Dienstag, 6. Januar 2015

Eine kurze Geschichte über das Leben - "Die Entdeckung der Unendlichkeit"!






IM KINO! ©Universal Pictures
Das Leben ist nicht fair. Etwas, das jeder früher oder später lernen muss. Im Falle des Physikers Stephen Hawking trifft das wohl doppelt zu, denn was nützt ein brillanter Geist, wenn er sich keinem mitteilen kann? „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ bringt Licht in die dunkelsten Stunden im Leben dieser Persönlichkeit. Regisseur James Marsh widmet seiner Hauptfigur viel Zeit um Zwischenmenschliches zu porträtieren, seine Arbeit wird eher am Rande behandelt. Da ist es nur passend, dass als Grundlage für das Drehbuch die Biographie seiner Frau Jane Hawking benutzt wurde. 

So ist der Film eher eine Chronik zweier Menschen, die durch ein trauriges Schicksal miteinander verbunden sind und sich mit ihrer Situation arrangieren müssen. Während Stephen durch seine Krankheit immer mehr verfällt, muss Jane zurückstecken und ihr gesamtes Leben – alle Hoffnungen und Träume – aufgeben bzw. aufschieben. Hier hat „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ großes dramatisches Potential, was er teilweise nutzt. Vor allem in seiner ersten Hälfte beißt sich ein Kloß im Hals des Zuschauers fest und lässt nicht mehr locker. Dann nämlich, wenn Stephen noch im Vollbesitz seiner Kräfte ist, Jane kennenlernt und sein Körper beginnt abzubauen. Das Publikum weiß, was kommen wird. Deshalb ist es umso schmerzhafter zu sehen, wie jegliche Hoffnungen auf ein normales Leben zerstört werden. 

©Universal Pictures

Leider ist „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ formal gesehen äußerst bieder. Eigentlich handelt es sich um ein konventionelles Biopic ohne aufsehenerregende Wege zu gehen. Wären da nicht der geniale Score von Komponist Johann Johannson und das Schauspiel-Ensemble. Hauptdarsteller Eddie Redmayne („Les Miserables“) ist in der Rolle des Stephen Hawking eine Offenbarung. Jede Bewegung sitzt, die Mimik lässt den Zuschauer das Schauspiel vergessen. Redmayne darf sich zurecht Hoffnungen auf einen Oscar machen, denn seine Leistung ist höchst ergreifend. Gerade im Zusammenspiel mit seiner Filmfrau Felicity Jones ergeben sich einige elektrisierende Momente, die den Film über den Genre-Einheitsbrei hinaus manövrieren. 

„Die Entdeckung der Unendlichkeit“ krankt also an seinem formelhaften Aufbau, doch berührt das Schicksal des brillanten Denkers trotzdem. Das Phänomen Hawking ist begreifbar und sein Einfluss auf die Popkultur gleichfalls. Jedenfalls hat der Zuschauer am Ende das Gefühl, diesen Menschen besser kennengelernt zu haben. Eines ist sicher: Hawking ist wohl ein großer Fan der britischen Kultserie „Doctor Who“! Ein aufsehenerregendes Leben, ein aufsehenerregender Mann und ein nicht im selben Maße aufsehenerregender Film. Sehenswert ist „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ aber allemal.

©Universal Pictures
BEWERTUNG: 06/10
Titel: Die Entdeckung der Unendlichkeit
FSK: ab 6 freigegeben
Laufzeit: 124 Minuten
Genre: Drama, Biopic
Erscheinungsjahr: 2013
Regisseur: James Marsh
Darsteller: Eddie Redmayne, Felicity Jones, Adam Godley, Enzo Cilenti, Charlie Cox, David Thewlis, Emily Watson









1 Kommentar:

  1. Als die dann echt mir dem Choralpfaffen anfing rumzumachen, dachte ich mir "oh je". Life imitates art, schätz ich mal. Dennoch wäre etwas weniger Kitsch wünschenswert gewesen.

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