Dienstag, 4. November 2014

Die Unschuld stirbt zuerst - "Feuerwerk am helllichten Tage"!

©Weltkino
Der Schnee fällt leise auf spärlich beleuchtete Straßen. Kein Wind ist zu hören, nur das ferne Rauschen des Verkehrs. Bedächtig läuft die junge Zhizhen durch verlassene Gassen, fernab der überfüllten Pulsadern der Stadt. Keine Menschenseele um sie herum und doch zieht sie eine blutige Schneise der Verwüstung hinter sich her. Männer sterben, wo immer sie geht. Sie weiß es und hat längst aufgegeben. Sie wehrt sich nicht mehr, lässt es geschehen, ist apathisch. Rot, dass die weiße Unschuld des Schnees überdeckt. Eine Gesellschaft, die trostloser nicht sein könnte. Ein Land, das innerlich kollabiert. 

„Feuerwerk am helllichten Tage“, der Überraschungssieger der diesjährigen Berlinale, könnte kaum eine bessere Ausgangslage bieten. Eingebettet in wunderschöne Impressionen eines tristen Chinas, das seine besten Zeiten längst hinter sich hat, entfaltet sich eine sanfte „Film Noir“-Hommage. Der Held der Geschichte, Polizist Zili, ist keiner. Genauer gesagt besitzt niemand eine weiße Weste, denn jede Figur ist auf seine eigene Art verkommen und verkümmert. Was sie einmal menschlich gemacht hat, ist abgestumpft, begraben unter einer Traurigkeit aufgrund der Dinge, die nie wieder sein werden. Regisseur Yi’nan Diao verpackt seine Gesellschaftskritik in eine Kriminalgeschichte, die über Jahre hinweg seine Kreise zieht und jeden ins Verderben zieht. Zwischen düsterer Bildästhetik und herrlicher Selbstironie pendelt der Film hin und her und weiß eine Zeit lang zu unterhalten. Allerdings kommt der Erzählfluss ins Stocken und „Feuerwerk am helllichten Tage“ hat Probleme aus seinem Trott wieder heraus zu treten. Hinzu kommen Sprünge in der Geschichte, die es dem Publikum nicht leicht (aber auch nicht unmöglich!) machen, dem Verlauf zu folgen. 

©Weltkino
So ganz weiß Diao auch nicht, in welche Richtung sein Film nun gehen soll. Auf der einen Seite sind gesellschaftskritische Ansätze kaum von der Hand zu weißen. Allerdings werden sie kaum ausgebaut und verleihen „Feuerwerk am helllichten Tage“ in ihrer mediokren Ausführung nur geringe Durchschlagskraft. Auf der anderen Seite verortet sich der Film immer weiter im Bereich des Krimis. Hier kann er durchaus Akzente setzen und der eine oder andere Spannungsmoment ist überaus gelungen. Zusammengenommen ergibt sich aber leider kein harmonisches Ganzes, woran auch die hervorragenden Darsteller nichts ändern können. 

Insgesamt schafft es „Feuerwerk am helllichten Tage“ nicht, die Lobpreisungen auf der Berlinale zu rechtfertigen. Sicherlich ist er wunderbar gefilmt, tränkt seine gequälten Charaktere in neongelbes Licht, doch weiß die Geschichte nicht im selben Maße zu überzeugen. Ein Auf und Ab, das gegen Ende zerfasert. Wirklich schade. 


©Weltkino
 BEWERTUNG: 06/10
Titel: Feuerwerk am helllichten Tage
Laufzeit: 109 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Erscheinungsjahr: 2014
Genre: Krimi, Drama
Regisseur: Yi'Nan Diao
Darsteller: Lun-Mei Gwei, Fan Liao, Kwai Lun-Mei, Xuebing Wang




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