Mittwoch, 15. April 2015

Ein Krieger hat's nicht so mit der Ehre... - "The Dead Lands"




AUF DVD UND BLU-RAY! ©Ascot Elite


Die Maori – geheimnisvolle Ureinwohner Neuseelands, die der Weltbevölkerung so richtig erst durch die „Herr der Ringe“-Verfilmungen bekannt geworden sind. Dort fungierten viele von ihnen als Stuntmen und Uruk-Hai-Darsteller, Regisseur Peter Jackson sprach stets von einer tiefen Verbundenheit für die indigenen Stämme seines Landes. Da verwundert es nicht, dass „The Dead Lands“ als neuseeländischer Oscarbeitrag ausgewählt wurde. Ein Rachethriller im Maori-Milieu nämlich, zeitlich noch vor der Kolonisierung der Briten angesiedelt. 

Für einen Oscar ist der Film dann doch zu generisch. Die Story rankt sich um einen jungen Krieger, dessen Stamm von einem Verräter abgeschlachtet wird. Er schwört grausame Rache und macht sich auf, die Mörder seiner Familie zur Strecke zu bringen. Es zieht ihn in das Todesland, wo eine unheilvolle Kreatur ihr Dasein fristen soll…

Ganz ehrlich, ähnliche Storys gab es schon in hundertfacher Ausgabe. Das Drehbuch lässt so gut wie keine Überraschungen zu und zieht seine Linie konsequent durch. Wer also mehr erwartet, als ein Abenteuer im Maori-Land, wird enttäuscht. Dafür macht „The Dead Lands“ auf der technischen und visuellen Seite vieles richtig. 

Der Zuschauer erhält einen Einblick in die ihm fremde Kultur der Maori-Stämme. Es ist offensichtlich, welch hohen Stellenwert die Krieger dort besaßen und wie sich ihre gesamte Kultur darauf ausrichtete. „Mana“, die Ehre, war das höchste Gut der Maori und so ist es bloß folgerichtig, dass der Film die Kriegerehre zelebriert. Auch wissen die Kämpfe zu beeindrucken. Blutig, hart und furios schlagen sich die Männer die Köpfe ein und Regisseur Toa Fraser setzt sie gekonnt in Szene. Der Kampfstil ist hierbei das größte Plus, denn ähnliche Kampfchoreographien gab es bis dato noch nicht zu sehen. 

©Ascot Elite
Das liegt zum einen an den Maori-Waffen, wie zum Beispiel der Mere. Die kurze Schlagwaffe erinnert in ihrem Aussehen an einen Tennisschläger (nur wesentlich tödlicher) und ermöglicht dem Film blitzschnelle Kämpfe. Zum anderen beeindruckt die Eigenart der Kämpfer, ihre Emotionen auf heftigste Art und Weise zu zeigen. Grimassen werden geschnitten, der Gegner dadurch verunsichert und verhöhnt. Das basiert auf den Kriegstänzen der Maori, den sogenannten Haka, die vor Kämpfen vorgetragen werden. Manchen mag das seltsam oder unfreiwillig komisch erscheinen – doch es trägt zur Faszination des Filmes bei. 

Mag „The Dead Lands“ mit seiner Geschichte nicht die Sterne vom Himmel holen, so mitreißend und ein Stück weit faszinierend präsentiert sich das Geschehen. Regisseur Fraser versucht sogar eine Meta-Ebene durch die Lehrmeister-Figur zu installieren. Das fasziniert für kurze Zeit, auf lange Sicht lenkt es allerdings ab. "The Dead Lands" ist Schlachtplatte, kein Charakterdrama. So schwimmt er im Fahrwasser eines "Apocalypto", hält den Kopf aber glücklicherweise über dem Wasser. Auch wenn er die Klasse seines Vorbilds nicht erreichen kann. Doch inmitten der wunderschönen Landschaft Neuseelands entfaltet der Film seinen ganz eigenen Reiz. Besonders interessant: „The Dead Lands“ wurde komplett in Originalsprache der Maori gedreht. Unbedingt reinhören. 


BEWERTUNG: 07/10
Titel: The Dead Lands
FSK: ab 16 freigegeben
Laufzeit: 103 Minuten
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Rache, Action, Thriller
Regisseur: Toa Fraser
Darsteller: James Rolleston, Lawrence Makoare, Rena Owen, Xavier Horan, George Henare, Calvin Tuteao






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