Montag, 1. Dezember 2014

Das Schrottwichteln ist gerettet: „Einmal Hans mit scharfer Soße“

© NFP/Wüste Medien GmbH/ Boris Laewen
Weihnachten steht vor der Tür und ihr habt absolut keine Ahnung, was ihr wem schenkt?
Für ungeliebte Familienangehörige gibt es seit einigen Tagen auf dem DVD/Blu-Ray-Markt die nahezu perfekte Geschenkidee: Den Culture-Clash-Murks „Einmal Hans mit scharfer Soße“ aus der Feder von Ruth Toma und unter der Regie von Buket Alakus. Die Verfilmung des gleichnamigen autobiografischen Romans der türkischen Autorin Hatice Akyün eignet sich übrigens auch perfekt fürs Schrottwichteln im Freundeskreis; wahlweise empfiehlt sich der Gang zur Mülltonne. Die knapp 1,5 Stunden sind nämlich wahrlich unaushaltbar. Immerhin lernen wir lauter schöne und wichtige Sachen über die türkischen Gewohnheiten. Beispiele gefällig? Gerne.

Beginnen wir mit unserer Hauptperson. Hatice (irgendwie untalentiert: Idil Üner) hat es geschafft. Raus aus ihrem Elternhaus im beschaulichen Salzgitter in der niedersächsischen Provinz, rein in das moderne Großstadtleben nach Hamburg. Dort arbeitet die Mitdreißigerin als Journalistin, ist beruflich auch soweit erfolgreich und gefestigt. Gerne geht sie mit ihrer besten Freundin aus, gerne reißt sie auch mal Männer auf – deutsche Männer. Und nun beginnt das Problem.
Denn ihr Vater (unterfordert: Adnan Maral) möchte, dass sie ausschließlich türkische Männer mit nach Hause bringt. Oder wenigstens welche, die etwas mit der islamischen Tradition am Hut haben. Und das größte Problem des Ganzen: Hatices kleine Schwester Fatma (joar...:Sesede Terziyan) ist nicht nur schwanger, sondern will ganz dringend ihren Liebsten heiraten. Das darf sie nur, wenn Hatice vor ihr einem passenden Mann das Ja-Wort gibt – so will es der Vater. Familienregeln sind Familienregeln. Hatice begibt sich also auf die verzweifelte Suche nach dem richtigen Lover – gar nicht so einfach für die Türkin von Welt...

Der schwule beste Freund muss als Fake-Freund herhalten (in der Mitte: Von Thun, Üner, Terziyan) © NFP/Wüste Medien GmbH/ Boris Laewen
Was lernen wir nicht alle in diesem Film. Hatice ist eine moderne Türkin, die in Deutschland angekommen ist. Respekt vor ihrem Vater hat sie trotzdem, deswegen macht sie sich vor jedem Familienbesuch an einer Bank in der Wildnis nackig. Dort tauscht sie ihren Minirock gegen Kleidung, wie sie es sich für eine richtige Türkin gehört. Warum sie sich nicht vor Fahrtbeginn in der Hamburger Wohnung bereits umzieht? Der (nicht vorhandene) Witz an diesem Running Gag wäre weg. Nächste Frage, die sich auftut: Warum möchte Hatice keinen türkischen Liebhaber? Logisch, die türkischen Herren kratzen sich alle im Schritt und sind durch die Bank Machos. Deswegen hasst sie Türken und will einen deutschen Macker haben. Noch mehr heitere Erkenntnisse: Sperma ist eklig, sagen die Türkinnen. Und wenn man sich im Restaurant beim Date die Rechnung teilt, dann nennt man das Deutsch-Bezahlen. Türkische Männer lassen die Frau nie bezahlen. Wieso? Klar – türkische Männer sind eben romantischer und machen keine Komplimente wie „Schönes Shirt hast du an.“. So viele wichtige Fakten in einem Film. Sensationell!
Lustig ist auch der schwule beste Freund von Hatice (warum er sich für sowas abgibt, weiß wohl nur er selbst: Max von Thun). Unsere Heldin stellt ihn als Fake-Lover vor – und der ist so wie jeder Schwule und macht sich gleich an einen Schwulen in Hatices Verwandtschaft ran. Love is in the air. Aber ja nicht vor der Ehe, da lässt Hatice einen ihrer Zwischendurch-Macker (selbe Frage wie bei von Thun: Steffen Groth) gleich wieder abblitzen. So modern ist sie also doch nicht.

Abgehackte Klischeeparade

Klischees über Klischees, grausam. Und witzig soll das irgendwie auch alles sein, ist es aber nicht. Genauso wie die Ins-Gewissen-Reder, die ständig auftauchen. Eine türkische Gruppe, als winzige Figuren eingeblendet, mit denen Hatice Kontakt aufnimmt. Witz komm raus...
Hier die Türkin von Welt, da die konservative Familie – eigentlich eine nette Idee. Herausgekommen ist aber ein seltsamer Film. Sprunghaft reiht sich eine Szene an die nächste, eine Peinlichkeit an die andere. Wirklich flüssig wirkt die Komödie nie. Könnte an den laienhaften Schauspielern liegen, die allesamt abgehackte Dialoge vortragen müssen. Dazu eine ulkige Besetzung: Filmvater Maral ist im echten Leben gerade mal drei Jahre älter als Üner. Was man nur unschwer merkt, da hilft auch Marals Fake-Bart nichts. 

© NFP/Wüste Medien GmbH
Am Ende darf es dann noch krachen in der türkischen Familie und zwischendurch wird auch noch türkisch gesungen. Vom Hocker reißt das einen dann aber auch nicht mehr.
Kurzum: „Einmal Hans mit scharfer Soße“ bewirbt sich für den Titel des perfekten Schrottwichtel-Geschenks. Und das ist doch auch schon was.


BEWERTUNG: 1,5/10
Titel: Einmal Hans mit scharfer Soße
FSK: ab 12
Erscheinungsjahr: 2014
Genre: Komödie
Regisseur: Buket Alakus
Darsteller: u.a. Idil Üner, Adnan Maral, Max von Thun, Steffen Groth, Janek Rieke

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