Montag, 20. Oktober 2014

Der Zerstörer des Sonntagabends schlägt wieder zu: Dominik Grafs Polizeiruf „Smoke on the Water“


Was hat man es auch schwer als Krimigucker am Sonntagabend. Toilettengänge? Der Weg zum Kühlschrank, um sich ein kühles Bier zu holen? Der Griff in die Schublade mit den Süßigkeiten? Alles das ist nicht möglich, man könnte ja etwas verpassen. Möglicherweise verplappert sich der Tatverdächtige, vielleicht finden die Fernsehermittler den entscheidenen Hinweis auf den Täter oder privat kommen sich Kommissar und Pathologin endlich näher.
Ein Glück, dass man sich in der ARD abermals dazu entschied, Dominik Graf die Regie für den aktuellen Polizeiruf „Smoke on the water“ zu überlassen. Bei seinen Fällen kann man sich getrost nun auch mit Bügeln oder anderen Nebensächlichkeiten beschäftigen – man versäumt sowieso nichts. Im Gegenteil: Am Sonntagabend hat der vollkommen überbewertete Regisseur mal wieder bewiesen, dass er ein großes Talent besitzt – das Talent zum Ruinieren des Sonntagabends.

Der Adel unter sich: Ken Duken (Zweiter von rechts) als Guttenberg-Verschnitt samt Gattin und Sohnemann mit Matthias Brandt als Ermittler Hanns von Meuffels © BR/Julia von Vietinghoff
Der Plot ist schon wirr genug: Die Journalistin Anne ten Hoff wird ermordet, der erfolglose Musiker Mischa Eigner (Marek Harloff) nimmt die Schuld auf sich. Ein Ehrenmann, schließlich war es nicht – da ist sich Ermittler Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) ganz sicher. Zusammen mit der Freundin der Toten (Judith Bohle) will er das nun beweisen. Was dann kommt, ist dann irgendwas zwischen Groteske und „Die EU, die Politiker, die Adeligen – das sind doch alles Schweine“-Geschichte.
Ten Hoff arbeitete an einem Artikel über die bösen Machenschaften eines Wirtschaftsunternehmens, das Satelliten-Leitsysteme für die Rüstungsindustrie herstellt. Irgendwo mittendrin ist da dann noch ein böser Adels-Europa-Politiker (Ken Duken), der campierende Friedensaktivisten zu Besuch hat, weil er dieses Unternehmen in den bayrischen Landkreis holte. Und irgendjemand aus diesem illustren Umfeld muss Ten Hoff in Wahrheit auf dem Gewissen haben...

Absurditäten made by Dominik Graf

Eine ziemlich wirre Story. Duken, sonst ein Guter, mimt den sexsüchtigen Politiker. Einmal pro Tag braucht er das, sonst kriegt er Rückenschmerzen und man muss sich auf diesen stellen – wie es im Film der Kommissar tut. Vom Adeligen zum Adeligen sozusagen. Unser werter Herr Plagiator Zu Guttenberg lässt grüßen: Dukens Figur sitzt für die filmische CSU-Variante im Europaparlament und sieht mit seiner Brille und Frisur exakt so aus wie der lebende Theodor. Übrigens heißt Dukens Filmsohn Holger Zacharias – der Arme! - und sein Chauffeur – kann einem auch Leid tun - läuft für ihn die Schuhe ein. Diese Adeligen...das alles klingt noch nicht lächerlich genug? Kein Problem. Graf hat noch mehr im Petto.
Aus Seehofer wird im Krimi Teichgräber – hahaha...-, Von Meuffels geht auf Zeugenbefragung in den Englischen Garten und unterhält sich dort mit Nackten – das ist eben Kunst! -, und im Gasthaus bekommen fesche Dirndl-Trägerinnen gerne auch mal zum Mittag einen Orgasmus, wenn der ebenso fesche Politiker vorbeischaut. Im Finale geht’s dann so richtig ab, wenn lustige Joker-Kopien für ein wenig Stimmung und Spannung sorgen (sollen). Wer ihnen nun den Befehl gab, Angst und Schrecken im Hause des adeligen Politikers zu verbreiten? Eine Frage, die offen bleibt.
Zwischendurch vergleichen Kommissar und Aushilfs-Ermittlerin – warum darf eigentlich die Lebensgefährtin einer Toten mit einem Kommissar zusammen ermitteln? - übrigens dann noch ihre Narben am Körper. Aber auch das ist vermutlich Kunst.

Bei Dominik Graf ermittelt der Kommissar mit den Angehörigen der Ermodeten! © BR/Julia von Vietinghoff
Technisch wirkte der ganze Film wie aus dem letzten Jahrhundert. Eine kriselige Optik wie in den 80er-Jahren – Kunst! -, ein Ton, bei dem man rein gar nichts verstand - warum nuscheln bei Graf eigentlich ständig alle Darsteller?! Die Grafschen Nerve-Zooms in die Gesichter und so weiter und so fort...ach ja, man könnte so viel noch über diesen Film erzählen. Brandt und Duken werden verheizt, alles bleibt irgendwie sinnbefreit und überproportioniert anstrengend. Und die Lehren des gestrigen Abends? Auch nicht neu: die EU ist böse, die Konzerne sind böse, die Politiker sind böse, und irgendwie geht’s ja immer nur ums Geld, wie auch Duken an einer Stelle sagen muss. Zum Gähnen.

© ARD
Wie dem auch sei: Ich muss jetzt los, in die Kneipe um die Ecke – mir erst einen Orgasmus besorgen und dann mit der Kneipen-Bedienung die blauen Flecke vergleichen. Dann bin ich auch endlich mal ein Künstler. Juhu!

BEWERTUNG: 0/10
Titel: Polizeiruf 110: Smoke on the Water
Erstausstrahlung: 19.10.2014
Genre: Krimi
Regisseur: Dominik Graf
Darsteller: Matthias Brandt, Ken Duken, Judith Bohle, Marek Harloff, Anja Schiffel, Lena Baader

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen