Donnerstag, 16. Oktober 2014

Mütter und ihre Kinder - ein Spiel mit der Psyche in "Proxy"!

©Ascot Elite
Selten genug kommt es vor, dass es im Horror-Genre noch echte Überraschungen gibt. Meist wird strikt das Klischee des Klischees wiederholt und beinahe schon zelebriert. Fans müssen zuweilen tiefer als bloß im Programm des nächsten Multiplexkinos graben, um noch Perlen zu finden. Einer dieser Perlen könnte „Proxy“ von Zack Parker sein. Könnte, da es schwierig ist, sich mit diesem Film anzufreunden. Parker erzählt gleich mehrere Geschichten rund um eine junge Mutter, die ihr Kind verloren hat. Aus dieser Situation heraus entwickelt sich ein schwer zu greifender Film, der mit den Genres um sich wirft, wie ein Jongleur Bälle durch die Luft wirbelt. Drama, Horror, Thriller – von allem ein bisschen. 

Leider aber mutet der Regisseur mit einer Laufzeit von knapp zwei Stunden dem Stoff zu viel zu. Vor allem im Mittelteil schweifen die Gedanken des Zuschauers wiederholt ab. Klar, durch sein aufsehenerregendes Finale entlohnt „Proxy“ dann doch, allerdings könnte er auf dem Weg schon so manchen verloren haben. Unglücklicherweise ist die Betrachtung sämtlicher Figuren zwingend notwendig, um den Wendungen gen Ende ihre Wirkung zu verleihen. Eine Zwickmühle, die Parker nur bedingt lösen kann. 
©Ascot Elite

Ebenso inkohärent wie mit dem Erzählfluss verhält es sich auch mit den Darstellern. Während insbesondere Alexa Havins (Serie „Torchwood“) zu überzeugen weiß, wandert das Niveau der üblichen Schauspieler von Laientheater zu Telenovela-Star. Natürlich nicht durch die Bank weg, aber es hemmt das Potenzial des Films doch ein wenig. Dem entgegen wirkt Parkers sicheres Gespür für passende Bilder. Manche Schlüsselszenen des Films sind hervorragend inszeniert und sorgen für den einen oder anderen WTF-Moment. Deshalb schafft „Proxy“ den Sprung weg vom Mittelfeld des Genre-Einheitsbreis. Er ist ambitioniert, nicht dämlich und zitiert seine großen Vorbilder wirkungsvoll. Sicherlich nicht perfekt, doch macht das Spiel mit der Psyche seiner Figuren sichtlich Spaß. Werdende Mütter sollten von „Proxy“ allerdings Abstand nehmen. Das Gezeigte könnte gerade für sie umso schrecklicher sein. 

Zack Parker leuchtet tief hinein, in die Abgründe der Beziehung zwischen Mutter/Vater und Kind. Vielleicht nicht immer nachvollziehbar in Bezug auf Aktionen seiner Figuren, doch faszinierend bis zum Schluss. Parker ist ein Name, den man sich merken sollte. Da könnte noch Großes kommen.


©Ascot Elite
 
 BEWERTUNG: 6,5/10
Titel: Proxy
FSK: ab 18 freigegeben
Genre: Thriller, Drama, Horror
Erscheinungsjahr: 2014
Laufzeit: 120 Minuten
Regisseur/Produzent/Autor: Zack Parker
Darsteller: Alexa Havins, Alexia Rasmussen, Joe Swanberg, Faust Checho




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