusammen mit Ballauf geht er derzeit bereits wieder auf Mörderjagd. Im neuen Fall hat es einen Mord in einer Flüchtlingsunterkunft gegeben. Und dabei steht kein Armin Rohde auf der Besetzungsliste. Wie soll das gut gehen?

Möglichkeiten zu einem würdigen Abgang hätte es genug gegeben.

BEWERTUNG: 4/10
Titel: Tatort: Dicker als Wasser
Erstausstrahlung: 19.04.2015
Genre: Krimi
Regisseur: Kaspar Heidelbach
Darsteller: u.a. Dietmar Bär, Klaus J. Behrendt, Patrick Abozen, Armin Rohde, Ludwig Trepte, Alice Dwyer

1 Kommentar: