Mittwoch, 18. Februar 2015

Klein aber fein: Winter-Western "The Timber"

© WVG Medien GmbH
Ich habe es satt. Immer wenn ich im Elektromarkt meines Vertrauens vor dem Film-Regal stehe, dann lächeln sie mich an: Die Blockbuster dieser Welt. Ja, schön und gut mögen sie ja sein, die Nolans, die Tarantinos, die Stallones dieser Welt.
Aber was ist mit den anderen tollen Filmen? Mit den Filmen aus der zweiten Reihe? Mit diesen kleinen, aber feinen Streifen, die die Großzahl der Käufer nie zu Gesicht bekommt? Diese findet man erst gar nicht oder nur per Zufall. Das ist schade, nein, das ist wirklich, sorry, zum Kotzen. Es gibt so viele schöne Filme, so viele wunderbare Streifen, für die eben nicht mit Millionen von Euros geworben wird und die eben auch mit keinem großen Budget ausgestattet wurden – und die man trotzdem einfach mal gesehen haben sollte. 

Ob man „The Timber“ von Anthony O'Brien nun unbedingt gesehen haben muss, sei mal so dahin gestellt. Aber der knapp 90-minütige Western – bei über Minus 30 Grad im tiefsten Winter Rumäniens gedreht – gehört auch zu dieser Reihe von diesen Filmen, die sich anfühlen wie ein Gang ins Lieblings-Stammlokal am Wochenende: Es ist zwar längst nicht alles Gold, was glänzt, aber man kommt trotzdem voll auf seine Kosten. „The Timber“ ist eben einer dieser kleinen, aber feinen Streifen.
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Wir schreiben das Jahr 1898 und befinden uns im Yukon-Gebiet. Kurz nach dem großen Goldrausch herrscht in der dortigen Bank Frust und die Klarheit: Das neue Gold heißt Öl. Und neues Land, neue Grundstücke müssen dafür her. Eines dieser Grundstücke ist das Grundstück der Seagraves. Dort wohnt Samuel (Josh Peck) zusammen mit Sohn, Frau (Elisa Lasowski) und Mutter (Maria Doyle Kennedy, bekannt u.a. aus Orphan Black). Auch Sams Bruder Wyatt (James Ransone) lebt hier. Aufgewachsen sind die beiden Seagrave-Brüder ohne Vater. Der hört auf den Namen Jebediah (William Gaunt) und ist ein gefürchteter Bandit a.D. Als die beiden Brüder groß wurden, verbreitete er Angst und Schrecken – seitdem ist er verschollen und einer der meistgesuchten Ganoven. Die örtliche Bank kommt daher auf die Idee: Lasset die Jagd auf Jebediah beginnen – und Samuel und Wyatt sollen ihn finden. Mit dem Kopfgeld sollen sie ihre Schulden begleichen, ansonsten krallt sich die Bank das Grundstück der Seagraves. Eine missliche Lage, aber letztlich entschließen sich die Brüder dazu, ihren Vater, der in Timber – einer mysteriösen Berg-Region – haust, aufzuspüren... 

Es existiert kein Gesetz in Timber


Man kann sich schon beinahe erahnen, wie die Geschichte der Seagraves weitergeht. O'Brien lässt seine beiden Hauptprotagonisten Höllenqualen erleiden. Auf dem Weg nach Timber stolpern sie von einem Hindernis ins nächste. Seien es Räuber im Wald oder Kannibalen: Mit ihnen tauschen möchte man nicht. Da ihre Pferde schnell dahin scheiden, müssen sie sich fortan zu Fuß durch meterhohen Schnee kämpfen. Es ist ein Lauf auf Leben und Tod, den O'Brien faszinierend in Szene setzt. Stets den Blick auf die beiden Brüder gerichtet, wird es von Mal zu Mal immer schlimmer. In einem mysteriösen Camp treffen sie auf religiöse Fanatiker, ein Gesetz, das merkt man schnell, existiert nirgendwo. Im Gegensatz dazu versucht die Bank, Sams Frau und Mutter gewaltsam aus dem Haus zu vertreiben. 
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Es ist eine bitterböse Welt, die der Film zeichnet. Zum Einen die hart rackernden, leidenden Brüder auf dem Weg, sich für ihre Familie notfalls auch zu opfern; auf der anderen Seite die unschuldige Frau mit dem kleinen Säugling, der in alles reingezogen wird. Irgendwann muss selbst sie zur Waffe greifen. Auch der Dorf-Sherriff kapituliert mittlerweile: „Mein Einfluss im Dorf ist nicht mehr der von früher.“ Eine schöne konstrastreiche Darstellung: Hier die Brüder im Schnee, dort die Frau daheim – sicher ist niemand, schön ist es in dieser Welt ganz und gar nicht.

Ich dachte immer, das Gold würde die Menschen verderben. Aber jetzt glaube ich: Sie sind von Anfang an verdorben.“


Ohne große Mittel schafft O'Brien ein schnörkelloses Western-Szenario, das schnell in seinen Bann zieht. Leider streut er manchmal verwirrende Rückblenden ein, die es so nicht gebraucht hätte. Auch der Soundtrack wirkt an manchen Stellen eher unpassend und wenig akzentuiert. Aber das macht nicht viel aus: Ein tolles Setting mit vielem Schnee, Explosionen, rauchende Colts. Irgendwann treffen die Brüder dann – so viel sei vorweg genommen – auch auf ihren Vater. Mitreißend zelebriert O'Brien das Wiedersehen, es gefriert in den Adern. Es ist ein wahrer Showdown, wie er im Buche steht. Man möchte wieder rein in die normale Welt, raus aus der verrucht-verfluchten Western-Welt. Und das ist ein sehr gutes Zeichen für einen solchen Film.
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Geht mehr in gute Filme

Das Traurige: Sehen werden solche kleinen, feinen Streifen nur die wenigsten, stattdessen pilgern sie wieder weiter fröhlich in Filme wie „Shades Of Grey“. Ein Premierenwochenende mit vollen Kinosälen haben wir hinter uns. Das Warum muss man nicht verstehen. Die von mir sehr geschätzte Band Kapelle Petra hat als Motto „Geht mehr auf Konzerte“; in diesem Sinne kann man den Leuten nur zu rufen: Guckt mehr Filme abseits des Mainstreams. Es ist ein Ruf, der nicht viel bringen wird. Leider. Ja, ich habe es wirklich satt.
 
BEWERTUNG: 7,0/10
Titel: The Timber
Erscheinungsjahr: 2014, auf DVD & BluRay ab 27.02.2015 erhältlich
Genre: Western
Regisseur: Anthony O'Brien
Darsteller: u.a. Josh Peck, James Ransone, Elisa Lasowski, William Gaunt

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