Donnerstag, 2. Oktober 2014

Vorort, Ehe, Heiterkeit - Ein Haus aus Lügen in "Gone Girl"!

©20th Century Fox

Was geschieht, wenn sich die Türen des perfekten Vorortfamilienhauses schließen und das perfekte amerikanische Ehepaar alleine ist? Diese Frage stellt sich Regisseur David Fincher in seinem neuesten Thriller „Gone Girl“ nach dem gleichnamigen Bestseller. Ben Affleck und Rosamund Pike mimen dieses Abziehbild-Pärchen, das sich auf zuckersüße Weise kennenlernt und eine Beziehung aus dem Bilderbuch zu führen scheint. Doch eines Tages kommt Affleck nach Hause und stellt fest, dass seine Frau verschwunden ist. Die Polizei nimmt schnell die Ermittlungen auf, als sich die Hinweise verdichten, der eigene Mann wäre ein möglicher Mörder. 

Mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden, denn eines ist sicher: Finchers Film schlägt mehr als nur einen Haken und führt den Zuschauer gekonnt an der Nase herum. In kühlen, gestylten Bildern schlägt er mit Wucht auf das angebliche Familienidyll ein und liefert gleichzeitig einen faszinierenden Kommentar über die Machtverhältnisse in einer Beziehung ab. Doch nicht nur das. Mutet „Gone Girl“ anfangs noch wie ein typischer Thriller an, entwickelt sich das Geschehen in Windeseile Richtung Mediensatire. Die Manipulierbarkeit der Massen, die von sämtlichen Protagonisten(?) durch die Medien angestrebt wird, wurde schon lange nicht mehr in solcher Deutlichkeit auf die Leinwand gebannt. Wie sich ein ganzes Land eine Meinung zu bilden glaubt, Journalisten im Wetteifer um gute Quoten Gerüchte streuen – weit weg von der Realität ist der Film nicht. Mehr als einmal wagt sich Fincher in den Bereich der Groteske, was dem Zuschauer im Angesicht der eiskalten Berechnung der Figuren immer wieder Lacher entlockt. Generell ist „Gone Girl“ erfrischend komisch und legt den Finger derart heftig auf die Wunde, wie es einst „American Beauty“ vermochte. Beißend komisch, herrlich fies und verdammt unterhaltsam. Interessant außerdem, dass der Film fast komplett ohne wirklichen Höhepunkt auskommt. Das Geschehen fließt in 149 Minuten stetig wie ein Fluss, ohne ins Stocken zu kommen, oder einem Wasserfall gleich zu explodieren. Trotzdem bleibt das Publikum durchweg bei der Stange und ist gespannt, was noch kommen mag. 

©20th Century Fox
In diesem Sinne ist David Fincher („Sieben“, „Fight Club“) ein versierter Regisseur, der weiß, wie er einen Film spannend gestalten kann. Leider aber kann er das Versprechen auf Seite der Figuren nicht ganz beibehalten. Der Schwachpunkt ist in Form von Ben Affleck schnell ausgemacht. Natürlich ist das ewige Nörgeln an seinen Schauspielfertigkeiten beinahe schon obsolet. Doch leider immer noch berechtigt. Mit gefühlt einem Gesichtsausdruck führt er den Zuschauer durch „Gone Girl“, was wieder einmal beweist, dass er lieber hinter der Kamera arbeiten sollte. Gerade im Zusammenspiel mit der Entdeckung des Jahres namens Carrie Coon (genial in der HBO-Serie „The Leftovers“) in der Rolle seiner Zwillingsschwester wird das umso deutlicher. Schauspielerisch kann er sich weder mit ihr, noch mit seine Filmehefrau Rosamund Pike messen. Gerade Letztere dürfte dank dieser Rolle endlich in die A-Riege Hollywoods aufsteigen. Umso schwieriger ist es, Sympathie zu Affleck aufzubauen, der stets mit Dackelblick in die Kamera(s) starrt. 

Nichtsdestotrotz ist „Gone Girl“ bissiges und bisweilen heftiges Thrillerkino, das dank seiner weiblichen Hauptdarsteller zu unterhalten weiß. Sobald Fincher in technischer Perfektion die Untiefen einer Ehe auslotet, die Medien geifernd auf alles und jeden stürzen und die Vorortidylle nicht mehr als ein Trugbild erscheint, ist klar: „Gone Girl“ ist ein echter Fincher, der einem das Lachen im Halse stecken bleiben lässt. 


©20th Century Fox
BEWERTUNG: 7,5/10
Titel: Gone Girl
FSK: ab 16 freigegeben
Laufzeit: 149 Minuten
Genre: Thriller
Erscheinungsjahr: 2014
Regisseur: David Fincher
Autor: Gillian Flynn
Darsteller: Ben Affleck, Rosamund Pike, Carrie Coon, Tyler Perry, Neil Patrick Harris, David Clennon, Missi Pyle, Scoot McNairy,






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