Dienstag, 14. Oktober 2014

Gefangen in der Dunkelheit - der Zuschauer gleich mit: "Die Höhle"!

©Ascot Elite
Es muss heutzutage schwierig sein, als Regisseur einen ansprechenden Found-Footage-Film zu kreieren. Seit „Blair Witch Project“ den Menschen per Wackelkamera das Fürchten lehrte, versuchten Unzählige auf den Zug aufzuspringen. Die Folge waren minderwertige Produktionen, die eher durch unfreiwillige Komik bestachen, als ernsthaften Grusel. Nun macht sich der spanische Filmemacher Alfredo Montero daran, dem Genre wieder Leben einzuhauchen. Da sich Spanien in letzter Zeit als Produktionsland für atmosphärischen Horror einen Namen gemacht hat, könnten die Vorzeichen nicht besser stehen. 

Doch leider, leider sind es auch nur die Vorzeichen, die einen guten Film versprechen. Das Endergebnis ist vollkommen ernüchternd und verliert sich in seinen knappen 77 Minuten völlig. Die Ausgangslage ist altbekannt: Eine Gruppe hipper junger Menschen macht sich auf, in der heimischen Flora und Fauna Urlaub zu machen. Per Zufall entdeckt einer der Reisenden den Eingang zu einer geheimnisvollen Höhle. Bevor der Zuschauer noch mehr unsympathische Wichte sehen muss, die sich besaufen, ficken, Pott rauchen und sich schließlich übergeben, laufen die Figuren schnurstracks ins Dunkel hinein. Immer weiter und weiter und weiter, bis jeder Zuschauer den Glauben an gesunden Menschenverstand verloren haben dürfte. 

Eine Entscheidung dümmer als die andere, Charaktere, die nur noch den Geduldsfaden des Publikums penetrieren und die gefürchtete ungewollte Komik – all das sind Zutaten, die noch keinen Horrorfilm groß gemacht haben. Zwar sind die Impressionen der Höhle wirklich gelungen, doch hilft das nichts, wenn fünf Idioten hindurchmarschieren. Spannung kommt selten auf, auch wenn der reduzierte Raum in engen Felsschluchten hervorragend eingefangen und der (Angst-)Schweiß der Verirrten fast zum Greifen nahe ist. Gerade Menschen, denen Klaustrophobie kein Fremdwort ist, werden wohl nicht allzu bald nach Ansicht des Films eine Höhle aufsuchen. Was positiv klingt, ist es in Form von „Die Höhle“ allerdings nur selten. Da sämtliche Darsteller dem Zuschauer egal sind, kann keine Form von Zuneigung oder gar Mitgefühl entstehen. Schon allein deswegen nicht, weil das Einzige, das von der Exposition in Erinnerung bleibt, ein in die Kamera gehaltener hässlicher Männerhintern ist. 

Es ist also völlig egal, was für grausame Entscheidungen getroffen werden müssen, wie die Psyche der Gruppe leidet oder Hoffnungen zerstört werden. Genau einen Spannungsmoment gibt es, wenn Regisseur Montero die Kamera in die Hände der einzigen halbwegs normalen Protagonistin fallen lässt. Dass das für einen Horrorfilm viel zu wenig ist, muss kaum gesagt werden. 


©Ascot Elite
BEWERTUNG: 3,5/10
Titel: Die Höhle
FSK: ab 16 freigegeben
Laufzeit: 77 Minuten
Genre: Horror
Erscheinungsjahr: 2014
Regisseur: Alfredo Montero
Darsteller: Marcos Ortiz, Eva Garcia-Vacas, Xoel Fernandez, Jorge Paez, Marta Castellote



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