Montag, 26. Januar 2015

Ein Mann der Geheimnisse - "The Imitation Game"!






IM KINO! ©Squarone
Die Oscar-Saison ist eingeleutet. Ein Zeichen dafür sind die hochwertig produzierten Biopics, die seit November/Dezember die Kinos füllen. „Die Entdeckung der Unendlichkeit“, „Selma“ und auch „The Imitation Game“. Sie alle spielen vor historischem Hintergrund, haben einen beeindruckenden Cast und laufen meist nach demselben Schema ab. Inszenatorische Finesse ist selten gegeben, der Aufbau schon hundertmal gesehen. 

Doch muss das nicht heißen, es würde sich bei diesen Filmen um schlechte Vertreter ihrer Art handeln. „The Imitation Game“ widmet sich schließlich Alan Turing, einem der stillen Helden des 2. Weltkrieges, der zu Lebzeiten nie die Anerkennung fand, die er verdiente. Zusammen mit einem Team von Kryptographen gelang es ihm nämlich Enigma zu knacken und gleichzeitig die Vorlage für unsere heutigen Computer zu schaffen. Enigma war damals das Dechiffriergerät der deutschen Armee und galt als vollkommen sicher gegen Entschlüsselungsversuche. Somit beschleunigte Turing den Ausgang des Krieges wesentlich und rettete Millionen das Leben.

Natürlich reicht das nicht allein, um einen dramatischen Film zu drehen. Turings persönliche Geschichte bietet dafür jedoch ausreichend Stoff. Seine Homosexualität in Zeiten, in denen die „warmen Brüder“ noch als Straftäter verfolgt wurden, oder sein exzentrischer Charakter, der ihn für ein Biopic geradezu prädestiniert. Ein Nerd unter Normalos, der ein Doppelleben führt – das zieht immer. 

©SquareOne
Benedict Cumberbatch gibt sich sichtlich Mühe, seine Figur Turing zum Leben zu erwecken. Allerdings ist sein Turing lediglich eine homosexuelle Version seiner soziopathisch veranlagten „Sherlock“-Figur. Dass Turing beileibe nicht so menschenscheu war und auch sonst vieles den Anforderungen des Drehbuchs angepasst wurde, verwundert nicht. Schade nur, dass Regisseur Morten Tyldum, der mit „Headhunters“ noch frischen Wind ins Thrillergenre brachte, in „The Imitation Game“ brav abfilmt. Der restliche Cast, allen voran Mark Strong („Kick Ass“) und Keira Knightley („Fluch der Karibik“), fügt sich nahtlos ein. Hier hört alles auf das Kommando Cumberbatchs, der jeden überstrahlt. Die Oscarnominierung ist dementsprechend obligatorisch.

Leider bleibt der Film stets in konservativem Fahrwasser, um niemanden zu verschrecken. Doch muss man ihm zu Gute halten, dass er nie langweilt und Alan Turing Wiedergutmachung zukommen lässt. Denn was ihm widerfuhr, spiegelt seine großartigen Errungenschaften in keiner Weise wieder. „The Imitation Game“ ist zwar keine allzu große Kunst, doch wenigstens geht sie mit seiner Hauptfigur einigermaßen ehrlich um. Und das ist immerhin schon etwas.  


©SquareOne
BEWERTUNG: 6,5/10
Titel: The Imitation Game
FSK: ab 12 freigegeben
Laufzeit: 114 Minuten
Genre: Biopic, Drama
Erscheinungsjahr: 2014
Regisseur: Morten Tydlum
Darsteller: Benedict Cumberbatch, Keira Knightley, Mark Strong, Matthew Goode, Charles Dance, Allen Leech







Kommentare:

  1. Das ist in der Tat schon etwas, aber natürlich nicht das, was der Film verspricht oder anstreben sollte. Von daher haut die Bewertung so hin, kein schlechter Film, aber bestimmt auch keiner, der lange in Erinnerung bleiben wird, und das wiederum ist für turing halt schon ausgesprochen schade.

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  2. Also ich finde den Film mit 6.5/10 viel zu schlecht bewertet. Natürlich ist der Film nicht so innovativ wie beispielsweise BOYHOOD oder BIRDMAN, aber er erzählt eine spannende Geschichte und ist dank Oscarnominierung für Benedict Cumberbatch in aller Munde. Gerade dessen fantastische schauspielerische Leistung wird dafür sorgen, dass der Fall Alan Turing so schnell nicht vergessen wird.

    Meine Kritik: https://filmkompass.wordpress.com/2015/01/30/the-imitation-game-2014/

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