Mittwoch, 25. Februar 2015

Gut und Böse dicht an dicht - "A Most Wanted Man"!





                        AB 27. FEBRUAR AUF DVD UND BLU-RAY!                     ©Senator
Hamburg ist dreckig, kalt und zurückweisend in „A Most Wanted Man“. Nichts wirkt einladend, oder gleicht einem sicheren Hafen. Abfall, Graffiti an den Wänden und baufällige Häuser säumen die Straßen. Selbst die nobleren Gegenden strahlen Unfreundlichkeit aus. 

Regisseur Anton Corbijn lässt in diesem Rahmen seinen neuesten Film spielen, der tief in das Handeln der Geheimdienste einsteigt und dem Zuschauer höchste Konzentration abfordert. Der Film beruht auf dem gleichnamigen Roman von Bestsellerautor John Le Carre und wer seine Bücher – oder die Verfilmungen – kennt, weiß, dass sich Le Carre auf stilvolle und vor allem authentische Darstellungen versteht. Hier wird nicht versucht, künstlich Spannung zu erzeugen. Es gibt keine Explosionen, keine Haudrauf-Action und wenn einmal eine Verfolgungsjagd beginnt, wird sie von einem untrainierten Philip Seymour Hoffman durchgeführt, der so gar nichts von einem Actionhelden hat. 

Was allerdings perfekt zum Film passt, denn Helden sucht man nämlich vergebens. „A Most Wanted Man“ lässt die Geheimdienste der Deutschen und Amerikaner aufeinandertreffen. Mal wird kooperiert, nur um wenig später sein eigenes Süppchen zu kochen. Selbst in den eigenen Lagern wird gerangelt, jeder ist sich selbst der Nächste. „A Most Wanted Man“ wirkt in dieser Hinsicht äußerst realistisch, gerade wenn es um die Zusammenarbeit zweier Nationen geht. 

Die eigentliche Geschichte spiegelt perfekt die heutige Situation wieder, in der sich unsere Gesellschaft befindet. Jeder Araber ist verdächtig, jeder Turbanträger ein möglicher Terrorist. Wie soll ein Geheimdienst in solchen Zeiten verfahren? Was ist angemessen und was nicht? Oftmals wirkt der Film wie ein Zeitdokument, das die Verbindung Mensch/Terrorist und Asylant/Mensch auf den Punkt bringt. 

Da verwundert es nicht, dass die britisch-deutsche Produktion jede Menge Stars angezogen hat. Philip Seymour Hoffman in seiner letzten Hauptrolle, Rachel McAdams ungewohnt ernst, Willem Dafoe, Robin Wright („House of Cards“) und sogar Daniel Brühl sind zu sehen. Herbert Grönemeyer, ein Freund des Regisseurs, steuert diesmal nicht nur den Soundtrack bei, sondern darf auch gleich in einer kleinen Rolle glänzen. Witziges Detail: Im Original sprechen alle Personen Englisch mit deutschem Akzent. Das klingt gewöhnungsbedürftig, hat aber einen gewissen Charme. 

Nach dem fantastischen „The American“ mit George Clooney gelingt Anton Corbijn ein weiterer unterkühlter Thriller, der seine Spannung allein aus seinen Figuren zieht. Wer einen gängigen Thriller erwartet, wird enttäuscht, denn dafür ist „A Most Wanted Man“ einfach zu langsam. Das ist allerdings auch Teil seiner Faszination, die den Zuschauer für sich einnimmt. Man muss sich nur darauf einlassen. 

©Senator
BEWERTUNG: 7,5/10
Titel: A Most Wanted Man
FSK: ab 12 freigegeben 
Laufzeit: 122 Minuten
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Thriller
Regisseur: Anton Corbijn
Darsteller: Philip Seymour Hoffman, Willem Dafoe, Rachel McAdams, Robin Wright, Daniel Brühl, Grigori Dobrigin, Kostja Ullman, Herbert Grönemeyer, Nina Hoss








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