Dienstag, 14. April 2015

Ein Zauberer ist auch nur ein Mensch - "Houdini" jetzt im Handel!




©Studiocanal


Wer kennt ihn nicht? Harry Houdini, der größte Zauberer und Entfesselungskünstler, der jemals gelebt hat. Eine schillernde Persönlichkeit mit einem bewegten Leben, das sich geradezu anbietet, verfilmt zu werden. Umso passender, dass sich der History Channel daran wagt und dem Magier in 180 Minuten zu Leibe rückt.

Unter der Regie des deutschen Regisseurs Uli Edel darf Charakterdarsteller Adrien Brody in die Hauptrolle schlüpfen. Beide haben in der jüngeren Vergangenheit eher durch seichte bis schlechte Filmproduktionen von sich reden gemacht. Zeit für einen neuen Hit, denn die Karriere muss angekurbelt werden. Dementsprechend ist Brody mit Feuereifer bei der Sache. Sein Houdini wirkt auf den Zuschauer brillant und gleichzeitig durchtrieben, was im Kontrast zu seinem innigen Verhältnis mit seiner Mutter und seiner Frau steht. Ein Mann der Widersprüche, der das Abenteuer liebte und sich immer größeren Herausforderungen stellte.


„Houdini“ bietet mit seinen drei Stunden Laufzeit jedoch zu wenig Platz um sämtliche Aspekte seines Lebens zu beleuchten. Die Miniserie rast förmlich durch seine Kindheit, wodurch die gebrochene Beziehung zu seinem Vater kaum verinnerlicht wird. Das ist insofern schade, dient sie doch vor allem in Teil eins als Motivator für Houdini immer höher hinaus zu wollen. Für das Publikum jedoch bleibt dieser Aspekt Houdinis ein Mysterium.

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Außerdem biegt sich „Houdini“ die Wirklichkeit ein wenig zurecht. Zwar wird das schon zu Beginn durch Texttafeln erklärt, doch Houdini-Fans sollten die Serie mit Vorsicht genießen. Natürlich steckt Regisseur Edel die Eckpunkte im Schaffen Houdinis ab. Seine zahlreichen Entfesselungen, das Verschwinden des Elefanten, die Showeinlagen mit Zwangsjacke – alles vorhanden. Doch nehmen es sich die Macher heraus, die zeitlichen Abfolgen zu ändern und Dramatik dort aufzubauen, wo eigentlich keine vorhanden war. So dichten sie ihm eine Liaison mit den amerikanischen und britischen Geheimdiensten an, oder vermischen hier und dort Fakten und Fiktion. Für Houdini-Puristen sicherlich fatal, doch für Zuschauer, die einen kleinen Einblick in dessen Leben wollen, in Ordnung. Wie passend, dass sich die Qualität des Zweiteilers vor allem in der finalen Episode steigert, wenn sich Film und Fakten wieder häufiger treffen.

Die Inszenierung von „Houdini“ ist gewöhnungsbedürftig. Uli Edel vertraut auf eine möglichst moderne Machart. Schnelle Schnitte, furiose Kamerafahrten und eingebaute Animationen, die in der Schnellansicht Houdinis Körper oder dessen Tricks durchleuchten, sind keine Seltenheit. Hat sich das Publikum jedoch auf diese Hipster-Inszenierung eingestellt, ist auch das kein Hindernis mehr. Zumal der Erzählfluss im weiteren Verlauf ein angenehmeres Tempo anschlägt. Die Figur Houdini bietet genügend Charisma und Geheimnisse um die gesamte Zeit über zu packen und das Niveau der Miniserie steigert sich zum Ende hin immer weiter. Die Spannung während der Tricks wird von Edel geschickt gesteigert und auch seine persönlichen Kämpfe – z.B. mit den Spiritisten – sind hochinteressant.

So ist „Houdini“ doch ein sehenswerter Einblick in das Leben des Magiers. Auch wenn vieles erfunden und ausgewalzt wurde, geht die Serie ehrlich mit ihren Figuren um. Und Uli Edel sowie Adrien Brody haben endlich wieder ein heißes Eisen im Ofen. Eine Win-Win-Situation für den Zuschauer, als auch für die Produzenten und sonstigen Beteiligten.

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BEWERTUNG: 07/10
Titel: Houdini
FSK: ab 12 freigegeben
Laufzeit: 174 Minuten
Genre: Serie, Drama
Erscheinungsjahr: 2015
Regisseur: Uli Edel
Autor: Nicholas Meyer
Darsteller: Adrien Brody, Kristen Connolly, Evan Jones, Tim Pigott-Smith, Shaun Williamson, David Calder





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