Donnerstag, 9. Oktober 2014

So fern und doch so nah - Backgroundsänger und die Suche nach dem Rampenlicht in "20 Feet From Stardom"!

©Weltkino





Das Geschrei war groß, als bei der letztjährigen Oscarverleihung der Preis für die beste Dokumentation an „20 Feet From Stardom“ vergeben wurde. Ein jeder hatte wohl die Sensations-Doku "The Act of Killing" auf dem Zettel, der als haushoher Favorit ins Rennen ging. Die Presse weltweit hielt sich nicht zurück und die Ursache war sofort ausgemacht: Amerika mag seine „From Rags to Riches“-Geschichten, den „American Dream“, einfach nicht loslassen. Gute Musik, Lebensweisheiten und der Glaube an sich selbst sind eben einfacher zu goutieren, als das Ermorden unschuldiger Menschen und deren fehlende Aufarbeitung.

Regisseur Morgan Neville inszeniert wirkungsvoll den steinigen Weg der stillen Helden, die im Hintergrund bleiben und doch von essentieller Wirkung für den Erfolg ihrer Leadsänger sind. Background-Sänger nämlich, die den Sound einer ganzen Musik-Generation prägten und doch  nur selten wahre Anerkennung genossen. Um das zu ändern, versammelt sich die Creme de la Creme vor der Kamera um in immer gleichen Interviews über die stimmlichen Wunder zu berichten. „Unglaublich“ und „von einer anderen Welt“ geben gestandene Künstler, wie Mick Jagger, Sheryl Crowe und Sting zum Besten, während sie über ihre Sänger reden. Dabei gibt die Doku einen umfassenden Einblick in die Welt der Backgroundsänger – vor allem historisch gesehen wunderbar bebildert und einfallsreich inszeniert. Mit intelligenten Bildmontagen erzeugt Regisseur Neville ein gesundes Maß an Dramatik und vertraut dabei ganz auf die Kraft der Musik. Und fürwahr: Die Stimmen der (überwiegend) Sängerinnen stehen denen ihrer Stars in Nichts nach. Wenn überhaupt. Außerdem spricht Neville die Schwierigkeit an, eine eigene Solokarriere zu starten. Die Selbstzweifel, der enorme Druck und die Machenschaften der Labels sind hochinteressant. Leider geht der Regisseur hier aber nicht in die Tiefe, sondern lässt seine Interviewpartner diesbezüglich nur kurz zu Wort kommen. 

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Lieber wird auf die erfolgreichen Beispiele der Musikindustrie geschnitten um dem amerikanischen Publikum einzubläuen: Du musst nur an dich glauben, irgendwann kommt der Erfolg mit Sicherheit. Dass es zahlreiche Backgroundsänger- und Sängerinnen gibt, die an dem Business zu Grunde gehen, wird nur am Rande erwähnt und wenn ausführlicher, dann ist es die eigene Entscheidung des Künstlers gewesen. 

Was bleibt, sind unterhaltsame und kurzweilige 90 Minuten, die einen kleinen Einblick in eine kaum beachtete Zunft bieten. Kritische Gedanken werden stark abgekürzt, was dem Feel-Good-Charakter der Doku nur zuträglich ist. Musik und glückliche Menschen lassen den Zuschauer eben fröhlich aus dem Kino gehen. Ein Genozid in Indonesien ("The Act of Killing") wohl eher nicht. So einfach ist das. 

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 BEWERTUNG: 07/10
Titel: 20 Feet From Stardom
Laufzeit: 91 Minuten
Genre: Dokumentation
Erscheinungsjahr: 2013
FSK: ab 12 freigegeben
Regisseur: Morgan Neville
Darsteller/Interviewpartner: Bruce Springsteen, Mick Jagger, Sheryl Crow, Steve Wonder, Sting, Merry Clayton, Lisa Fischer




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