Dienstag, 27. Januar 2015

Vom Batman zum Birdman in zwanzig Jahren - "Birdman"!






©20th Century Fox
„Birdman“ erobert das Publikum weltweit. 9 Oscarnominierungen, Golden Globes, Preise auf jeglichen bedeutenden Filmfestspielen und nun endlich für den Normalbürger sichtbar. Michael Keaton spielt den in die Jahre gekommenen Schauspielstar Riggan, der in den 90ern durch die Superheldenfigur Birdman weltberühmt wurde. Seitdem hat er nichts mehr geschafft und möchte nun mit einem Theaterstück an alte Tage anknüpfen. Kunst will er erschaffen, etwas Bedeutendes, bloß weg von Hollywood. 

Regisseur und Drehbuchautor Alejandro Gonzalez Inarritu („Babel“) ist schon mit Blick auf die Besetzung ein Sprung auf die Meta-Ebene gelungen. Michael Keaton, der eben mit „Batman“ in den frühen 90ern seinen größten Hit hatte, feiert mit „Birdman“ sein Comeback auf der ganz großen Bühne. Zwar ging es ihm beileibe nicht so schlecht, wie Riggan, doch Parallelen sind erkennbar. Zeitgleich ist Riggans Tour De Force bis zur Premiere des Stückes ein Rundumschlag gegen die aktuelle Situation Hollywoods, dem Franchisewahn und dem fehlenden Mut der Produzenten, noch etwas zu wagen. Ironisch mutet es an, dass ausgerechnet diese seiner beißenden und um sich spuckenden Hollywoodsatire 9 Oscar überreichen wollen. Doch das ist noch längst nicht alles, was „Birdman“ zu bieten hat. 

©20th Century Fox

„Birdman“ reflektiert das Schaffen Riggans, indem das Drehbuch ihm in verzweifelten Selbstgesprächen seine Stärken und Schwächen offenbart. Auch das Stück selbst, das immer wieder geprobt wird, ist ganz auf Riggans Gemütszustand abgestimmt. Eine Reflexion einer Reflexion sozusagen. Zwar ist die Idee dahinter nicht neu - die Coen-Brüder führten John Turturro in "Barton Fink" schon 1991 auf einen ähnlich selbstzerstörerischen Pfad - doch findet Regisseur Inarritu immer wieder Kniffe, um den Zuschauer doch zu beeindrucken oder wenigstens mitfiebern zu lassen. Selbst wenn die eigentliche Geschichte vorhersehbar bleibt.

Gedreht als einzige Plansequenz – das heißt eine Kamerafahrt ohne erkennbare Schnitte – lässt „Birdman“ Kritiker in Freudentaumel geraten. Technisch ist „Birdman“ die Perfektion selbst und glücklicherweise verkommt sie nie zum Selbstzweck. Durch die nie ruhende Kamera ist das Geschehen ständig in Bewegung, hat einen treibenden Rhythmus, der seine Charaktere nie zur Ruhe kommen lässt. Der jazzige, aber passende Soundtrack ist das Sahnehäubchen. Ständig passiert etwas, eine Verschnaufpause gibt es nicht. „Birdman“ seziert das Innerste eines Hollywoodstars, nur um im nächsten Moment in die Arbeit am Theater einzuführen und schlussendlich noch die ewige Auseinandersetzung Kritiker/Künstler zu beleuchten. 

Nebenbei findet der gesamte Cast noch Momente, um zu glänzen. Emma Stone ist im Zusammenspiel mit Edward Norton eine Wucht, doch besonders gefallen Naomi Watts und Zach Galifianakis. Warum Erstere bei den Oscars übergangen wurde, bleibt ein Rätsel. Es ist schwer, Schwächen in diesem Gesamtkunstwerk zu finden. Meisterhaft konstruiert, aussagekräftig, fesselnd und ganz und gar nicht langweilig. „Birdman“ steckt voller Liebe zum Film bzw. Theater, was sich automatisch auf den Zuschauer überträgt. Doch um jeden Aspekt des Films aufzunehmen, ist eine  Zweitsichtung notwendig. Viele Gedankengänge kann der Film in seiner Gesamtlaufzeit von 119 Minuten nur anreißen. Ist aber völlig in Ordnung. 

Michael Keaton war Batman. Jetzt ist er Birdman. Genau wie seine Figur Riggan dürfte er sich dem „Der war mal Batman“-Spruch für immer entledigt haben. Denn jetzt ist sicher: Das Filmjahr 2015 hat gleich zu Beginn Einiges an Pulver verschossen und ins Schwarze getroffen. 

©20th Century Fox

BEWERTUNG: 8,5/10
Titel: Birdman
FSK: ab 16 freigegeben
Laufzeit: 119 Minuten
Genre: Drama, Thriller, Superhelden
Erscheinungsjahr: 2015
Regisseur: Alejandro Gonzalez Inarritu
Darsteller: Michael Keaton, Emma Stone, Edward Norton, Zach Galifianakis, Andrea Riseborough, Naomi Watts, Amy Ryan



Trailer:




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