Donnerstag, 6. November 2014

Das Filmbusiness in der Kritik - "Verführt und Verlassen"!

©Weltkino

Was hätte „Verführt und Verlassen“ nicht alles sein können. Eine bittere Abrechnung mit der Maschinerie Hollywood oder gleich des gesamten Filmbusiness. Ein Film, der die Produzenten im Hintergrund aufspürt, ihre Ansichten und Meinungen offenbart und zeigt, was eigentlich schief läuft. Nun, so liest sich das Projekt von Regisseur James Toback und Kumpel Alec Baldwin. Beide begeben sich zum großen Festival in Cannes um ein ehrgeiziges Projekt zu finanzieren. Sie wollen an die Hintermänner im Geschäft, die Geldhaie, diejenigen, denen Profit alles bedeutet. 

In Ansätzen gelingt dieses Unterfangen auch. Das skurrile Filmprojekt kommt wie zu erwarten nicht gut an, einige Produzenten führen knallharte Kosten-Leistungs-Rechnungen durch. Das gipfelt in einem Interview mit einem Verleihchef, der nicht einmal die Drehbücher seiner Filme liest. Leider aber gehen Toback und Baldwin dem kaum hinterher. Die Doku baut keinerlei Spannungsbogen auf, versackt ein wenig in der Oberflächlichkeit. Kritische Stimmen werden zwar gehört, bleiben aber harmlos. Vielleicht hat das Gespann an dieser Stelle auch Skrupel. Wer beißt schon gerne die Hand, die ihn füttert? 

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Seine wahre Qualität beweist „Verführt und Verlassen“ jedoch, sobald einflussreiche Persönlichkeiten im Filmbereich Anekdoten aus ihrer langjährigen Karriere erzählen. Ryan Gosling, Francis Ford Coppola, Martin Scorsesee – sie alle sind talentierte Entertainer, die ein wenig Witz ins Geschehen bringen. Hier schafft es der Film auch, auf emotionaler Ebene zu berühren, wenn etwa Ford Coppola die Bedeutung der letzten Szene seines Filmes „Twixt“ offenbart. 

Für 98 Minuten selbstverständlich zu wenig. „Verführt und Verlassen“ hat eine ambitionierte Herangehensweise, krankt allerdings an der sanften Umsetzung. Wenig Kritik, wenig Seitenhiebe – am Ende haben sich alle doch mehr oder weniger lieb. Neue Erkenntnisse in Bezug auf Film als Geschäft sucht man ebenfalls vergebens. Berühmte Namen sorgen für Investoren, selbst wenn die Story Murcks ist. Um das zu wissen, muss man nur heutzutage ein Multiplex aufsuchen. Da braucht es keine Dokumentation.


©Weltkino
BEWERTUNG: 5,5/10
Titel: Verführt und Verlassen
FSK: ab 12 freigegeben
Laufzeit: 98 Minuten
Regisseur: James Toback
Darsteller: James Toback, Alec Baldwin, Ryan Gosling, Francis Ford Coppola, Martin Scorsesee, Diane Kruger, Roman Polanski, Jessica Chastain, Berenice Bejo, Bernardo Bertolucci




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