Dienstag, 2. September 2014

Everything is awesome! - Bauklotz-Massaker in "The Lego Movie"!







©Warner Bros.
„The Lego Movie“ ist mit Sicherheit einer der interessantesten Animationsfilme der letzten Zeit. In ihm stecken dermaßen viele Widersprüche, dass mit Sicherheit noch lange darüber gesprochen werden wird. Die Regisseure Phil Lord und Christopher Miller („21 Jump Street“) versuchen mit großem Tamtam die Faszination der Bauklötze zum Leben erwecken, die Millionen Kinder und Erwachsene weltweit zu fantasievollen Bauten inspirierte. In der Tat ist es beeindruckend zu sehen, wie sich Millionen kleinster Bausteine zusammensetzen, in Windeseile auseinanderfliegen um sich als völlig neues Gebilde wieder zusammenzusetzen. Optisch schöpft der Film aus der vollen Lego-Kiste, der Zuschauer kommt es aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. 

©Warner Bros.
Noch interessanter wird es mit Blick auf die Story. Lego-Männchen Emmett ist der Inbegriff der Durchschnittlichkeit. Er hat sich dermaßen gut an die Gesellschaft um ihn herum angepasst, dass ihn niemand wahrnimmt. Ein geregelter Tagesablauf, Chart-Mukke als Lieblingssong und irgendeine TV-Soap als Lieblingsserie. Eigentlich ist er das Vorzeigeobjekt schlechthin seiner Umgebung. Das ändert sich schlagartig, als er durch einen Zufall mitten hinein in die Rebellion gegen President Business gerät, die gegen Konformität und für Individualität einsteht. „The Lego Movie“ entwickelt sich von hippem Schabernack hin zu einem Plädoyer für mehr Kreativität und Selbstbestimmung. 

Ein millionenschwerer Konzern also, der selbst in der Mitte unserer Konsumgesellschaft steht, wird plötzlich selbstkritisch und prangert sich selbst und Konsorten an? Vielleicht steckt in der Story des Films auch so etwas wie Selbsterkenntnis. Schließlich musste Lego mit gehörigen Gewinneinbußen kämpfen, seit sie dem Kunden fertige Spielwelten lieferte, anstatt auf die Kreativität eben jener zu vertrauen. Am Ende ist die wahre Absicht doch nur, einen überlangen Werbespot zu erstellen, der das Beste der Klötzchen hervorhebt. Dafür ist „The Lego Movie“ tatsächlich zu hundert Prozent geeignet.
Doch ist der Film nicht für jedermann gemacht. Gerade die erste halbe Stunde dürfte darüber entscheiden, ob man „The Lego Movie“ durchsteht, oder nicht. Lord und Miller stoßen den Zuschauer nämlich in einen Strudel aus Farben, grellen Bildern und unfassbar schnellen Schnitten. Teilweise wirkt es, als seien sämtliche Beteiligten einer LSD-Fahrt aufgesprungen um munter die Leinwand mit den unmöglichsten Szenen zu füllen. Da ist eine gewisse Eingewöhnungszeit zwingend notwendig. Hat man das geschafft, kommt einem das Tempo gar nicht mehr so schlimm vor, was sich im letzten Drittel sowieso verlangsamt. Erst da entfaltet „The Lego Movie“ seine gesamte Schlagkraft. Dann nämlich, wenn Lord und Miller aus der Virtualität hinaustreten und dem Film eine nette Sub-Ebene spendieren.

Hinter „The Lego Movie“ steckt also mehr, als bloß ein weiterer Animationsfilm. Zeitweilen anstrengend, fasziniert die Mischung aus Werbespot, Selbstkritik und Plädoyer für Kreativität durchaus. 

©Warner Bros.
BEWERTUNG: 07/10
Titel: The Lego Movie
FSK: ab 0 freigegeben
Erscheinungsjahr: 2014
Genre: Animation, Komödie
Regisseure: Phil Lord, Chris Miller
Stimmen: Chris Pratt, Charlie Day, Morgan Freeman, Will Ferrell, Elizabeth Banks, Will Arnett













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