Mittwoch, 17. September 2014

Krieg unter Nachbarn - Bad Neighbors!





©Universal

Es kommt nun einmal die Zeit, da die Jugend vergangen ist. Vorbei das sorglose Leben, die sorgenfreie Welt. Früher oder später muss der Mensch Verantwortung übernehmen, hat Pflichten, die – aus Sicht der jüngeren Generationen – mutmaßlich als lästig empfunden werden. Das müssen auch Seth Rogen und Rose Byrne im Film „Bad Neighbors“ erfahren. Das Paar hat gerade Nachwuchs bekommen und muss sich in ihrer Rolle als Eltern erst einmal zurechtfinden. Ein Haus im Vorort wird gekauft, das Babyzimmer arrangiert. Klingt nach dem typischen US-Bild einer Kleinfamilie? Nicht ganz. Im Nachbarhaus zieht nämlich eine College-Verbindung ein, die dem Elternpaar das Leben zur Hölle macht. 

In der Flut an sogenannten „R-Rating-Komödien“ fällt es zunehmend schwerer zu bestehen. Seit Judd Apatow mit Filmen wie „Jungfrau, 40, männlich, sucht…“ oder „Beim ersten Mal“ Erfolge feierte, sind sie ein sicheres Pferd, auf das die Hollywood-Produzenten setzen können. Filme, wie „Hangover“ oder „Ted“ sind nur zwei der jüngeren und erfolgreichen Beispiele. Doch immer mehr fällt auf, dass die Filmemacher nicht mehr nur auf flache Sexwitze, Schimpfwörter und Nacktheit setzen können. So steckt auch zwischen fast schon beeindruckend vielfältigen Peniswitzen und Körperflüssigkeitengags eine einfühlsame Geschichte über das Übernehmen von Verantwortung und Reife. Leider traut sich Regisseur Nicholas Stoller nicht, diese Punkte auszuformulieren. Stets bleibt die Kritik an der Oberfläche und bricht sich nur selten Bahn. Etwa dann, wenn der Präsident der Verbindung Zac Efron und sein Vize Dave Franco über die Wichtigkeit der Partys und Verbindungen an sich im Vergleich zum späteren Leben in heftigen Streit geraten. Hier zeigt sich: Die Drehbuchautoren Andrew Jay Cohen und Brendan O’Brien haben sich Gedanken gemacht. Nur leider nicht konsequent genug. 

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So pflügt sich „Bad Neighbors“ durch ein großes Repertoire an Fremdscham-Momenten und kostet jeden Fehltritt der Eltern genüsslich aus. Das hat oftmals einen gewissen Reiz, vor allem dann, wenn sich Jung und Alt begegnen und die Beiden die Party der Studentenverbindung aufmischen. Regisseur Stoller weiß diesen Rausch aus Alkohol und Drogen visuell ordentlich zu präsentieren. Immer wieder schleichen sich schon fast surreale Elemente in den Film. Trotzdem hebt sich „Bad Neighbors“ nur selten von der Konkurrenz ab. Passiert das doch, wird schnell mit dem nächsten Flachwitz darüber hinweg gegangen. So versteckt sich in „Bad Neighbors“ ein guter Film, der das Ablehnen des Erwachsenwerdens thematisiert. Mehr als einmal wird eine Parallele zwischen dem Partyhengst Zac Efron und dem Papa Seth Rogen gezogen. Der Eine erkennt sich in dem Anderen wieder und bekommt es mit der Angst zu tun. Efron, da er um seine komplette zukünftige Orientierung bangt und Rogen, weil er langsam erkennt, dass die unbeschwerte Zeit vorbei ist und er Verantwortung übernehmen muss. 

Doch gehen diese Gedankengänge meist unter und letztendlich ist es auch nicht das, um was es den Filmemachern hier wahrscheinlich geht. Kurzweilige Unterhaltung nämlich, die dem Zuschauer angenehme 90 Minuten beschert. Wer sich kurz mit den angekratzten Themen des Films beschäftigt, wird aber merken: „Bad Neighbors“ hätte soviel besser, soviel substantieller sein können…
Schade.

©Universal
BEWERTUNG: 05/10
Titel: Bad Neighbors
FSK: ab 12 freigegeben
Erscheinungsjahr: 2014
Laufzeit: 97 Minuten
Genre: Komödie
Regisseur: Nicholas Stoller
Darsteller: Seth Rogen, Zac Efron, Rose Byrne, Dave Franco, Christopher Mintz-Plasse, Craig Roberts, Lisa Kudrow, Carla Gallo






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