Donnerstag, 20. November 2014

Im Kampf mit sich selbst - Jürgen Vogel in "Stereo"!

©Wild Bunch

Versucht man einen Durchschnittskinogänger dazu zu bewegen, einen deutschen Film im Kino zu sehen, erhält man oftmals eine Absage. Zu schlecht sei der deutsche Film, nur Schweiger/Schweighöfer-Komödien wären erfolgreich. Deutsches Genre-Kino im speziellen ist schon lange tot, hört man allerorten. Deshalb ist es umso schöner, wenn große Darsteller wie Jürgen Vogel und Moritz Bleibtreu regelmäßig das Gegenteil beweisen. Gerne fördern Beide mutiges, interessantes Kino in deutschen Landen, was viele Menschen nicht zu kennen scheinen. Ein weiterer Versuch dieser Sparte stellt „Stereo“ dar. 

Regisseur Maximilian Erlenwein versucht mit seinem Thriller eine abgründige Stimmung zu generieren, die Jürgen Vogel als Eric Keppler in einen Strudel der Gewalt reißt. Der hat sich auf dem Land mit seiner Freundin und Tochter ein schönes Leben aufgebaut. Eines Tages nimmt allerdings ein Gangster mit ihm Kontakt auf und erinnert ihn an eine Vergangenheit, die Keppler weit von sich weist. Hinzu kommt noch ein Mann, der ihn ständig zu verfolgen scheint. Es bildet sich langsam ein Spiel um Lug und Trug, das niemanden unversehrt zurücklassen wird.

Formal ist „Stereo“ über jeden Zweifel erhaben. Die Kameraarbeit fängt die innere Zerrissenheit seiner Hauptfigur gekonnt ein. Der Thriller ist durchweg düster, lässt seine Figur immer tiefer ins Dunkel gleiten und kein Licht am Ende des Tunnels erblicken. Leider hat das Publikum Ähnliches schon oft gesehen. So mutet der Film wie eine krude Mischung aus „A History Of Violence“ und „Fight Club“ an, ohne jemals seine Finesse zu erreichen.  Darstellerisch bewegt sich „Stereo“ trotzdem auf sehr hohem Niveau, da die Chemie zwischen Jürgen Vogel und Moritz Bleibtreu stimmt und sogar die Kinddarstellerin Helena Schönfelder überzeugt. Besonders einnehmend ist Georg Friedrich als psychopathischer Gangsterboss. Er ist auch der Grund, warum „Stereo“ im furiosen Finale doch noch das Ruder herumreißt. Hier spielt Regisseur Erlenwein mit allen Mitteln und es gelingt. Das ziemlich wackelige Gerüst wird nicht umgeworfen, sondern fügt sich doch noch in ein Großes Ganzes. Leider aber versackt der Film im Vorfeld mehr als einmal in unfreiwilliger Komik. Regisseur Erlenwein legt in jeder Sekunde eine erdrückende Ernsthaftigkeit an den Tag, die in ihrer übertriebenen Zurschaustellung der harten Typen ein Lächeln beim Zuschauer hervorruft. 

„Stereo“ hat im Verlauf seine Schwächen, sicherlich. Der psychologische Unterbau seiner Hauptfigur ist kaum überraschend und das zerrt ein wenig am Spannungsgrad. Doch zwischen viel nackter Haut, blutigem Showdown und einem hervorragenden Jürgen Vogel versteckt sich ein gelungener Film. Er lugt zwar nur hin und wieder unter dem Macho-Gehabe seiner Figuren und konstruierten Twists hindurch, aber er ist da. Auf weitere Filme von Maximilian Erlenwein darf man also gespannt sein. 

©Wild Bunch
BEWERTUNG: 06/10
Titel: Stereo
FSK: ab 16 freigegeben
Laufzeit: 95 Minuten
Erscheinungsjahr: 2014
Genre: Thriller
Regisseur: Maximilian Erlenwein
Darsteller: Jürgen Vogel, Moritz Bleibtreu, Helena Schönfelder, Georg Friedrich







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