Montag, 10. November 2014

Ein Team, das keines ist – „Polizeiruf 110: Eine mörderische Idee“ aus Magdeburg

Für die Fußballfans sind es RB Leipzig oder der FC Bayern, für heranwachsende (männliche) Jugendliche sind es Justin Bieber oder One Direction: Zu bestimmten Dingen im Leben findet man einfach überhaupt keinen Zugang. Für mich gibt es seit Sonntagabend eine weitere Sache auf meiner persönlichen „NoGo“-Liste: Das Polizeiruf-Team aus Magdeburg.
Sylvester Groth (u.a. bekannt als Goebbels in Inglourious Basterds) und Claudia Michelsen (z.B. Flemming oder Kanzleramt) mimen die Kommissare Drexler und Brasch, die weiteren festen Rollen sind mit Felix Vörtler und Steve Windolf ebenfalls durch prominente Fernsehgesichter besetzt. Eigentlich müsste also alles gut sein. Doch nach dem dritten, abermals eher unspektakulären Fall „Eine mörderische Idee“ wird man den Eindruck nicht los, dass die Magdeburger noch eine lange Zeit brauchen werden, um endgültig beim Publikum anzukommen.

Vörtler, Michelsen und Groth als Ermittler in Magdeburg: Sie werden noch einige Zeit brauchen... ©MDR/Frédéríc Batier
 Eine Computer-Stimme droht mit der Sprengung von Fillialen einer Supermarkt-Kette, die komplette Polizei der Sachsen-Anhaltinischen Hauptstadt befindet sich in Aufruhr. Alle sind im Einsatz, um die Fillialen abzruiegeln und vor Schlimmerem zu bewahren – schließlich hatte der Anrufer seine Drohung wohl ernst gemeint. Ein erster Laden wurde schon Opfer einer Explosion. Am anderen Ende der Stadt versucht derweil ein Wachmann am Hafen vergeblich, die Polizei zu erreichen. Sein Notruf geht aber ins Leere, am nächsten Morgen ist er tot – und die Stimmung am Hafen wird noch schlechter, denn aus einem Container wurden 12.000 teure Smartphones gestohlen. Die Fälle hängen natürlich zusammen und die Spuren führen in den Serverraum der Universität und zu einem Spediteur...

Erkenntnis des Abends: Informatik-Studenten zocken Ballerspiele

Wie stellen wir uns die Informatik-Räume einer modernen deutschen Universität vor? Die Drehbuch-Verfasser Stephan Brüggenthies, Olaf Kaiser und Stephan Rick (der auch Regie führte und 2011 u.a. für den famosen Streifen „Unter Nachbarn“ verantwortlich war) haben eine Lösung parat: Junge Informatik-Studenten hocken dort vorm Computer und zocken Ballerspiele – ja, so wird es wohl überall sein. Töchter von Politikern sind blond und blöd, ihre Väter arrogant und unsympathisch. So einfach ist die Welt.
Mit Tonio Arango als aalglatten Computer-Proffessor und Oliver Korittke als bemitleidenswerten Spediteur, der auf die schiefe Bahn gerät, sind zwar auch die Nebenrollen in diesem Krimi gut besetzt, aber das bringt nicht viel. Denn dem Fall fehlt es an Spannung, und dass man aus dem natürlich tagelichtlosen, hermetisch abgeriegelten Serverraum einer Universität Überwachungskameras ausschaltet - na ja, so einfach ist halt auch diese Kriminalfilm-Welt. Schnell weiß der Zuschauer die Zusammenhänge, man kann anhand der Figurenkonstellationen leicht erraten, wer was getan hat. Zum Nebenbei-Bügeln sind die 90 Minuten geeignet – kein Vergleich zumBeispiel mit der vergangenen Woche und schon gar kein gutes Zeichen für einen Polizeiruf.

Wolle Drogen kaufen, Herr Kommissar? ©MDR/Frédéríc Batier


Normalerweise würde an dieser Stelle aber das Team den Fall vor der Spannungsarmut befreien. Doch in Magdeburg gibt es nur auf dem Papier ein Team, in Wahrheit haben wir es mit zwei Kommissaren zutun, die jeder für sich den eigenen Brei kochen. Drexler ist Paragrafenreiter durch und durch und seine Kollegin das genaue Gegenteil. Sie braust mit ihrem Motorrad durch die Gegend und ist supercool. Der kühle und kurz angebundene, die sympathische und hippe – was in Frankfurt bei Nina Kunzendorf und Joachim Krol (leider nur für kurze Zeit) beim Tatort gut klappte, funktioniert in Magdeburg nur bedingt. Brasch´ Sohn durfte im ersten Fall wegen seinem Neonazi-Dasein ins Kittchen wandern, Drexlers Tochter wurde im zweiten Fall von ihrem Freund verlassen. Zwei Eltern mit Problemen, die im Berufsleben aber irgendwie keine Chemie entwickeln. Und das merkt man auch beim Zuschauen: Die beiden Darsteller können zwar noch so viel tun, aber wenn ihre Figuren sich mit dem berühmten Arsch nicht einmal angucken – dann heißt das nichts Gutes und macht es einfach keinen Spaß. Hier stimmt einfach gar nichts und man wünscht sich in jeder Sekunde, dass die beiden jetzt endlich mal zusammen eine Currywurst Essen gehen wie die Kölner Kollegen.


Vielleicht findet man dann auch endlich mal einen Zugang zu den beiden. Bislang kommen die beiden Magdeburger jedenfalls nicht auf dem heimischen Sofa an. Große Namen hin oder her.



BEWERTUNG: 05/10
Titel: Polizeiruf 110: Eine mörderische Idee
Erstausstrahlung: 09.11.2014
Genre: Krimi
Regisseur: Stephan Rick
Darsteller: Sylvester Groth, Claudia Michelsen, Felix Vörtler, Steve Windolf, Oliver Korittke, Tonio Arango

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