Donnerstag, 19. März 2015

Ein Zauber voller Kinomagie - "Cinderella"






IM KINO! ©Disney
So ganz scheint „Cinderella“ in das Repertoire der letzten Disney-Verfilmungen nicht zu passen. „Maleficent“, „Frozen“ oder „Rapunzel“ – sie alle verweigern sich der klassischen Märchenaufteilung in armes Prinzesschen und reicher Prinz. Die Frauen in diesen Filmen sind selbstständige und unabhängige Charaktere, die gut und gerne auf einen Mann an ihrer Seite verzichten könnten. Ausgerechnet der Theater-Regisseur Kenneth Branagh inszeniert mit „Cinderella“ einen Disney-Film im klassischsten Sinne. An der Originalstory wird nur hier und da ein wenig herumgeschraubt, doch der Ablauf ist altbekannt. 

Ein unschuldiges Mädchen wird von ihrer Stiefmutter und ihren zwei Töchtern als Dienstmagd missbraucht. Sie räumt ihnen hinterher, macht das Essen, füttert die Tiere und flüchtet sich in Tagträumereien. Bis sie eines Tages im Wald einen Prinzen trifft. Fortan ändert sich ihr Leben.
Natürlich könnte man jetzt über den Sinn der Liebe auf den ersten Blick sprechen, oder die Naivität Cinderellas in Frage stellen. Wieso beispielsweise den kleinen Mädchen heute noch solch altmodische Bilder und Werte im Film vermittelt werden. Doch die intelligente Inszenierung Kenneth Branaghs erstickt solche Argumente im Keim. Cinderellas Gutherzigkeit liegt begründet in ihrer Kindheit, die von ihm einfühlsam dargestellt wird. Der Zuschauer sieht in ihr einen echten Charakter und kein bloßes Abziehbild einer Disney-Prinzessin. Selbst die Beziehung zwischen ihr und dem Prinzen befindet sich zwar relativ flott auf einem Höhepunkt, doch die Gefühle der Beiden wirken greifbar und echt. Zum Teufel mit der gewissen Naivität, die in „Cinderella“ schlummert. Auf der Leinwand funktioniert es und das ist, was zählt. Hauptdarstellerin Lily James besitzt zwar eine beunruhigend dünne Taille, doch verkörpert sie die Unschuld in Person perfekt. 

©Disney

Branagh hat jeden Part seines Filmes durchdacht. Von den Darstellern, über die Sets bis hin zu den Komparsen. Im Hintergrund tummeln sich Menschen verschiedenster Ethnien. Afrikaner, Europäer, Muslime und Asiaten – sie alle sind zu finden. In der Welt von „Cinderella“ ist kein Platz für Rassismus und Intoleranz, was dadurch noch einmal verdeutlicht wird. 

Besondere Aufmerksamkeit darf den Sets und Kostümen geschenkt werden, die über jeden Zweifel erhaben sind. Selbstverständlich badet der Film im Kitsch, wieso sollte sich das nicht auch auf sein Aussehen beschränken? Der Ballsaal ist atemberaubend in Szene gesetzt und die Kleider eine Pracht. Sobald Cinderella von der guten Fee in ein lebendes Swarovski-Steinchen verwandelt und ein Kürbis zu einer goldenen Kutsche verzaubert wird, betritt das Publikum eine Welt, in der alles möglich erscheint. 

„Cinderella“ ist im besten Sinne klassisches Disney, das zeigt, dass nicht jeder Stoff eine völlige Überarbeitung benötigt. Es reicht, hinter der Kamera Menschen Platz nehmen zu lassen, die wissen, was sie tun. So, wie in diesem Fall mit Regisseur Kenneth Branagh und den Autoren Chris Weitz und Aline BroshMcKenna. Sei mutig und sei freundlich, ein Motto, das gerne von den Kindern in der heutigen Zeit aufgenommen werden darf. 


BEWERTUNG: 07/10
Titel: Cinderella
FSK: ab 0 freigegeben
Laufzeit: 105 Minuten
Genre: Märchen, Fantasy
Erscheinungsjahr: 2015
Autoren: Chris Weitz, Aline BroshMcKenna
Regisseur: Kenneth Branagh
Darsteller: Lily James, Richard Madden, Cate Blanchett, Helena Bonham Carter, Hayley Atwell, Stellan Skarsgard, Ben Chaplin, Derek Jacobi








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