Freitag, 28. November 2014

Fertig machen zum Fightclubben: Für "Kill The Boss 2" benötigt man Lachgas

©Warner Bros.
Jedes Mal, wenn im Kino eine Komödie auf der Leinwand flimmert, frage ich mich die selbe Frage: Habe ich keinen Humor, sind die Leute um mich herum alle betrunken und lachen deswegen an Szenen, die kaum lustig sind – und bin ich eigentlich in der Truman Show? Schließlich war es beim scheußlichen „Ziemlich beste Freunde“ vor ein paar Jahren genauso. Ein Hitlerwitz, hihi, wie lustig – damals hätte ich den Kinosaal jedoch gerne direkt verlassen. Ganz so schlimm ist „Kill the Boss“ glücklicherweise beileibe nicht, doch die Szenen, bei denen in münsterländischen Kinos gerne laut losgeprustet wird, sind ähnlich wie der angesprochene Hitlerwitz: Billig, ausgelutscht und nur ansatzweise lustig. Immerhin gibt’s einen brandheißen Anwärter für das Jugendwort des kommenden Jahres: Fightclubben.

Worum geht’s in der Fortsetzung? Wieder um Dale (nervig: Charlie Day), Kurt (Jason Sudeikis) und Nick (blass: Jason Bateman). Die drei haben es nach den Eskapaden des ersten Teils satt, dauernd von ihren Chefs fertig gemacht zu werden und beschließen, sich selbstständig zu machen. Eine gute Idee? Na ja, es geht so. Sie geraten nämlich an einen boshaften Investor (hatte schon viel, viel bessere Rollen: Christoph Waltz) und seinen Sohn (Chris Pine). Waltz will die drei aufs Kreuz legen, die wollen sich rächen – und dabei spielt sein Sohn eine große Rolle...
Christoph Waltz (l.) und Chris Pine (r.) blicken noch froh drein. ©Warner Bros.

Bereits im ersten Teil war es so: Die besten Szenen hat der Film nicht auf der „Helden“-Seite, sondern auf der gegnerischen. Die Szenen mit Waltz sind noch mit die besten in einem ansonsten etwas verkorksten und einfallslosen Streifen, bei dem auch die einst so schöne Grundidee nicht mehr so recht zünden will. Viele Vorgänge des ersten Teils wiederholen sich, das Muster des Filmes ist auch ähnlich – überraschend ist kaum etwas. Listen and repeat eben, wie man das so kennt aus Fortsetzungen des Geldes wegen. Wieder verhalten sich unsere drei Männer dumm wie Brot, und die Gegenseite ist ihrerseits fies wie Putin.  Gäähn.
Ein paar Glanzpunkte kann auch in der Fortsetzung immerhin Kevin Spacey setzen, der hier als mittlerweile inhaftierter Ex-Chef von Nick für einige heitere Momente sorgt. Auch Jennifer Aniston hat als sexsüchtige Zahnärztin wieder ein paar Gastauftritte und sieht abermals zum Anbeißen aus. Roar. Das Witze-Niveau ist indessen eher nicht zum Anbeißen und bereits auf Hangover-Niveau angekommen. 

©Warner Bros.
Gleich zu Beginn macht Regisseur Sean Anders (u.a. Autor bei Wir sind die Millers) deutlich, auf was sich der Zuschauer in den folgenden Minuten gefasst machen darf: Humor jenseits von Gut und Böse. Die dummen Drei präsentieren in einer Fernsehsendung ihr Produkt, den Shower-Buddy. Eine Dusche, um es wirklich ganz kurz zu erklären. Das Wasser will nicht laufen, also muss selbst an der Pumpe Hand angelegt werden – der Mordsgag, ihr werdet es schon ahnen: Das sieht so aus, als würde Dale Kurt gerade einen herunterholen. Ui ui ui. Und in diesem Witze- und Sprüche-Segment vergreift sicht Anders fortan. Wie witzig das ist, kann man sich ja denken. 
Das wird es nur an einigen wenigen Momenten, wenn zum Beispiel Pine als Investoren-Sohn gekidnappt werden soll und die drei Protagonisten ihren Plan in die Tat umsetzen möchten. Wie die drei Dussköpfe das anstellen, ist dann irgendwie doch liebenswert-komisch. Und auch Motherfuckah Joe (wieder wunderbar: Jamie Foxx) ist wieder mit an Bord, der sich – soviel sei verraten – gegen Ende sogar einen Traum erfüllt.  Da freut man sich regelrecht mit ihm und wünscht sich, dass er in dem Film die Hauptrolle gespielt hätte. Hat er aber leider nicht. Stattdessen halt Dale, Kurt und Nick. Besonders der Erstgenannte muss zu jeder Sekunde beweisen, dass er echt nicht der Hellste ist – und ein Schweigegelübde würde nicht nur ihm alleine mal gut tun.

Sei´s drum: Ein Film für die Generation Hangover bleibt übrig, der unnötig ist wie Weihnachten, der den ersten Teil komplett zu kopieren versucht und dessen Humor endgültig in der Vergessenheitsstufe angekommen ist. Foxx, Waltz, Aniston und Spacey halten ihn dennoch im Mittelmaß. Und zur Aufklärung: Fightclubben ist das, was andere Leute auch „sich selbst absichtlich verletzen“ nennen. Läuft bei denen, die das nötig haben. Zuschauer von "Kill the Boss 2" sind kurz davor.

©Warner Bros.

BEWERTUNG: 05/10
Titel: Kill the Boss 2 (engl. Horrible Bosses 2)
FSK: ab 12
Erscheinungsjahr: 2014
Genre: Komödie
Regisseur: Sean Anders
Darsteller: u.a. Jason Bateman, Jason Sudeikis, Charlie Day, Christoph Waltz, Chris Pine, Kevin Spacey, Jennifer Aniston, Jamie Foxx

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