Montag, 22. September 2014

Zwei Familien in der Zerreißprobe - Like Father, Like Son




AB 25. SEPTEMBER IM KINO! ©Film Kino Text


Es muss einer der größten Alpträume für Eltern sein. Ein Kind aufzuziehen und erst Jahre später zu erfahren, dass dieses Kind gar nicht ihr leibliches ist. Vertauscht nach der Geburt, vollkommen ohne Eigenverschulden. Genau das passiert der Familie Nonomiya, für die eine Welt zusammenbricht. Der Vater ist eifriger Geschäftsmann, der mehr Zeit auf seiner Arbeit verbringt, als zuhause. Die Mutter jedoch ist Hausfrau und wird fortan von Selbstzweifeln geplagt. Als sie die Familie, die ihren richtigen Sohn aufgezogen hat, treffen, wird es immer schwieriger, den äußeren Schein zu wahren. 

Ausgezeichnet mit dem großen Preis der Jury 2013 in Cannes, zeichnet Regisseur Hirokazu Koreeda ein stimmiges Bild zweier Familien, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Während die eine die klassische Oberschicht repräsentiert und vor allem durch den Vater nach Erfolg strebt, ist die zweite Familie in der unteren Mittelschicht angesiedelt. Tiefschürfende Fragen werden aufgeworfen, schließlich bedeutet das Vertauschen der Kinder für beide Seiten großen Schmerz. Wie geht man nun damit um, dass der eigene Sohn unter anderem Namen aufwächst? Hätte man es nicht sofort merken müssen? Wie viel bedeutet schließlich die eigene Blutslinie und was das soziale Gefüge um das Kind herum? 

©Film Kino Text
Offensichtlich ist „Like Father, Like Son“ keine leichte Kost. Der Film wirkt teilweise wie eine Dokumentation, ohne mit filmischen Stilmitteln Emotionen hervorrufen zu wollen. Vergleichbar mit den Werken eines Michael Haneke, ist sein Film nüchtern und realistisch, ohne viel Aufhebens um sein im Grunde unangenehmes Thema zu machen. Gleichzeitig durchleuchtet Koreeda die sich stark abgrenzenden sozialen Umfelder in puncto Land- und Stadtleben in Japan. Die Familie Nonomiya verkörpert noch am ehesten das Bild, dass der Westen von Japan hat. Reserviert, höflich, die Emotionen unterdrückend. Mit fortschreitender Laufzeit bekommt dieses Bild jedoch feine Risse, die sich schlussendlich komplett Bahn brechen. Gerade im Vergleich mit den zwar ärmeren, doch glücklicher wirkenden Saikis fällt dieser Unterschied immer mehr auf. Immer häufiger stellt Koreeda das Prinzip Leistungsgesellschaft in Japan in Frage, was sich vor allem in der hervorragenden Vaterfigur der Nonomiyas niederschlägt. Denn auch er muss erkennen, dass er mit seinem Kind nicht unbegrenzt Zeit zur Verfügung hat. 

Im Grunde macht Regisseur Koreeda also wenig falsch. Trotzdem mag „Like Father, Like Son“ nicht vollkommen überzeugen. Im Laufe der Zeit wirken manche Szenen redundant und beginnen, sich zu wiederholen. Etwas weniger Laufzeit hätte den sowieso schon ruhigen Film runder gemacht und manchen Blick auf die Uhr verhindert. So verzettelt sich Koreeda ein wenig in den Familienkonstellationen, auch wenn seine Absicht klar ist. Die Figuren liegen ihm am Herzen und er möchte die Wandlung der Nonomiyas so authentisch wie möglich darstellen. Das gelingt ihm auch, allerdings nicht ohne seinen Film selbst auszubremsen. 

Höchstwahrscheinlich ist „Like Father, Like Son“ aber auch einer jener Filme, die mit einer Zweitsichtung dazugewinnen. Vor allem Menschen, die sich sehr mit dem Thema identifizieren (Eltern), dürften dem Film viel abgewinnen können. Ähnlich wie der Jurypräsident Steven Spielberg in Cannes, der so begeistert war, dass er ein Remake realisieren wird. Am Drehbuch wird schon gefeilt. Hollywood reißt sich also den nächsten aussichtsreichen Stoff unter den Nagel. Wie überraschend. 

©Film Kino Text
BEWERTUNG: 6,5/10
Titel: Like Father, Like Son
Laufzeit: 120 Minuten
FSK: ab 6 freigegeben
Genre: Drama
Regisseur: Hirokazu Koreeda
Darsteller: Yoko Maki, Masaharu Fukuyama, Jun Kunimura, Kirin Kiki, Machiko Ono, Lily Franky, Jun Fubuki, Isao Natsuyagi





Offizieller Trailer:




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